Kommentar zu Razzia gegen Rocker

Druck hoch halten

Ein Motorrad eines Hells Angels wird in Erkrath sichergestellt.

Ein Motorrad eines Hells Angels wird in Erkrath sichergestellt.

Bonn. Die Ermittler müssen die Telefone und Computer der Rocker überwachen dürfen. Denn nur so können die Fahnder den Kriminellen einen Schritt voraus sein, kommentiert GA-Korrespondent Christian Schwerdtfeger.

Es ist ein deutliches Signal, das der NRW-Minister des Inneren mit der Großrazzia in 16 Städten und dem Verbot zweier Hells-Angels-Clubs an die kriminellen Rockergruppierungen sendet. Herbert Reul (CDU) setzt damit die Linie seines Vorgängers Ralf Jäger (SPD) fort und hält den Druck auf die Kriminellen weiter hoch. Der Großeinsatz zeigt zudem: Der Kampf der Rockerbanden um die Vormachtstellung im Rotlichtgewerbe und Drogenhandel beschränkt sich nicht nur auf die Milieus der Großstädte. Und es gleicht einem Wunder, dass bei den vielen Auseinandersetzungen zwischen den Rockern bislang noch keine Unbeteiligten verletzt oder getötet worden sind.

Zweifelsohne ist die Razzia ein schwerer Schlag für die kriminellen Rocker. Doch werden sie ihn wohl, so lehrt es die Vergangenheit, verschmerzen. Trotz aller Verbotsverfahren und Durchsuchungen der vergangenen Jahre gelang es den Sicherheitsbehörden damit nicht, die Rockerkriminalität einzudämmen. Stattdessen steigen sogar die Mitgliederzahlen der Rocker. 2166 Rocker zählt das Landeskriminalamt in NRW – fast doppelt so viele wie noch vor drei Jahren.

Das zeigt, dass Polizeipräsenz und Großrazzien allein nicht reichen. Der Rechtsstaat reagiert nur; er agiert nicht. Die Ermittler müssen die Telefone und Computer der Rocker überwachen dürfen. Denn nur so können die Fahnder den Kriminellen einen Schritt voraus sein. Ändert sich nichts und bleibt den Ermittlern weiterhin der Zugriff auf die Vorratsdatenspeicherung verwehrt, wird der Kampf gegen die Rockerkriminalität kaum zu gewinnen sein.