"Menschenbilder" im Museum Frieder Burda

Baden-Baden.  Mit seiner neuen Ausstellung "Menschenbilder" konzentriert sich das Museum Frieder Burda in Baden-Baden von diesem Donnerstag an auf ein zentrales Motiv der Kunstgeschichte. "Das Menschenbild war lange vor Landschaften und Stillleben das Thema schlechthin", sagte der Kunsthistoriker Götz Adriani, der im Stiftungsvorstand des Museums sitzt, am Mittwoch.

Die Schau zeigt rund 60 Werke, unter anderem von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz, aus Burdas inzwischen über 1000 Exponate umfassenden Sammlung. Aber auch jüngere Künstler beleuchten den Menschen in seinem Bezug zu sich und der Welt: Zu sehen sind unbekanntere Gemälde etwa von Tim Eitel oder Simon Pasieka.

Aufgeteilt in verschiedene Abschnitte führt die Schau zunächst zu "Menschenbildern" von Baselitz, Polke und Markus Lüpertz, "die den Menschen in erster Linie unter formalen Aspekten ergründeten", sagte Judith Irrgang, eine der beiden Kuratorinnen. Baselitz zeigt Figuren wuchtig und mächtig, bildet sie nur zum Teil ab oder kopfüber, mächtig, schlafend, schwebend. Auch zwei seiner Skulpturen werden gezeigt.

Eine Etage höher geht es um Verwischung, Zerstörung und Überdeckung: Der Mensch ist verwundet, nur schemenhaft zu sehen, verfremdet. Im berühmten Werk "Party" mit einer scheinbar fröhlich feiernden Menschengruppe schlitzte Richter die Leinwand auf, bis das Bild rot besudelt aus Wunden zu bluten schien. Zu sehen ist auch eine Serie, in der Arnulf Rainer ein Porträt von Vincent van Gogh übermalt und es in rätselhafte, gar verstörende Grimassen verwandelt.

"Nach dem Krieg war die Verherrlichung des Menschen verpönt", sagte Frieder Burda. Die Ausstellung zeige auf spannende Weise, wie Künstler der Nachkriegszeit das Menschenbild aufgebrochen, es variiert und sich in unterschiedlichster Form damit auseinandergesetzt hätten.

Die Ausstellung "Menschenbilder", die bis zum 6. Januar läuft, ist die erste Schau des Museums, die ausschließlich vom Haus selber und nicht von Gastkuratoren gestaltet wurde. "Adriani und ich haben da nix hineingeredet", sagte Frieder Burda. "Ich sehe die Ausstellung heute zum ersten Mal." In Zukunft will das Haus weitere Ausstellungen alleine gestalten, um seine Eigenständigkeit stärker herauszustreichen.

Links
Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Anzeige

Folgen Sie uns auf Google+