Kommentar zu den US-Vorwahlen

Clinton macht Tempo

Hillary Clinton feiert ihren Sieg in South Carolina.

Hillary Clinton feiert ihren Sieg in South Carolina.

Spoiler-Alarm für all jene, die sich schon mit Bernie Sanders auf eine sozialdemokratisch angehauchte „Revolution“ in Amerika gefreut haben – die Veranstaltung fällt sehr wahrscheinlich mangels Nachfrage aus.

Nach dem Erdrutsch-Sieg, den Hillary Clinton am Wochenende bei den Vorwahlen in South Carolina errungen hat, sind die Aktien des Senators aus Vermont im Rennen um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten rapide gefallen. Noch ist zwar nichts definitiv entschieden. Aber Clinton nimmt aus dem Palmen-Staat einen Vvorschuss mit, der sie in den kommenden Wochen weiter stabilisieren dürfte.

Vor allem afro-amerikanische Wählerinnen und Wähler, alte wie junge, haben für die frühere First Lady gestimmt. Clinton und nicht der ambitionierte Sanders, der in der schwarzen Community vielerorts ein weißes Blatt Papier geblieben ist, hier das Vertrauen gewonnen hat, liegt nicht allein an ihrem Bekanntheitsgrad.

Anders als Sanders, der nicht viel von Kontinuität hält, verkauft sich Hillary Clinton konstant als behutsame Fortentwicklerin des politischen Erbes von Barack Obama. Der erste schwarze Präsident genießt in der afro-amerikanischen Gemeinde trotz mancher Enttäuschungen noch immer überragendes Ansehen. Clinton abonniert gewissermaßen seine Sympathiewerte. Bei den elf Wahlen am kommenden Dienstag, sechs davon in Staaten mit hohem Schwarzen-Anteil, wird sich das aller Voraussicht nach fortsetzen. Sollte Sanders Weg zur Nominierung jemals scharf Konturen gehabt haben, so sind sie über Nacht deutlich verschwommen.