Kommentar zu Experimenten am Erbgut

Dürfen Wissenschaftler menschliche Embryonen genetisch manipulieren?

Grenzüberschreitung oder Forschungsdurchbruch? Menschliche Embryos unter dem Mikroskop im Labor der Oregon Health & Science University,nachdem durch Genmanipulation eine Mutation behoben wurde,die zu einer Herzkrankheit führt.

Grenzüberschreitung oder Forschungsdurchbruch? Menschliche Embryos unter dem Mikroskop im Labor der Oregon Health & Science University,nachdem durch Genmanipulation eine Mutation behoben wurde,die zu einer Herzkrankheit führt.

Bonn. Dürfen Wissenschaftler menschliche Embryonen genetisch manipulieren, um eine Erbkrankheit zu vermeiden? GA-Redakteur Wolfgang Pichler rät zur kritischen Beobachtung.

Die Meldungen klingen so richtig nach Horrorfilm. Mit der Gen-„Schere“ (!) haben amerikanische und chinesische (!) Forscher Embryonen (!) künstlich (!) verändert! Und der Chef des Teams heißt auch noch Shoukhkrat Mitalipov! Warum nicht gleich Viktor Frankenstein?

Viele Ausrufezeichen und viel Alarmismus durchziehen auch die Reaktionen. „Unverantwortliche Fakten ehrgeiziger Wissenschaftler“ geißelt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und ruft die ganz, ganz große Politik zu Hilfe: Niemand Geringeres als die Uno soll dafür sorgen, dass alle Risiken für spätere Generationen sicher ausgeschlossen werden könnten.

Ein frommer Wunsch. Wer kann von irgendeiner Entwicklung alle Folgen zu hundert Prozent für alle Zukunft auch nur kennen, geschweige denn ausschließen? Und eine Entwicklung wirksam verbieten – ausgerechnet die wachsweichen UN sollen das können?

Zur Panik ist kein Anlass. Die Methode ist noch weit von der Anwendungsreife entfernt. Nutzen und Risiken lassen sich besser erkennen, wenn die Versuche weitergeführt und aufmerksam-kritisch beobachtet werden (so regen es elf große Wissenschaftsorganisationen an).Vielleicht entpuppt sich die Gen-Schneiderei dann als ineffizienter Irrweg; so etwas ist in der Forschungs-geschichte gar nicht so selten.

Eine Verbotskeule hingegen hat in der Wissenschaft keinen Platz. Oder wäre es „ethisch“, zu sagen, der Mensch müsse sich mit Gendefekten eben abfinden? Mit solcher Prinzipienfestigkeit machen es sich zu viele Leute leider sehr häufig viel zu einfach. Zumindest, solange sie selbst gesund sind.