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Bundespräsident Gauck
Heikler Auftritt beim Nachbarn
Von Thomas Lanig
BREDA. Fast schien es, als wäre das Programm des Befreiungstages in den Niederlanden für Joachim Gauck persönlich entworfen worden. Freiheit und Verantwortung, die Eckpfeiler seines politischen Denkens, waren auch Thema des Tages in der Grote Kerk von Breda.
Bootstour mit Königin: Joachim Gauck und die niederländische Königsfamilie auf der Fahrt durch die Grachten. Foto: ap
Zum ersten Mal sprach am 5. Mai ein Deutscher an dem Tag, an dem das Ende der brutalen Naziherrschaft im Nachbarland gefeiert wird. Schuld und Leid, Widerstand und Versöhnung, die Zukunft Europas, das waren Kernpunkte seiner Rede. Bei einer Bootsfahrt in Amsterdam zusammen mit Königin Beatrix klang der Abend aus - unter dem Jubel vieler tausend Niederländer.
Routine ist das noch nicht, was Gauck auf seinen Antrittsbesuchen in den Nachbarländern vorlegt. Der Kontakt zu gekrönten Häuptern scheint ihn zu beeindrucken und auch ein bisschen zu amüsieren. "Ich übernachte heute im Schloss - auch schön so etwas." Auch seine Lebensgefährtin Daniela Schadt gesteht, dass sie sich noch nicht ganz an die neue Rolle der First Lady gewöhnt hat.
Offiziell gar kein Thema, aber im Hintergrund präsent war der Fall des Klaas Carel Faber, der in den Niederlanden wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde und dennoch, inzwischen 90-jährig, unbehelligt in Deutschland lebt.
Vor dem Besuch hatte der Fall Kritik an der Einladung Gaucks ausgelöst. Danach gefragt sagte er: "Wir haben kein Interesse daran, Verbrecher zu schützen." Aber dann machte er kurz vor dem gefährlichen Punkt Halt, an dem man ihm Einmischung in die Justiz vorwerfen könnte. In Brüssel, war ihm ein kleiner Lapsus unterlaufen, als er die Meinung kundtat, das Verfassungsgericht werde Schritte zur weiteren europäischen Integration sicher nicht "konterkarieren".
Das war ihm als Bevormundung des höchsten Gerichts ausgelegt worden. Die Niederländer waren an diesem Tag der Befreiung mit dem Bundespräsidenten zufrieden. Und sie dankten es ihm: In einer Filmcollage zum Abschluss waren Freiheitshelden wie Martin Luther King und John F. Kennedy zu sehen, Nelson Mandela und Mahatma Gandhi und mittendrin: Joachim Gauck.
Artikel vom 07.05.2012
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