NRW-Grüne

Bedarf an Bekenntnisschulen sinkt

Tritt nicht mehr an: Grünen-Chefin Monika Düker.

DÜSSELDORF. Die NRW-Grünen wollen die Hürden für eine Umwandlung kirchlicher Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsschulen senken. Aufgrund sinkender Schülerzahlen sei eine Änderung gerade im ländlichen Raum notwendig, sagte Grünen-Landeschef Sven Lehmann in Düsseldorf.

Bisher müssen zwei Drittel der Eltern einer Umwandlung zustimmen, für denkbar hält Lehmann eine Absenkung der Barriere auf "mehr als die Hälfte". In NRW gibt es 3028 öffentliche Grundschulen - davon sind 2016 Gemeinschaftsschulen. 914 Grundschulen sind in katholischer, weitere 96 in evangelischer Trägerschaft.

In NRW steigt der Anteil der konfessionslosen und islamischen Grundschüler. In 72 Kommunen gibt es allerdings ausschließlich kirchliche Bekenntnisschulen. Lehmann verwies auf konfessionelle Barrieren bei der Einstellung von Schulleitern. Auch die grüne Landtagsfraktion und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) stützten den Vorstoß, die beiden Kirche seien gesprächsbereit.

Vor dem Landesparteitag am Wochenende in Siegburg warnte der Grünen-Landesvorsitzende, dass das gegliederte Schulsystem die lokale Schulversorgung gefährde. Kommunen müssten deshalb selbst entscheiden, ob sie zum Erhalt einer wohnortnahen Versorgung auf längeres gemeinsames Lernen in Sekundar- und Gesamtschulen setzten.

Auf dem Parteitag wollen die 280 Delegierten eine neue Führungsmannschaft wählen. Nach vier Amtsjahren scheidet die Landtagsabgeordnete Monika Düker als Chefin der 13 000 NRW-Grünen aus. Als Doppelspitze kandidiert neben Amtsinhaber Lehmann die Düsseldorferin Monika Neubaur.

Für die 28 Plätze im Landesvorstand gibt es 28 Bewerbungen. Schwerpunkt des Parteitags ist das erste umfassende Programm der NRW-Grünen für den ländlichen Raum. Neben der Senkung des Flächenverbrauchs von täglich zehn Hektar auf fünf Hektar im Jahr 2020 sieht das Konzept die Stärkung der Ortskerne und die Gründung von "Kinderbildungshäusern" vor, die Kitas mit Grundschulen vernetzen.

Nachdem die frühere Großstadtpartei aus eigener Sicht "auf dem Land Fuß gefasst hat", sollen künftig auch die letzten "weißen Flächen auf der Karte begrünt werden". In der Wirtschaftspolitik kämpfen die Grünen für eine "Neu-Industrialisierung" durch erneuerbare Energien und umweltschonende Produktionsverfahren. "Ein 'Weiter so' würde NRW perspektivisch zu einem Industriemuseum machen", glaubt Parteichefin Düker.