Kommentar zur Organspende

Gezielt beraten

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen.

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen.

Berlin. In Bezug auf die Organspende muss in Deutschland was getan werden. Das Thema muss aber mit viel Sensibilität angegangen werden. Ein Kommentar.

Es steht außer Frage, dass sich in Deutschland bei der Organspende etwas bewegen muss. Rund 10 000 Menschen warten auf ein lebensrettendes Organ. Jedes Jahr kommen 5000 neue Schwerkranke hinzu. Viele von ihnen sterben ohne die Chance auf ein Weiterleben mit einem Spenderorgan.

Das Thema muss aber mit viel Sensibilität angegangen werden. Dafür ist eine Widerspruchslösung ungeeignet, wonach jeder Mensch Organspender ist, der dem zu Lebzeiten nicht widersprochen hat. Das Wesen einer Spende ist ihre Freiwilligkeit, das sollte bei Organen nicht anders sein. Für die Widerspruchslösung besteht auch keine Notwendigkeit: Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind bereit, im Todesfall ihre Organe zur Rettung anderer Leben herzugeben. Das Ziel des Gesetzgebers muss es also nur sein, dass die Menschen ihre Bereitschaft auch verbindlich bekunden.

Dafür ist der Ansatz des am Montag von Grünen-Chefin Annalena Baerbock vorgestellten Gesetzentwurfs geeignet. Wenn-gleich er auch noch nicht ganz ausgereift ist. Die Ausweisstellen sind nicht die richtigen Vermittler für das Thema. Man sollte es allein den Medizinern überlassen, die der Gesetzentwurf ja ohnehin einbezieht.

Für jeden noch so kleinen Eingriff müssen Ärzte ihre Patienten ausführlich beraten und eine Einverständniserklärung unterzeichnen lassen. Warum sollte die aktive Einwilligung ausgerechnet bei der Organspende nicht gelten? Jeder potenzielle Organspender sollte nicht nur von den großen Chancen erfahren, dass er mit seinen Organen gleich mehrere Leben retten kann. Er muss auch wissen, wie belastbar es für die Angehörigen sein kann, dass die Maschinen noch nicht abgestellt werden, wenn für ihn selbst keinerlei Hoffnung mehr besteht.