Listenaufstellung der NRW-Grünen

Bonnerin Katja Dörner auf Platz fünf

HAGEN. Katja Dörner war bass erstaunt. Mit 89 Prozent der Stimmen wählten die Delegierten des Landesparteitags der NRW-Grünen in Hagen die Bonnerin auf Platz fünf der Landesliste für die Bundestagswahl - sie erhielt damit 13 Punkte mehr als vor vier Jahren. "Das ist eine unheimliche Bestätigung der Arbeit und macht einen auch glücklich", sagte Dörner dem General-Anzeiger.

Drei Jahre sitzt sie nun im Bundestag, war zuerst vor allem in der Kinder- und Familienpolitik tätig, seit einem Jahr arbeitet sie auch im Haushaltsausschuss. Die 36-Jährige ist eine von mehreren jungen Frauen, die hinter Ex-Umweltministerin Bärbel Höhn (Platz eins) und der früheren Landesvorsitzenden Britta Haßelmann (drei) auf vordere Listenplätze gewählt wurden.

Zwei Plätze hinter Dörner steht Irene Mihalic, ebenfalls 36, Polizeibeamtin aus Gelsenkirchen, und weitere zwei Ränge dahinter die Kölner Kreisvorsitzende Katharina Dröge. Die 28-Jährige setzte sich überraschend mit 52 zu 48 Prozent gegen Ute Koczy durch, die zehn Jahre Landtagsabgeordnete war, seit sieben Jahren ein Bundestagsmandat hat und sich großes Renommee als Entwicklungspolitikerin erworben hat.

Wie schafft es eine Newcomerin, gegen solch eine erfahrene Grüne zu gewinnen? "Man kann eine gute Rede halten, aber die kontinuierliche Arbeit ist genauso wichtig", sagte Dröge dem GA und führte die Funktionen als Landesvorsitzende der Grünen Jugend, im Bezirksverband Mittelrhein und als Kreisvorsitzende an.

Zum Studium kam sie vor acht Jahren nach Köln. Inzwischen ist sie Volkswirtin und würde sich gern im Bundestag mit der Umgestaltung der Steuersysteme beschäftigen. "Im Finanzausschuss zu arbeiten, das wär' schon cool."

Koczy schaffte es letztlich auf Rang 15. Der dürfte aber auch noch für den Einzug in den Bundestag reichen, wenn die Grünen wie bei der Bundestagswahl 2009 landesweit 10,1 Prozent gewinnen.

Während es bei den Frauen, die stets die ungeraden Plätze einnehmen, einige Duelle gab, war die Männerliste wenig umstritten. Vom Kölner Volker Beck, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, bis zum Münsterländer Biobauer Friedrich Ostendorff wurden nur Mandatsinhaber auf die Plätze zwei bis zwölf gewählt.

Doch die Grünen sind optimistisch, dass sie - wie derzeit in den Umfragen vorhergesagt - 13 bis 14 Prozent erhalten. Ergo: Auch weiter hinten liegende Plätze können in den Bundestag führen. Elmar Gillet aus Wesseling wollte das für sich nutzen und bewarb sich um Platz 20. Mit Angriffen auf Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner startete er seine Rede. Zudem sprach er davon, dass die Grünen dafür sorgen müssten, dass in Zeiten von Google das Urheberrecht nicht ausgehebelt wird. Doch die Delegierten zogen den Niederrheiner Bruno Jöbkes vor.

Bittere Enttäuschung bei Gillet, der sich zuvor noch sehr zuversichtlich gezeigt hatte, weil der Bezirksverband Mittelrhein bei Parteitagen allein gut 30 Prozent der Delegierten stellt. Jetzt erhielt er nur 37 Prozent.

"Da haben Absprachen unter den Bezirken wohl nicht funktioniert", vermutete Gillet. "Alle gegen den Mittelrhein?", wurde er gefragt. "Könnte sein", sagte er. Trotzdem meldete der 47-Jährige, der im Rhein-Erft-Kreistag die Fraktion führt, seine Kandidatur für Rang 22 an. Und hatte dabei Erfolg. Schnell stellten die rheinischen Delegierten Hochrechnungen an, dass die NRW-Grünen um die 14,5 Prozent erreichen müssten, damit Platz 22 noch zieht. Die Reaktion von Gillet: "Platz 20 wäre besser gewesen."