Experten in der Region

Bekommt Bonn das Cyber-Abwehrzentrum plus?

In Deutschland gab es einen größeren Cyberangriff.

In Deutschland gab es einen größeren Cyberangriff.

Bonn. Behörden, Hochschulen und Firmen wollen die Bundesstadt zum wichtigsten Zentrum für Cybersecurity in Deutschland und Europa machen. Auch das neue Cyber-Abwehrzentrum plus könnte in Bonn angesiedelt werden.

Als vor zwei Monaten im Alten Rathaus von Bonn viele Vertreter jener Firmen, Einrichtungen und Institutionen zusammenkamen, die sich in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis mit Datensicherheit beschäftigen, da wurde schon ganz groß gedacht. Angelehnt an die Wirtschaftsweisen, so hieß es, sollten demnächst die Cyberweisen Politik, Industrie und die Öffentlichkeit beraten – nicht nur für Deutschland, sondern gleich für ganz Europa.

„Das ist weiterhin ein Ziel von uns“, sagt Victoria Appelbe. Sie ist nicht nur Wirtschaftsförderin der Stadt Bonn, sondern auch stellvertretende Vorsitzende des an jenem Novembertag gegründeten Cyber-Security-Clusters. Dahinter stehen unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Telekom, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Bundeswehr, die Universität Bonn, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, mehrere kleine und mittelständische Unternehmen, die Stadt Bonn und als einer der jüngsten Partner der Rhein-Sieg-Kreis.

Noch befindet sich das Cluster quasi in der Gründungsphase. Es arbeite schon und der Vereinsvorstand tage regelmäßig. Den nächsten Gang werde man einschalten, wenn ein Clustermanager oder eine Clustermanagerin die Arbeit aufgenommen habe, sagt Appelbe. Die Entscheidung über diese Personalie sei zwar gefallen. Wer es wird, könne sie aber nicht sagen. Es wäre ein weiterer Schritt, dass Bonn und die Region zu dem Zentrum für Cybersicherheit werden.

„Wir haben hier eine solche Ballung an Akteuren mit Kompetenzen in der Absicherung digitalisierter Prozesse, wie fast nirgendwo – in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der öffentlichen Verwaltung“, meint Appelbe. Und ein Ende sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: Schon jetzt arbeiten nach ihren Angaben mehrere tausend Menschen in diesem Bereich. „Wir glauben, dass dieser Bereich noch weiter wachsen kann und Bonn dazu gute Voraussetzungen hat.“

Auch als Standort für das neue Cyber-Abwehrzentrum plus? Dazu könne sie noch nichts sagen, sagt Appelbe. Aus dem Berlin/Bonn-Gesetz leite sich aber ab, dass die Region Bonn beim Thema Telekommunikation, Cybersicherheit und Datendienste ein Kompetenzzentrum für die ganze Bundesrepublik sei. Von daher sei sie überzeugt, dass es sinnvoll sei, diesen Schwerpunkt in der Region weiter auszubauen.

Tätig will in diesem Zusammenhang auch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg werden. Wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde, will sie mit einer Dependance in die Kurfürstliche Zeile in Bad Godesberg einziehen und dort mit der Hochschule Niederrhein innerhalb der Cyber Allianz NRW ein Zentrum für Cyber- und Datensicherheit einrichten. 800 bis 1000 Studenten sollen dort unterkommen. Laut Appelbe liegt der Projektantrag nun beim Land.

Vorsitzender des Clusters ist Dirk Backofen, Leiter des Geschäftsbereichs Security der Telekom. In Sachen Datensicherheit sieht sich sein Unternehmen ganz weit vorn. Gut ein Jahr ist es her, dass der Dax-Konzern an der Reuterstraße ein neues Security Operation Center (SOC) eingerichtet hat. Von dort und von weiteren nationalen und internationalen Standorten überwachen rund 200 Experten rund um die Uhr die IT-Systeme der Telekom und von Kunden.

Darüber hinaus nutzen nach Konzernangaben auch mehr als 30 deutsche Unternehmen die Leistungen der Telekom. Bei der Eröffnung sagte Backofen: „Wir wollen dazu beitragen, dass Bonn das Cyber Security Valley Europas wird.“ Rund 3000 Teilnehmer sollen sich bei einer großen Veranstaltung zur Datensicherheit im März im WCCB davon überzeugen können, dass Bonn und die Region auf dem besten Weg dorthin sind.