Landtagsabgeordneter Rolf Beu

Bönnsche und Landesthemen im Wechsel

BONN.  Als Rolf Beu noch nicht lange Landtagsabgeordneter war, da hat er sich schon das eine oder andere mal sehr gewundert - vor allem, wenn es um die Informationsbeschaffung ging. "Wenn ich etwas über den Endenicher Sportplatz wissen will, dann rufe ich einfach unkompliziert den Bonner Sportamtsleiter an", sagt der Grüne mit fast 30-jähriger kommunalpolitischer Erfahrung in der Bundesstadt im Gespräch mit dem General-Anzeiger.
Der Bonner Wahlkreisabgeordnete Rolf Beu (2. von links) präsentiert mit Parteifreunden in Bonn eine transportable Bushaltestelle. Foto: Volker Lannert

An Informationen in den Ministerien zu kommen, sei da durchaus schwieriger. "Sie können da nicht irgendeinen x-beliebigen Ministeriumsmitarbeiter anrufen." Stattdessen gebe es vorgegebene Kanäle, über die die Informationen an die Fraktionen und die Abgeordneten kämen. Nur wenn man sich die Mühe mache und solche Wege suche, könne man viel Nutzen daraus ziehen.

Beu ist Verkehrsexperte, und eines seiner Spielfelder ist der künftige Rhein-Ruhr-Express (RRX), für den zuletzt wichtige Vorentscheidungen gefallen sind. Dass er auf seiner Internetseite im Hintergrund das Schienennetz der Deutschen Bahn zwischen Dortmund und Bonn abgebildet hat, ist in dem Zusammenhang kein Zufall. Er hofft nun darauf, dass Bonn auf die Dauer mehr als nur, wie derzeit vorgesehen, mit einem Zug pro Stunde an den RRX, die schnelle Regionalbahn, angeschlossen wird.

Ohnehin hat er den Eindruck, dass Bonn in Nordrhein-Westfalen etwas schlecht wegkommt. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir in Deutschland zentral, aber in Nordrhein-Westfalen am Rande liegen", meint Beu. Manche NRW-Bahngrafik ende in Köln, der Flughafen in der Wahner Heide werde zuweilen als Airport Köln statt Köln/Bonn bezeichnet, und auch bei anderen Themen komme die Bundesstadt nur am Rande vor. "Da berichtet das Wissenschaftsministerium über die Wohnungsnot der Studierenden in den Hochschulstädten Köln, Aachen, Münster und Düsseldorf. Doch obwohl es in Bonn die gleichen Probleme gibt, wird die Grenzstadt zu Rheinland-Pfalz nicht erwähnt.

Bei aller Arbeit in Düsseldorf - inzwischen ist er nach eigener Rechnung zeitlich mehr in der Landeshauptstadt oder im gesamten Land unterwegs als im Wahlkreis -, schlägt Beus politisches Herz getreu seinem Motto "Politik beginnt in der Kommune" auch weiter intensiv für die Bundesstadt. Dazu passt dann auch, dass auf seiner Internetstartseite genauso Bönnsche als Landesthemen zu finden sind.

Es geht dort um neue Straßenbäume in der Weststadt, einen Radweg im Stadtteil Dransdorf oder auch Dächer für die Bonner Bahnhöfe. "Da habe ich dann den Hut des Ratspolitikers auf, denn schließlich wurde ich von den Menschen in Endenich und der Weststadt mit Mehrheit gewählt", sagt Beu. Sein Ziel: Bei der Kommunalwahl im Mai 2014 möchte er sein Direktmandat im Bonner Westen verteidigen.

Das hatte die CDU vor vier Jahren erstmals überhaupt abgeben müssen, noch dazu an einen Grünen. "Gerade im Wahlkampf werde ich da natürlich mit noch mehr Engagement reingehen, um zu belegen, was ich auf allen Ebenen für dem Wahlkreis erreichen konnte", sagt Beu.

Außer seinem Landtags- und dem Ratsmandat ist der 56-Jährige in den Zweckverbandsversammlungen des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) und des Nahverkehrs Rheinland (NVR) aktiv. Darüber hinaus ist er in der Landschaftsversammlung Rheinland tätig und auch im Regionalrat der Bezirksregierung Köln. Dort ist er Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Ein großes Pensum, doch zu viel ist es Rolf Beu noch nicht geworden. Ein Vollblutpolitiker eben, der sich auf allen politischen Ebenen wohlfühlt. Beu: "Als Berufspolitiker habe ich auch die ausreichende Zeit und Qualifikation, um mich professionell für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger einzusetzen. Durch die Erkenntnisse auf den unterschiedlichen Ebenen kann auch keine Verwaltung mir mehr ein X für ein U vormachen."

5 aus 237

Unter dem Motto 5 aus 237 berichtet der GA in unregelmäßiger Folge über die Arbeit von fünf NRW-Landtagsabgeordneten aus dem südlichen Rheinland, die am 13. Mai 2012 erstmals ins Düsseldorfer Parlament gewählt wurden. Dabei geht es in diesen Tagen um eine erste Bilanz, die die fünf Abgeordneten nach einem Jahr im Landtag ziehen. Neben dem Bonner Grünen Rolf Beu sind dabei: Serap Güler (CDU), die in einem Kölner Wahlkreis angetreten ist, Dirk Schlömer (SPD) aus Hennef, Ralph Bombis (FDP) aus Erftstadt und der Kölner Pirat Stefan Fricke. 

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