Weihe

Ein Bischof mit Visionen in Mainz

Peter Kohlgraf, neuer Bischof von Mainz, nach seiner Amtseinführung vor dem Dom.

Peter Kohlgraf, neuer Bischof von Mainz, nach seiner Amtseinführung vor dem Dom.

Mainz. Der gebürtige Kölner Peter Kohlgraf ist neues Kirchenoberhaupt in Mainz. Tausende feiern rund um den Dom.

Alles passte gestern zusammen: Petrus im Himmel hatte für Bischofswetter gesorgt, im Evangelium vom Tage hieß es „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“, und wenig später hatte Mainz ganz offiziell seinen neuen Bischof Peter Kohlgraf. Geweiht im Hohen Dom zu Mainz von seinem Vorgänger Kardinal Karl Lehmann sowie den Mitkonsekratoren Erzbischof Stephan Burger aus Freiburg und dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Tausende Gläubige, die keinen Platz in der Kathedrale ergattern konnten, verfolgten das feierliche Hochamt draußen auf zwei Großleinwänden; rund um den Dom feierten sie bis in den Abend die Bischofsweihe wie ein Volksfest. Auf der großen Marktplatz-Bühne sorgte unter anderem das in großer Besetzung angetretene symphonische Blasorchester des Beueler Kardinal-Frings-Gymnasiums (KFG) für Stimmung.

Das KFG ist eine der vielen Stationen in seinem Lebenslauf, die den gebürtigen Kölner Kohlgraf mit Bonn und der Region verbinden. Dort war er Schulseelsorger, in Euskirchen Kaplan, in Rhöndorf Subsidiar, an der Bonner Universität Doktorand und am Albertinum Repetent. Zuletzt arbeitete Peter Kohlgraf als Professor für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule Mainz, als ihn Papst Franziskus im April überraschend zum Bischof ernannte.

In den turbulenten Wochen danach hatte er nicht nur unzählige Interviews zu bewältigen, sondern auch den Umzug vom rheinhessischen Partenheim in die neue Drei-Zimmer-Wohnung am Dom – wo die versammelte Presse einen Blick in seinen Kühlschrank und auf seine Badewanne werfen konnte. Dass Kohlgraf keinen Prunk liebt, zeigen schon seine Insignien, die ihm nach der Weihe überreicht wurden: die schlichte Mitra, das nur mit einem Amethyst verzierte silberne Bischofskreuz sowie der Stab, das Werk eines afrikanischen Künstlers und ein Geschenk von Woelki: Die in seine Messingkrümme eingearbeiteten Heiligen Drei Könige verweisen auf Kohlgrafs Heimatbistum.

Zum Weiheritus gehörte auch das Handauflegen aller 30 anwesenden Bischöfe und die Salbung mit Chrisam. Anschließend wurde Kohlgraf zur Kathedra, seinem Bischofssitz, geführt und nahm dort Platz: Damit war die 14-monatige Sedisvakanz im Bistum Mainz beendet. Minutenlanger Applaus im Dom. Die Mainzer erhoffen sich viel von ihrem neuen Oberhirten, der unter den deutschen Bischöfen der jüngste ist.

Sicher auch einen Amtsinhaber, der sich nicht an Dogmen festklammert, sondern gemeinsam mit den Gläubigen kritische Fragen stellt. „Seien Sie ein Bischof, der zuhört und sich einmischt in öffentliche Debatten“, legte der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kohlgraf ans Herz. Marx freut sich auf das Engagement eines weiteren Hochschulprofessors im Gremium der deutschen Bischöfe. Zu tun gibt es genug. Kirchenaustritte, Priestermangel, Zusammenlegung von Gemeinden – auch im Bistum Mainz gibt es viele Baustellen.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, zitierte Kohlgraf zu Beginn seiner Ansprache Helmut Schmidt, um ihm gleich darauf zu widersprechen: „Das würde ich nicht unterschreiben. In meiner Vision erfahren junge Leute, dass Kirche ein Ort des Lebens sein kann.“ Dass Kirche nerven müsse, hat der 88. Nachfolger des heiligen Bonifatius schon oft betont. „Jeder von uns ist berufen, sich einzumischen, den Mund aufzumachen, wo andere schweigen.“ Auf diese Weise will der Mainzer Bischof zeigen, dass Glaube glaubwürdig und zeitgemäß sein kann.

„Appropinquavit regnum Dei“ lautet der Wahlspruch in seinem Wappen, „Das Reich Gottes ist nahegekommen.“ Und Peter Kohlgraf, das beweist sein umjubelter Auftritt auf der Festbühne am Dom, ist bei den Mainzern angekommen. Mit seinem ruhigen, aber aufgeschlossenen Wesen, einem hintergründigen Humor und seinem hochheiligen Versprechen, dem Fußballverein Mainz 05 neben dem 1.FC Köln einen gleichberechtigten Platz in seinem Fanherzen einzuräumen.