TV-Jahr 2012: Der Wettbewerb zerfrisst auch große Namen

Berlin.  Schillernd, schrill und strahlend: Das deutsche Fernsehen, ob in privater oder öffentlich-rechtlicher Hand, sendet mit fast ungebrochenem Selbstbewusstsein in die Haushalte, schaut doch jeder Deutsche rund vier Stunden am Tag ins Pantoffelkino.
Sie hatten auch schon mehr Zuschauer: Thomas Gottschalk (l) und Harald Schmidt. Foto: Arne Dedert
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Sie hatten auch schon mehr Zuschauer: Thomas Gottschalk (l) und Harald Schmidt. Foto: Arne Dedert Foto: DPA

Die Gunst des Publikums fällt dabei sehr unterschiedlich aus. Während Sport, Krimi und die große Show nach wie vor angesagt sind, haben einige Moderatoren und Entertainer der Bildschirm-Generation um die 50 im Jahr 2012 mit ihren Formaten herbe Rückschläge einstecken müssen.

Beispiel eins: Thomas Gottschalk (62). Was er anpackte, wurde definitiv nicht wie bei König Midas zu Gold. Im Dezember 2011 bei seinem Abtritt von der "Wetten, dass..?"-Bühne noch frenetisch gefeiert, erlebte er gleich bei seinem ARD-Start mit der werktäglichen Vorabendshow "Gottschalk Live" am 23. Januar eine böse Bauchlandung: Die Quoten verbuchten einen fast senkrechten Abgang. So schlecht wie seine Show lief bis dahin nichts im ARD-Programm - Anfang Juni war Schluss.

Alles nur ein Ausrutscher? Schwierig zu beurteilen. Denn der 62-Jährige wechselte schnell die Pferde. Schon im Sommer hockte er für RTL neben seiner ehemaligen "Wetten, dass..?"-Partnerin Michelle Hunziker und Dieter Bohlen in der Jury der traditionell quotenstarken Show "Das Supertalent". Doch als es mit der Ausstrahlung im September losging, verließen die Zuschauer auch die RTL-Talentsuche in Scharen - Die Gottschalk-Verpflichtung lohnte sich nicht für RTL, eine Fortsetzung mit dem großen Zampano scheint fraglich.

Beispiel zwei: Harald Schmidt. Der 55-Jährige dockte nach seiner erfolglosen Rückkehr zu Sat.1 beim Bezahlsender Sky an. Doch die ohnehin schon wenigen Fans des Late Night Talks blieben der Show im Abo-TV erst recht fern. Die GfK-Fernsehforschung in Nürnberg ermittelte kurz nach seinem Start für seine Show nach der Ausstrahlung in drei verschiedenen Sky-Sendern 0,0 Millionen Zuschauer. Ein bitterer Tiefpunkt für den Kalauerkönig aus dem Schwabenland, der mit seiner Late Night Show bei seiner ARD-Premiere im Dezember 2005 noch rund sechs Millionen Zuschauer zählte.

Beispiel drei: Linda de Mol. Die 48-jährige Holländerin, in den neunziger Jahren einer der Shootingstars des jungen Privatsenders RTL, versuchte nach dem ZDF 2008 erneut ein TV-Comeback in Deutschland, dieses Mal bei Sat.1. Doch die Show "The Winner is...", eine Mischung aus Spiel- und Castingshow, kannte nur einen Verlierer - und der hieß Linda de Mol. Die Quoten stimmten nicht, eine Neuauflage der Sendung scheint somit unwahrscheinlich. Auch Kollegin Ulla Kock am Brink (51) konnte das Sat.1-Publikum mit der Show "Die perfekte Minute" nicht überzeugen, ebensowenig wie Detektiv Ingo Lenßen, der ins Vorabendprogramm zurückkehrte, aber bald wieder verschwand.

Doch das Massenmedium Fernsehen bot auch positive Überraschungen. Markus Lanz gehörte mit seinen ersten beiden "Wetten, dass..?"-Vorstellungen im ZDF zu den Gewinnern des Jahres. Die Shows fielen zwar zum Teil etwas hektisch aus, aber die Einschaltquoten der Premiere (13,62 Millionen) und der zweiten Ausgabe (10,74 Millionen) konnten sich sehen lassen.

Auch der Krimiklassiker "Tatort" läuft in der ARD auf Hochtouren: Mit 12,11 Millionen Zuschauern verbuchte das Duo Jan Josef Liefers/Axel Prahl am 25. November den besten Wert der Reihe seit 1993.

Was die ARD mit "Gottschalk live" und den neuen Krimiserien "Heiter bis tödlich" am Vorabend nicht schaffte, gelang dafür dem Privatsender RTL II ohne großes Aufhebens: Die Dauerserie "Berlin - Tag & Nacht" mit Laiendarstellern, die zwischen Rolle und Wirklichkeit kaum noch unterscheiden können, treibt vor allem das junge Publikum vor die Bildschirme: Daher gibt es ab Januar mit "Köln 50667" einen Ableger der Serie im Rheinland.

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