Postbank-Studie

Energiekosten: Immer höhere Rechnungen

BONN. Ob Strom, Heizung oder Sprit: Die Rechnungen fallen immer höher aus. Postbank-Studie: Kosten erstmals über 125 Milliarden Euro. Für die deutschen Verbraucher haben sich ihre Anstrengungen zum Energiesparen in den vergangenen Jahren nicht ausgezahlt. Im Gegenteil.

Obwohl der Energieeinsatz deutlich zurückgegangen ist, zahlen die Bürger immer höhere Rechnungen für Strom, Heizung und Sprit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Deutschen Postbank.

Nach Berechnungen des Bonner Instituts werden die Energieausgaben deutscher Privathaushalte dieses Jahr mit 125 Milliarden Euro ein Rekordhoch erreichen. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 109 Milliarden Euro. "Der Treiber dieser Entwicklung ist nicht der Verbrauch, es sind die Preise", sagt Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. "Vor allem der häusliche Energieverbrauch für Heizung, Beleuchtung und Haushaltsgeräte ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken."

Bereinigt um Temperaturschwankungen sank den Angaben zufolge der Energieverbrauch für das Wohnen im Jahr 2011 - Daten für 2012 liegen noch nicht vor - um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem beim Heizen, dem größten Kostenblock unter den Energieausgaben in den Privathaushalten, wird gespart. Im Vergleich zu 2005 setzten die Deutschen 13,4 Prozent weniger Heizenergie ein, obwohl seitdem die Zahl der Haushalte und die Wohnfläche gestiegen sind. Milliarden stecken die Bürger in Deutschland jährlich in die Wärmedämmung ihrer Häuser. Doch Geld sparen sie damit meistens nicht, weil die Kosten dafür höher sind als die Einsparungen bei der Energie.

Für Strom müssen die privaten Haushalte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes heute über 50 Prozent mehr bezahlen als noch zur Jahrtausendwende. Wird an der Subventionierung der erneuerbaren Energien nichts geändert, steigen die Preise nächstes Jahr erneut kräftig an, nachdem die Verbraucher dieses Jahr Preissteigerungen von rund zwölf Prozent verkraften müssen. "Ein Monatslohn für Energie" pro Jahr - das sei "keine leere Drohung", schreibt die Energieagentur NRW auf ihrer Internetseite zu den Wohnnebenkosten.

Laut Eurostat ist in keinem anderen Land der Euro-Zone Strom für Privatkunden so teuer wie in Deutschland. Zypern liegt knapp dahinter. Die Stromrechnung fällt für eine Familie in Deutschland inzwischen nahezu doppelt so hoch aus wie für einen vergleichbaren Haushalt in Frankreich. Industrielle Großverbraucher zahlen hierzulande mit elf Cent pro Kilowattstunde dagegen etwas weniger als im Durchschnitt der Euro-Länder.