Ausbildung in der Eifel

Ditib will eigene Imamausbildung starten

Besucher sehen sich am Tag der offenen Moschee den Gebetssaal der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld an.

Besucher sehen sich am Tag der offenen Moschee den Gebetssaal der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld an.

Köln. Im Rahmen eines zweijährigen Programmes will der Islamverband Ditib ab Herbst Imame ausbilden. Die Ditib finanziert die Ausbildung. Der Verband zeigt sich entsetzt über die Bombendrohung an der Kölner Zentralmoschee.

Der Islamverband Ditib will noch in diesem Jahr eine eigene Imamausbildung starten. Aufgrund des hohen Bedarfs hole sich die Ditib seit rund 40 Jahren Imame aus der Türkei in ihre Gemeinden, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Kazim Türkmen am Mittwoch bei der Vorstellung des Programms in der Kölner Zentralmoschee. Er sei davon überzeugt, dass die Zahl der nach Deutschland entsandten Imame durch die eigene Ausbildung und die Islamstudiengänge hierzulande mittelfristig gesenkt würden, sagte er.

Kritiker werfen dem Verband immer wieder vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration von Türken in Deutschland zu behindern. Mit der eigenen Imamausbildung möchte der Islamverband nicht nur den steigenden Bedarf abdecken, sondern auch auf die Kritik reagieren.

Im Herbst soll die rund zweijährige Ausbildung beginnen. Das Angebot richtet sich an Studienabsolventen der islamischen Theologie. Die Kosten will die Ditib alleine tragen. Ein genaues Budget für das Programm sei aber noch nicht absehbar. „Wir bilden für den Eigenbedarf aus“, sagte Seyda Can, Abteilungsleiterin Bildung, Forschung und Integration. Für die Ausbildung habe der Verband ein Gebäude in Dahlem in der Eifel gekauft. „Dort können bald 50 Schüler wohnen und unterrichtet werden“, erläuterte Türkmen mittels eines Übersetzers.

Das Lehrpersonal werde zu großen Teilen aus eigenen Angestellten bestehen, hieß es weiter. Den Schwerpunkt der Ausbildung solle eine praktische Phase mit einem Mentor in den Gemeinden bilden. Nach einer Abschlussprüfung könnten sich die Imame dann deutschlandweit an Ditib-Gemeinden bewerben. Der Verband zeigt sich aber offen, künftig auch mit anderen Gemeinden bei der Imamausbildung zusammenzuarbeiten. „Voraussetzung ist, dass sie unsere hohen Standards erfüllen“, sagte Can. Die Gehälter der ausgebildeten Religionsbeauftragten, also der Imame, zahlt weiterhin die Diyanet, die staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten in der Türkei.

Mehr als 1000 Imame arbeiten in Ditib-Moscheegemeinden

In den 857 Ditib-Moscheegemeinden sind dem Verband zufolge mehr als 1000 Imame tätig. 127 von ihnen seien in Deutschland geboren, aufgewachsen und hätten hier ihr Abitur gemacht. Die Ausbildung zum Religionsbeauftragten absolvierten sie bisher aber in der Türkei, in einem internationalen Studienprogramm, das ebenfalls von der Ditib angeboten werde. In Deutschland seien Ausbildungsgänge in Islamischer Theologie erst seit einigen Jahren möglich. „Zwei Absolventen deutscher Universitäten, von der Uni Frankfurt und der Uni Osnabrück, haben wir vor Kurzem eingestellt“, sagte Can.

Entsetzt zeigte sich Türkmen über die Bombendrohung, die am Dienstagmorgen um 9.45 Uhr per E-Mail in der Zentralmoschee in Köln eingegangen war. Das Gelände musste vollständig geräumt werden und sei von der Polizei durchsucht worden. Die Beamten hätten keine Bombe gefunden, die Sorge über die Sicherheit aller Besucher bleibe dennoch, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Das ist der traurige Höhepunkt islamfeindlicher Angriffe in den vergangenen Tagen“, sagte er auch mit Blick auf weitere Vorkommnisse in Schleswig und Karlsruhe. Der deutsch-türkische Moscheeverband zeige sich grundsätzlich besorgt über den Anstieg der Angriffe auf Moscheen. „Wir werden uns jedoch nicht einschüchtern lassen“, betonte Türkmen.