Oberlandesgericht Köln

Burschenschafter Norbert Weidner muss zahlen

Norbert Weidner wurde in Köln verurteilt.

BONN/KÖLN. Der Burschenschafter Norbert Weidner muss 1200 Euro Geldstrafe für seine Verunglimpfung des Andenkens des 1945 ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffers zahlen. Der Erste Strafsenat des Oberlandesgerichts Köln hat die Revision des Angeklagten verworfen. Auch kein weiteres Gericht wird sich mehr mit dem Fall befassen.

Mit dem Urteil wurden die Bonner Entscheidungen am Amts- und Landgericht aus dem vergangenen Jahr bestätigt: Das Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn kann sich für seine Bezeichnung des im Konzentrationslager hingerichteten Theologen Bonhoeffers als Landesverräter in einem Schreiben im Bundesbrief der Burschenschaft nicht auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen.

Darüber hinaus hatte er die Hinrichtung Bonhoeffers als "rein juristisch gerechtfertigt" bewertet. Damals war er Chefredakteur der Burschenschaftlichen Blätter.

Er stehe mit seinen Äußerungen nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, begründete das Oberlandesgericht Köln sein Urteil. Die Verurteilung Bonhoeffers könne schon deswegen nicht "gerechtfertigt" genannt werden, weil es sich nicht um ein justizförmiges Verfahren zur Erforschung der Wahrheit gehandelt habe. Vielmehr sei die Justiz dazu missbraucht worden den Machterhalt der Nationalsozialisten zu sichern, sowie den Widerstand der Häftlinge einzudämmen.

Der Prozess um den früheren Neonazi und Ex-Funktionär der verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) hatte bundesweit für Aufregung gesorgt.

In den Fokus gerieten Burschenschaften. Vor allem die Raczeks mussten und müssen auch heute noch gegen das Etikett "Rechtsradikal" umgehen. Gänzlich davon frei sprechen können sie sich nicht.

Schließlich haben sie infolge der Weidner-Debatte ihr Mitglied, Christian Becker, der sich kritisch zu den Vorfällen äußerte und die Initiative "Burschenschafter gegen Rechtsextremismus" gründete, aus der Burschenschaft ausgeschlossen. Zudem machte die Verbindung 2011 weitere Schlagzeilen. Die Raczeks hatten versucht, die Mitgliedschaft in einer Burschenschaften von der deutschen Abstammung abhängig zu machen.