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Weltraumbestattung - Letzte Ruhe als Sternschnuppe
Von Mareike Patock, dpa
Espelkamp. Die letzte Reise als Trip in das Weltall? Ewige Ruhe auf dem Mond? Oder ein letzter Gruß an die Erde als Sternschnuppe? Seit 15 Jahren vermittelt Manfred L. Lessing aus Espelkamp in Nordrhein-Westfalen Weltraumbestattungen - im Auftrag der amerikanischen Firma Celestis.
Die Gesetzgebung der Bundesrepublik erlaubt es den Toten nicht, als Kapsel ins All zu fliegen. Foto: Mareike Patock Foto: DPA
Nach eigenen Angaben ist es das einzige Unternehmen weltweit, das die letzte Reise ins All ermöglicht. 1997 schickte Celestis die ersten 24 Mini-Urnen ins All. Mit an Bord war nach Angaben der Veranstalter Asche von "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry, Drogen-Guru Timothy Leary und Raumfahrtpionier Krafft Ehricke. Lessing war gleich begeistert: "Ich wollte das auch hier anbieten." Der 70-Jährige vermittelt zwischen Celestis und den Beerdigungsunternehmen in Deutschland.
Nach der Verbrennung des Leichnams werde ein "symbolischer Teil" der Asche in eine Mini-Urne gefüllt, erklärt Lessing. Der Rest wird beigesetzt oder im Meer verstreut. Mit einer Rakete, die zum Beispiel einen Satelliten ins All bringt, werden die Aschekapseln in eine erdnahe Umlaufbahn transportiert. Nach einiger Zeit treten sie wieder in die Atmosphäre ein und verglühen. "Dann sieht man Sternschnuppen am Himmel."
Der Wandel von der Urne in die Sternschnuppe kostet 8000 Euro - wenn man sich für die Urne im Knopfbatterie-Format mit einem Gramm Asche entscheidet. Wer eine letzte Reise größeren Ausmaßes bucht, muss noch tiefer in die Tasche greifen: Zum Mond koste es 25 000 Euro, sagt Lessing. Bislang habe sich jedoch nur ein Mensch dafür entschieden: Der US-Astronom Eugene Shoemaker, Namensgeber und Mit-Entdecker des Kometen Shoemaker-Levy 9.
Asche von mehr als 900 Menschen aus aller Welt hat das US-Unternehmen schon ins All geschickt, berichtet Chris Chol, Leiterin des Kundenservice bei Celestis. Raumfahrt-Spezialisten, Musiker aber auch Studenten oder Hausfrauen.
Auch ein Jugendlicher aus Ostdeutschland hat seine letzte Reise zu den Sternen gemacht. Ihr Sohn sei vor einigen Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen, berichtet seine Mutter. Einen Teil seiner Asche hat sie ins All geschickt. "Mein Sohn hat sich das gewünscht", in einer Sternschnuppennacht wenige Monate vor dem tödlichen Unfall.
Bislang haben laut Lessing acht Deutsche die postume Himmelfahrt angetreten. Dabei ist die Weltraumbestattung hier streng genommen gar nicht erlaubt: "Die Bestattungsgesetze der Länder sehen vor, dass die Asche eines Toten nicht getrennt werden darf", sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur.
In NRW zum Beispiel drohe bei Zuwiderhandlung ein Bußgeld von bis zu 3000 Euro, teilt das Landesministerium für Gesundheit mit. Angehörigen, die einen Verstorbenen dennoch zu den Sternen schicken wollen, rät Lessing: Sie sollten den Leichnam ins Ausland überführen, ihn dort einäschern und die ganze Asche nach Amerika bringen lassen.
Wirthmann hält die deutschen Gesetze für sinnvoll: "Trauer braucht einen Ort", sagt er. Die Deutsche Bischofskonferenz plädiert ebenfalls für einen "namentlich bezeichneten, konkreten Ort der Trauer, der Zeichen der christlichen Auferstehungshoffnung trägt". Dies sei bei einer Weltraumbestattung nicht gegeben.
Manfred Lessing will dennoch später einmal sozusagen sein eigener Kunde werden und zu den Sternen reisen. Als ehemaliger Seemann habe er die Meere befahren und die Welt gesehen, sagt er. Das Universum solle sein "letztes großes Abenteuer" werden.
Artikel vom 31.12.2012
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