Kommentar zum deutsch-russischen Verhältnis

Entspannungsübung

Neue Annäherung: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Samstagabend in Meseberg.

Neue Annäherung: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Samstagabend in Meseberg.

Bonn. Das Treffen von Angela Merkel und Wladimir Putin in Meseberg signalisiert: Beide Länder gehen, trotz aller Schwierigkeiten, aufeinander zu. Das ist gut so - denn beide brauchen einander.

Bilder sind Botschaften. Angela Merkel und Barack Obama, tiefenentspannt auf einer Bank in den Alpen. Merkel, die sich vor dem Trotzkopf Donald Trump aufbaut. Und nun: Merkel und ihr russischer Gast Wladimir Putin. Am Gartentisch in Meseberg, in mildem Spätsommerlicht, wenn auch mit eher verschlossenen Minen. Wer solche Bilder entstehen lässt, der der möchte etwas signalisieren: vorsichtige Entspannung, Respekt und behutsame Lösungsversuche in immer noch ernster Lage.

Dieses Signal ist für beide Seiten wichtig. Das Drama in Syrien – zentrales Thema des Treffens – zeigt, wie sehr sie einander brauchen. Deutschland und ganz Europa sind dringend daran interessiert, möglichst vielen Flüchtlingen eine Rückkehr zu ermöglichen. Dazu bedarf es nicht nur der Aufbauhilfen, um die Putin wirbt, sondern eines Politikwandels in Syrien – vor allem ist die faktische Enteignung der Flüchtlinge rückgängig zu machen. Gelingt das nicht, dann müsste sich Russland dauerhaft in Syrien verausgaben. Das will auch Putin nicht.

Hier kann man weiterkommen – ungeachtet aller Probleme auf anderen Feldern. Die völkerrechtswidrige Krim-Annexion und der schwere Verdacht gegen Russland in der Skripal-Affäre lassen sich nicht einfach aus den Büchern streichen. Aber es wäre viel gewonnen, wenn sich solche Konflikte einhegen ließen und weiteres Zündeln unterbliebe. Die kühlende Fontäne in Meseberg ist ein gutes Symbol für die rationale Politik einer Kanzlerin, die das Gespräch mit Putin nie hat abreißen lassen und von ihm offensichtlich äußerst ernst genommen wird.