Kommentar zu US-Präsident Trump in Nahost

Erster Aufschlag

US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

Trump kann wenig verlieren, aber eventuell etwas gewinnen. Allerdings darf er nicht der Heilsbringer sein, den das rechte Lager in Israel in ihm sieht, kommentiert GA-Redakteur Holger Möhle.

Große Pläne für einen großen Frieden. Ausgerechnet Donald Trump als Friedenstaube in Nahost? Seit drei Jahren liegen die Friedensgespräche auf Eis. Palästinenser-Chef Mahmoud Abbas fühlte vor einigen Wochen im Weißen Haus vor, ebenso wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Monat zuvor die Betriebstemperatur bei Trump gemessen hatte.

Die Palästinenser hegen neue Hoffnung und setzen auf die Gunst des US-Präsidenten. Die Israelis erwarten mit hoher Selbstverständlichkeit, dass Trump (und dessen Schwiegersohn Jared Kushner als Nahost-Berater) israelische Interessen nicht infrage stellen, sondern unterstützen. Trump braucht, wenn er in Nahost etwas erreichen will, eine Eigenschaft, die er bislang nicht im Übermaß bewiesen hat: Geduld.

Die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen wäre schon ein Erfolg. Damit könnte Trump die USA in die Rolle einer Ordnungsmacht in Nahost zurückführen, wo sie zurückliegend sehr viel Autorität verloren hat. Trump ist ein Freund der Inszenierung. Doch damit kommt er in Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah nicht weiter. Netanjahu liebt Klartext, und Abbas sucht einen neuen Verbündeten.

Dabei hat Trump eine Chance. Schon vor ihm sind US-Präsidenten in Reihe und ungezählte Sondervermittler bei dem Versuch gescheitert, Frieden nach Nahost zu bringen. Das bedeutet: Trump kann wenig verlieren, aber eventuell etwas gewinnen. Dann allerdings darf er nicht der Heilsbringer sein, den das rechte Lager in Israel in ihm sieht. Trump als Vermittler – die Welt würde staunen.