Helfer bei der Klimakonferenz

Die Logistik im Hintergrund der Cop 23 in Bonn

Bonn. Ob in der Küche oder für die Sicherheit: Hinter den Kulissen der Weltklimakonferenz wird rund um die Uhr gearbeitet. 200 Helfer sind im Einsatz und kümmern sich um alles.

Zu einer Uhrzeit, in der die Rheinaue normalerweise gerade von der Tiefschlaf- in die Traumphase gleitet, da reckt und streckt er sich mal kurz, und schon ist der weiße Riese wieder auf Touren. Längst haben fleißige Hände seine Kraftspeicher gefüllt – mit Croissants, Obst, Bioschokolade, Vollwertnudeln und fair gehandeltem Kaffee, aber auch mit Seife, Bargeld, Drucker- und Toilettenpapier. All das braucht die Gestalt, die innerlich viel quirliger ist als ihr unförmiges Äußeres als verzweigte Zeltstadt vermuten lässt. Und für Internet, Kaffeeduft, Strom, Luft und Wasser sorgen nicht die Heinzelmännchen, auch wenn man fast den Eindruck haben könnte. Schließlich bevorzugten auch die Kölner Sagengestalten Nachtarbeit und behielten Betriebsgeheimnisse gern für sich.

Einen guten Draht zu ihren ganz realen, knapp 2000 Artverwandten in der „Bonn-Zone“ hat während der Cop 23 aber Matthias Loewe. Der Projektleiter vom Hamburger Generalübernehmer Vagedes & Schmid ist einer von mehreren Personen, bei denen die Informationen über den Ablauf hinter den Kulissen der Zeltstadt zusammenlaufen. Gearbeitet werde im Drei-Schicht-Betrieb. „Die Aufgaben reichen von der Reinigung der Räume über die Anlieferung bis zur Müllentsorgung. Aber es geht natürlich auch darum, alles instand zu halten. Dafür sind permanent Serviceteams unterwegs, die dafür sorgen“, erklärt der 43-Jährige und ergänzt: „In den ersten Tagen musste es sich einspielen, inzwischen läuft alles sehr rund“.

Weil eine Gulaschkanone für 25000 Leute wohl doch zu knapp bemessen wäre, sind Bula- und Bonn-Zone mit mehreren Kantinenbereichen und „Food Courts“ ausgestattet, die von mehreren Anbietern betrieben werden. „Für die Bula-Zone“, also den Bereich im früheren Regierungsviertel, kocht der Caterer im WCCB direkt, für die Bonn-Zone wird etwa die Hälfte der Speisen im Forschungszentrum Caesar vorbereitet und vor Ort erwärmt, der Rest wird in Gestalt zumeist kalter Gerichte und Snacks in der Zone zubereitet“, erklärt Franz August Emde, der als einer der Pressesprecher im Bundesumweltministerium über das Gelände führt.

Sicherheitskonzept umfasst 200 Seiten

Zweimal rechts, einmal links und dazwischen eine Treppe und ein Sicherheitsbeamter, und schon öffnet sich hinter einer der vielen Zwischenwände ein Bereich, der auch den Delegierten verborgen bleibt. Hier haben Organisatoren und die Verantwortlichen der beauftragten Firmen Position bezogen. Franz August Emde öffnet die Tür zu einem Büro und wird von sechs Kollegen begrüßt. Als „technischer Gastgeber“ ist auch das Bundesumweltministerium (BMUB) im Zeltbereich vertreten, obwohl sich sein Hauptsitz einen Steinwurf entfernt befindet. Dort steht am Freitagmorgen ein BMUB-Beamter, im Rahmen der Konferenz seitens des Ministeriums für die Sicherheitsbelange zuständig.

Knapp 200 Seiten, Anhänge inklusive, umfasst das Sicherheitskonzept, das im Vorfeld zusammengetragen wurde. „Enthalten sind grundsätzliche Regelungen zur Zusammenarbeit aller Organisationen, die für Sicherheitsthemen zuständig sind – von den Vereinten Nationen über die Polizei, das Ordnungsamt bis hin zur Bonner Feuerwehr, die Verkehrsbetriebe und last but not least das Bundesumweltministerium als verantwortlicher Veranstalter. Aber auch Vorschriften zur Hygiene für die Reinigungskräfte sind hier gesammelt,“ erklärt er.

Jetzt teilen sich Vertreter dieser Institutionen gemeinsam einen Raum im Erdgeschoss des Ministeriums am Robert-Schuman-Platz. Zwischen Stellwänden, Kabelsträngen, Tabletts mit belegten Brötchen und Monitoren haben BMUB, Polizei, Vereinte Nationen, Feuerwehr, Stadt Bonn, Stadtwerke, Auswärtiges Amt, Bundesentwicklungsministerium, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Shuttle Service Platz genommen. Das „Koordinierungsgremium Sicherheit COP 23“ ist rund um die Uhr besetzt.

Hier fließen alle für die Sicherheit der Konferenz bedeutsamen Informationen zusammen. Aktuell meldet Lars Beyer, der gerade den leitenden Dienst übernommen hat, eine ruhige Lage. Auch eine erste Demonstration am Freitagmorgen birgt (mit zwei Teilnehmern) keinen Handlungsbedarf. Derweil rollen in der Zeltstadt schon wieder die Cateringwagen. Es ist Mittagszeit, und am Abend kommt Al Gore – und wohl schon wieder nicht die Heinzelmännchen.