Kommentar zum G7-Gipfel

Bittere Lektion

Gipfelgespräch: Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich am Samstag mit US-Präsident Donald Trump. Zwischen den beiden sitzend folgt der Präsidenten von Tunesien, Beji Caid Essebsi, dem Wortwechsel.

Gipfelgespräch: Bundeskanzlerin Angela Merkel unterhält sich am Samstag mit US-Präsident Donald Trump. Zwischen den beiden sitzend folgt der Präsidenten von Tunesien, Beji Caid Essebsi, dem Wortwechsel.

Brüssel. Die wichtigsten Industrienationen der Welt sind keine eingeschworene Gemeinschaft mehr. Der G7-Gipfel in Brüssel war vor allem dank US-Präsident Donald-Trump ein Desaster.

Es war ein Desaster. Nicht einmal die in diplomatischen Floskeln erfahrene Bundeskanzlerin konnte nach dem G7-Gipfel auf Sizilien verschleiern, wie viel Enttäuschung, Frustration und Verbitterung über den amerikanischen Präsidenten zurückblieben. Dass Donald Trump nach Europa kam und keine abgestimmte Regierungsmeinung zum Klimaschutz mitbrachte, sondern diese erst für die kommenden Tage ankündigte, ist entweder politische Dummheit oder Ignoranz der wichtigsten Freunde. Beides wäre gleich schlimm.

Doch es reicht nicht, sich nach dieser ersten Auslandsreise des neuen Mannes im Weißen Haus gegenseitig mit drastischen Bezeichnungen für „Trampel Trump“ zu übertreffen. Es scheint eine Tatsache zu sein, dass die wichtigsten Industrienationen der Welt nicht mehr eine eingeschworene 7er Gemeinschaft sind, sondern in den kommenden Jahren sechs gegen (oder ohne) einen Politik machen müssen.

Dies wiegt deshalb so schwer, weil die USA beim zentralen Thema Klimaschutz offenbar gleich mehrere Schritte zurückgehen wollen. Das ist ein bitterer Rückschlag, weil die Bemühungen um eine Begrenzung der Erderwärmung zum Schlüssel für einfach alles geworden sind: von der Völkerwanderung, die weltweit eingesetzt hat, über die Situation der Wirtschaft bis zur Verhinderung von Naturkatastrophen. Die Vereinigten Staaten klinken sich aus und dürften dies bitter bereuen, weil auf dem Weltmarkt von morgen nur die Unternehmen eine Chance haben, die die Herausforderung erns tnehmen und sowohl ihre Produktion wie auch ihre Waren umweltfreundlich gestalten.

Dennoch wird dieser G7-Gipfel in Taormina, ebenso wie die Brüsseler Begegnungen, eine Wende sein. Die Europäer haben sich dieses Mal regelrecht überrollen lassen – von der Wucht des amerikanischen Präsidenten, der ohne Rücksicht auf Freund und Feind auf bisherigen Beziehungen herumtrampelte und seine Gesprächspartner wie Statisten für seine Auftritte behandelte. Das bleibt nicht so.

Sowohl die EU wie auch die Nato und die G7 wissen nun, mit wem sie es zu tun haben und dass von Washington unter Trump in den kommenden Jahren nichts zu erwarten ist. Das bleibt eine Herausforderung, die zu einer Verschiebung der Gewichte führen dürfte. Europa und die übrigen Staaten wie Japan, Kanada oder China werden zusammenrücken und ein eigenes Selbstbewusstsein entwickeln. Wenn Trump glaubte, er habe sich durchgesetzt, täuscht er sich. Das Gegenteil ist der Fall.

Er hat verloren – wichtige Verbündete, langjährige Freunde und vor allem die Möglichkeit, Koalitionen zu schmieden, die auch den USA nützen. Der Termin für den Beweis steht schon fest: Wenn Anfang Juli die G20 in Hamburg zusammenkommen, wird der Präsident spüren, dass es Koalitionen gegen ihn gibt.