Kommentar zu den Parteien

Die Feiertage dienen zum Nach- und Umdenken

Annalena Baerbock und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, bei der 43. Bundesdelegiertenkonferenz in Leipzig.

Annalena Baerbock und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, bei der 43. Bundesdelegiertenkonferenz in Leipzig.

Bonn. Die Grünen haben doch offenkundig andere Sorgen, als Personalfragen für eine Wahl, die nach jetzigem Stand erst in zwei Jahren stattfindet, meint unser Autor Helge Matthiesen.

Vielleicht ist an den Feiertagen ja mal ein wenig Zeit, erst zu denken und dann zu reden. Man möchte das den Parteien und ihren Beobachtern wünschen. Die diskutieren sehr ernsthaft, wer denn die Grünen als Spitzenkandidat ins Kanzleramt führen soll und ob es nicht doch lieber eine Frau sein sollte. Ein schönes Beispiel, wie sich Debatten von Fakten lösen.

Die Grünen haben doch offenkundig ganz andere Sorgen, als Personalfragen für eine Wahl, die nach jetzigem Stand erst in zwei Jahren stattfindet. Die Umfragen waren auch nach Fukushima brillant. Wenig später lag die Partei wieder bei sieben bis acht Prozent. Die Grünen wären also schön dumm, diese übernächste Frage schon heute zu beantworten. Die Wähler sind in Bewegung und suchen neue Orientierung. Genauso schnell wie sie da sind, sind sie auch wieder weg.

Auch die SPD braucht eine Pause. Jeden Tag äußert sich der eine oder der andere, wie es denn weitergehen könnte. Sigmar Gabriel findet den Kurs der dänischen Sozialdemokraten prima und schwenkt auf einen Kurs ein, den Sarah Wagenknecht ihren Linken schon länger predigt. Sebastian Hartmann, er soll der Chef des größten Landesverbandes der SPD sein, flüchtet sich in Phrasen. Niemand sortiert bei den Sozialdemokraten noch irgendetwas, weil es keine Führung mehr gibt. Das Ergebnis ist also genauso absehbar nicht konsensfähig wie beim letzten Mal.

Warum also nicht über die Feiertage über die Erfolgreichen in den eigenen Reihen nachdenken, gerne parteiübergreifend. Wilfried Kretschmann zum Beispiel ist der einzige Überlebende des ersten Grünen-Hypes. Ein Pragmatiker, der selbst die Autoindustrie inzwischen mit seiner Partei versöhnt hat. Oder Robert Habeck. Er schreckt vor wenig zurück, wenn es denn den eigenen Zielen dient. Ideologie interessiert ihn kaum. Beide werden gewählt.

Die SPD hat übrigens auch erfolgreiche Politiker. Olaf Scholz zum Beispiel holte in Hamburg die absolute Mehrheit und verteidigte sie beinahe noch einmal, indem er Sachpolitik für die Bürger organisierte. Aus ähnlichem Holz ist der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil geschnitzt. Und sogar bei der CDU lässt sich Trost finden, denn auch die ist stark, weil sie pragmatisch handelt.

Es sind die führungsstarken Pragmatiker, die gewählt werden. Nur bei der SPD sind diese Politiker latent umstritten und unbeliebt. Darüber lässt sich problemlos zwei Tage nachdenken. Jede Partei darf auf ihr Pfingstwunder hoffen. In diesem Sinne: Frohe Pfingsten.