Georg Gänswein als Kölner Erzbischof?

Benedikts Privatsekretär könnte Joachim Kardinal Meisner nachfolgen

BONN.  Welche Aufgabe wird Georg Gänswein, der Privatsekretär von Benedikt XVI., demnächst übernehmen? Mit 56 Jahren ist er selbst sicherlich noch viel zu jung für den Ruhestand, in den sich der Papst in der vorigen Woche verabschiedet hatte. Zunächst bleibt Gänswein an der Seite seines bisherigen Chefs, ist mit ihm auch nach Castel Gandolfo gezogen. Aber wie lange noch?
Spekulationen um Erzbischof Georg Gänswein.
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Spekulationen um Erzbischof Georg Gänswein. Foto: afp

In den vergangenen Wochen schon ist darüber spekuliert worden, dass der Südbadener entweder im Vatikan bleibt und dort angesichts seiner vielen Kontakte weiter großen Einfluss haben dürfte, oder aber, dass er nach Deutschland zurückkehrt und dort Diözesanbischof wird. Vielleicht in Hamburg oder in seinem Heimaterzbistum Freiburg? Die Erzbischöfe Werner Thissen und Robert Zollitsch werden in diesem Jahr 75 und müssen demzufolge dem Papst ihren Rücktritt anbieten.

Andererseits sind die beiden Diözesen für jemanden, der als engster Mitarbeiter des Papstes die weite Kirchenwelt kennengelernt hat, womöglich nicht die erste Wahl. Wahrscheinlich anders als das Erzbistum Köln. Auch hier wird in nicht allzu ferner Zukunft der Stuhl des Oberhirten frei. Joachim Kardinal Meisner wird Weihnachten 80 Jahre alt und feiert im Februar nächsten Jahres sein 25-Jähriges als Erzbischof in Köln. Spätestens dann wird er vermutlich abtreten.

Die "Bild"-Zeitung meldete am Freitag schon, dass Meisner in diesen Tagen den Sprung Gänsweins an die Spitze der Kölner Kirche in Rom bereits vorbereite und nur noch der künftige Papst zustimmen müsse. Hinter vorgehaltener Hand wurde in Kreisen des Erzbistums Köln ein Teil des Szenarios bestätigt - die Personalie Gänswein allerdings als Spekulation abgetan. Es werde davon ausgegangen, dass Meisner die Nachfolge regele, solange er im Amt sei, verlautete aus Köln.

Das aber würde bedeuten, dass das Domkapitel bei der Wahl des neuen Erzbischofs keine Rolle spielt. In Köln ist das Verfahren bisher so geregelt, dass aus diversen nach Rom geschickten Vorschlägen der Papst eine Dreierliste zusammenstellt, aus der das 15-köpfige Domkapitel, das aus Weihbischöfen und weiteren hochrangigen Priestern im Erzbistum besteht, einen Kandidaten auswählt.

Der Chef des Diözesanrats, des höchsten Gremiums der Laien im Erzbistum, Thomas Nickel, glaubt nicht, dass Meisner sich noch um die Nachfolgeregelung kümmert. Das Domkapitel werde für die Wahl zuständig sein. Und Gänswein? "Ihn habe ich als sehr sympathischen Menschen und Gesprächspartner kennengelernt", sagte Nickel gestern. Aber es gebe ja auch noch andere mögliche Anwärter auf den Bischofssitz in Köln.

Im Übrigen: Ganz spannungsfrei ist das Verhältnis zwischen Meisner und Gänswein zuletzt offenbar nicht gewesen. Erst vor wenigen Wochen, als es um die Frage ging, ob der Kurswechsel Meisners in Sachen "Pille danach" mit dem Vatikan abgesprochen gewesen sei, soll Gänswein Meisner bezichtigt haben, die Unwahrheit gesagt zu haben.

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