Vereinigung von Kaufhof und Karstadt Das ist bislang zur Kaufhausfusion bekannt

Deutschlands beide letzten großen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Foto: dpa

Karstadt und Kaufhof vereinbaren eine „Fusion unter Gleichen“. Steuern soll das neue Unternehmen Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Grünes Licht des Kartellamtes steht noch aus.

Kaufhof und Karstadt sowie ihre Muttergesellschaften HBC und Signa zeigen sich zufrieden über die Warenhausfusion. Es sei die „beste Lösung“ für Kunden, Mitarbeiter und die Stadtzentren, sagt Helena Foulkes, die als CEO die Geschäfte von HBC steuert.

Was haben HBC und Signa vereinbart?

Der kanadische Einzelhändler HBC und die Signa-Gruppe von René Benko gründen ein Gemeinschaftsunternehmen. Dazu gehören nicht nur Kaufhof und Karstadt, sondern auch das weitere Kaufhausgeschäft von HBC in Europa unter den Marken Saks OFF 5TH, eine Outlet-Kette, Inno in Belgien sowie Hudson´s Bay in den Niederlanden. Außerdem im Boot: Karstadt Sport, die Lebensmittel- und Gastronomiebereiche beider Unternehmen und die Internetplattformen der Marken. Das neue Unternehmen wird 243 Standorte in Innenstädten haben und 32 000 Mitarbeiter.

Außerdem kauft Signa 50 Prozent des europäischen Immobilienbestands von HBC. Dazu gehören 39 Immobilien aus einem von HBC geführten Konsortium und 18 Immobilien, die bislang Kaufhof gehören. Das Kaufhof-Haus in der Kölner Innenstadt und das Düsseldorfer Carsch-Haus übernimmt Signa.

Was versprechen sich die Unternehmen davon?

„Strategisches Ziel ist es, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und im digitalen Zeitalter einen führenden Omnichannel-Anbieter entstehen zu lassen“, formulieren HBC und Signa als Ziel. Natürlich wollen beide auch Kosten senken. Der Einzelhandel steht unter Druck. Die Frequenz in den Innenstädten nimmt ab. Weniger Laufkundschaft heißt weniger Spontankäufe. Es gibt Konkurrenz von neuen Anbietern wie etwa Primark. Und der Online-Handel macht den Kaufhäusern zu schaffen. Amazon machte im abgelaufenen Jahr laut dem Handelsinstitut EHI einen Retail-Umsatz allein in Deutschland von 8,8 Milliarden Euro. Das sind gut drei Milliarden mehr als die jetzt zusammengeführten Geschäfte von HBC und Signa. 2,6 Prozent beträgt der Marktanteil der Warenhäuser am deutschen Einzelhandel noch, 2000 waren es 4,6 Prozent. Um so wichtiger, so betonen Experten, ist eine Verzahnung von stationärem Handel und Online-Handel.

Ist es wirklich eine „Fusion unter Gleichen“?

Na, ja. Signa hält am neuen Gemeinschaftsunternehmen 50,01 Prozent. Auch wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl das Gemeinschaftsunternehmen leiten. Der hat Karstadt saniert und zuletzt neue Häuser aufgemacht. Bei Kaufhof gab es seit der Übernahme durch HBC 2015 rote Zahlen. Deshalb machten zuletzt die Banken Druck bei HBC. Auch die Aktionäre des kanadischen Konzerns wurden unruhig wegen des verlustträchtigen Europageschäfts.

Was ist noch offen?

Verträge sind unterzeichnet. Für den Vollzug der Transaktion müssen die Wettbewerbshüter grünes Licht geben. Kartellamtspräsident Andreas Mundt hat eine genaue Prüfung angekündigt. Folgen für Kunden und Lieferanten müssten geprüft werden.

Was bedeutet die Fusion für die Kunden?

Kaufhof und Karstadt werden sich kaum noch Kunden mit Aktionsangeboten abjagen. Ein Ende der Rabattitis im Handel ist aber so bald nicht in Sicht. Es gibt weitere Anbieter, die mit Schnäppchen Kunden locken werden, in Geschäften und online.

Was bedeutet der Zusammenschluss für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter zittern um ihre Jobs. Aufgeschreckt sind sie vor allem bei Kaufhof, wo angeblich 5000 Stellen gestrichen werden könnten. Andere halten die Zahl für zu hoch. Bei Kaufhof dürften aber die Gespräche über Lohnsenkungen wieder aufgenommen werden, die auf Eis gelegt wurden, als HBC und Sigma intensiv über die Fusion sprachen. Bei Kaufhof gilt der Flächentarifvertrag, bei Karstadt ein Sanierungstarif. Hier bekommen die Mitarbeiter knapp 12 Prozent weniger. Bis April 2021 soll aber wieder nach Tarif gezahlt werden. „Wer Geld für eine solche Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagte Stefanie Nutzenberger, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. HBC und Signa äußern sich nicht zu Personal.

Gibt es Filialschließungen?

Auch dazu sagen die Konzerne nichts. Eng könnte es für Filialen werden, die rote Zahlen schreiben. Sollten Häuser in Nebenzentren geschlossen werden, fehlt dort ein Publikumsmagnet, sorgt sich der Städtetag. Andererseits gibt es Doppelstandorte. Davon kann jeder einzelne profitabel sein. „Wenn das Konzept stimmt, können Doppelstandorte eine Stärke sein, so Nutzenberger.

Wo steht die neue Zentrale des Warenhaus-Konzerns?

Laut Insidern in Köln. Karstadt-Chef Fanderl sagte aber auf einer Betriebsversammlung, die Entscheidung sei noch nicht gefallen. In Köln sitzt Kaufhof und HBC Europa. Die Zentrale wurde zuletzt aufwendig saniert, Kosten werden durch schon angestoßene Stellenstreichungen gesenkt. Und der Mietvertrag läuft noch zehn Jahre. Karstadt wird derzeit von 1000 Mitarbeiter aus Essen gesteuert.

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