Kommentar zu Schröder und Rosneft

Gas, Gerd und Geld

Seit Jahren ziemlich eng: der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) begrüßt im April 2004 vor dem Theater Hannover am Aegi den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Seit Jahren ziemlich eng: der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) begrüßt im April 2004 vor dem Theater Hannover am Aegi den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Berlin. SPD-Altkanzler Gerhard Schröder könnte russischen Medien zufolge nun sogar Aufsichtsratschef beim Ölriesen Rosneft werden, der auf der EU-Sanktionsliste steht. Das schlägt kurz vor der Wahl wieder Wellen.

Auch ein Bundeskanzler außer Diensten wird nur sehr bedingt zum Privatmann. Wenn Gerhard Schröder für die Ostsee-Pipeline Nord Stream, an der der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält, Fäden zieht oder über den Kreml-nahen Energiekonzern Rosneft die Aufsicht führt, tut dies nicht ein Herr Schröder aus Hannover, sondern der ehemalige Bundeskanzler. Vor allem wegen seiner wertvollen Verbindungen aus seiner Zeit als deutscher Regierungschef hat ihn zuletzt auch Rosneft in den Aufsichtsrat gerufen, womöglich wird er sogar Chef dieses einflussreichen Gremiums. Gut, Schröder ist Putin-Freund und gilt als Russland-Versteher, aber erst das höchste Regierungsamt in Deutschland, das er sieben Jahre inne hatte, brachte ihn in die Position, sich nach seiner Amtszeit die alten Kontakte versilbern zu lassen.

Schröder ist beinharter Lobbyist – und nun auch wieder Wahlkämpfer der SPD. Ob sein wohl dotiertes Engagement für den Rosneft-Konzern, der wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der Halbinsel Krim von EU-Sanktionen betroffen ist, der SPD hilft, ist eine sehr offene Frage. Denn zu einem guten Wahlkampf gehören Entschlossenheit und Offensive ebenso wie Fingerspitzengefühl. Und genau dies lässt der ehemalige Kanzler und SPD-Vorsitzende vermissen. Je mehr Schröder den Gas-Gerd gibt, umso zwiespältiger müssen seine Wahlkampfauftritte auf die Menschen wirken. Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist von Schröders Rosneft-Engagement wenig angetan. Dabei könnte er ein wenig von Schröders Angriffslust gut gebrauchen.