Julia Reda

Gebürtige Bonnerin ist Spitzenkandidatin der Piraten für Europawahlen

Optimistisch in den Wahlkampf: Julia Reda.

MAINZ. "Wir wollen ein Europa der Menschen, nicht der Regierungen." Mehrfach betont Julia Reda diesen Satz. Ob die 27-jährige gebürtige Bonnerin an der Gestaltung dieses Europas ganz direkt mitwirken kann, entscheidet sich Ende Mai bei den Wahlen zum EU-Parlament.

Denn da steht Reda auf Platz eins der deutschen Liste der Piratenpartei. Anders ausgedrückt: Wenn es eine deutsche Piratin schafft, dann Reda.

Davor allerdings steht eine Drei-Prozent-Hürde, die die junge Partei knacken muss. Reda ist optimistisch, auch wenn bei der Bundestagswahl nach diversen Skandalen gerade noch 2,2 Prozent ihr Kreuzchen bei den Piraten machten. "Wir hatten uns ziemlich verzettelt, versucht, alle Themen abzudecken, und keiner konnte mehr verstehen, was wir eigentlich wollen", räumt die junge Frau ein. "Wir haben daraus gelernt. Für Europa haben wir Visionen." Nun gelte es, vor allem junge Wähler zu gewinnen.

Wie ein Abgeordnetenleben in Brüssel abläuft, darüber hat sich Reda bereits vor zwei Jahren ein Bild gemacht, als sie ein Praktikum bei der schwedischen Europa-Abgeordneten Amelia Andersdotter machte. "Internationale Kontakte sind mir wichtig", sagt Reda. "Auf meiner Facebook-Timeline wird in zwölf Sprachen kommuniziert." "Youtube-Beiträge dürfen nicht in einigen Ländern offen und in anderen gesperrt sein" - aber auch faktisch offene Grenzen ohne Angst vor Zuwanderung gehören zu ihrem Programm.

Politik interessiert Reda schon lange. Als Tochter eines Italieners und einer Deutschen in Bonn geboren, siedelte sie mit ihrer Familie 1999 nach Berlin über. "Meine Eltern sind Übersetzer", erklärt sie, sie seien der Politik an die Spree gefolgt. "Inzwischen lebe ich aber schon länger in Mainz als in Berlin", stellt sie fest. Viel Zeit verbringt die 27-Jährige in Frankfurt, wo sie politisch ihre Heimat gefunden hat. "Da ich in Kastel wohne, gehöre ich zum Landesverband Hessen, und in Frankfurt ist halt am meisten los."

Reda war mit 16 Jahren zunächst in die SPD eingetreten, die sie dann aus Ärger über deren Haltung zu den sogenannten Netzsperren verlassen hatte. 2010 bis 2012 führte sie die deutschen Jungpiraten und gehörte im August zu den Gründern der Piraten-Nachwuchs-Partei Young Pirates of Europe, deren Vorsitzende sie ist.

Bis der Europa-Wahlkampf in die Vollen geht, hat Reda allerdings noch etwas anderes vor, nämlich ihr Studium abzuschließen. Sie wolle politisch aktiv sein, falls nicht als Abgeordnete, dann als Aktivistin. Ein Wunsch, der wohl auch die Berufswahl beeinflussen wird, wenn es darum geht, beides unter einen Hut zu bringen.

Aber noch geht sie optimistisch von einem Erfolg bei der Europawahl aus. Die am 21. März bevorstehende Gründung der Europäischen Piratenpartei werde der Startschuss für die heiße Phase des Wahlkampfs. Ihre Vision: ein europäischer Föderalstaat mit Regionen, die durch den gemeinsamen kulturellen Hintergrund geprägt sind und der Bürger deutlich mehr Mitsprache hat als heute.