Kommentar zum Weltwirtschaftsforum

Elitäre Clique

Höchste Sicherheitsstufe: Ein Polizist mit Maschinenpistole steht Wache beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Höchste Sicherheitsstufe: Ein Polizist mit Maschinenpistole steht Wache beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos steht nicht nur die Ökonomie auf der Tagesordnung. Es geht um den Zustand der Welt - und damit um Kriege, Terrorismus, Flüchtlinge und Klimawandel

Das Treiben auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum (WEF) lässt sich schnell zusammenfassen: Größen aus Business und Politik und ein paar Showstars treffen sich flüchtig, auf engstem Raum, und wechseln ständig Gesprächspartner und -Themen. Viele Teilnehmer erfahren dann den vielbeschworenen „Geist von Davos“ – das Gefühl, zu den wirklich Wichtigen dieser Erde zu gehören.

Heute ist es wieder soweit: Vier Tage lange tummeln sich in dem Luxus-Städtchen 2500 Menschen, die sich auch noch dazu verschrieben haben, den „Zustand der Welt zu verbessern“. So lautet der pompöse Leitspruch des Forums in Davos. Der 77-jährige deutsche WEF-Gründer Klaus Schwab bittet zum 46. Mal zu seinem großen Schaulaufen. Und wie immer gleicht Davos einer Alpenfestung – schwer bewacht von privaten Sicherheitskräften, Polizei und Armee. Die selbsterklärte Elite will unter sich bleiben. Da der Zustand der Welt immer schlechter zu werden scheint, müssen sich die Teilnehmer mit Krisen über Krisen befassen: Kriege, Terrorismus, Flüchtlinge, Klimawandel, das lahme Wirtschaftswachstum.

Mehr als 40 Staats- und Regierungschefs werden ihre Sicht der Dinge erklären: Von Bundespräsident Joachim Gauck über Britenpremier David Cameron und Südafrikas Staatschef Jacob Zuma bis hin zu Israels Premier Benjamin Netanjahu. Angela Merkel hingegen galt schon vor Beginn des Forums als die große Abwesende. Nachdem die Kanzlerin in den vergangenen Jahren immer einen Auftritt zelebriert hatte, verzichtet sie 2016 auf den Trip in die Schweiz. Sie scheint ihre Zeit sinnvoller nutzen zu können. Damit die Wirtschaft nicht zu kurz kommt, hat der ruhelose Professor Schwab eine Heerschar von Hochkarätern aus der Businesswelt eingeladen. Angeführt wird die Truppe vom reichsten Mann der Welt: Microsoft-Gründer Bill Gates.

Dass die Bosse nicht nur den „Zustand der Welt“, sondern auch die Rendite ihrer Firmen verbessern wollen, versteht sich von selbst. Und so dealen und kungeln sie in den Hinterzimmern der Nobelherbergen. Und genau diese Geschäfte in der Abgeschiedenheit Graubündens prangern viele Kritiker des Weltwirtschaftsforums an. Eine elitär gesinnte Clique von Managern und Politikern bestimme von Davos aus den Kurs der Welt mit, auf einem Forum ohne Legitimität, ohne Demokratie, ohne Partizipation der Menschen.

Doch man sollte den Reichen und Mächtigen ihr Davos lassen. Wenn sie sich nicht auf Helvetiens Bergen kommunikativ kurzschließen, dann tun sie es woanders. Und wenn sie es im weltweiten Netz tun. Das Forum ist keine globale Geheimregierung, kein konspirativer Club, der die Welt beherrschen will. Davos zieht vielmehr jedes Jahr eine Schar selbstverliebter Menschen magisch an, die sich ständig ihrer Prominenz versichern muss.