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Depardieu holt sich bei Putin seinen Pass ab
dpa
Moskau. Wie ziemlich beste Freunde umarmen sich Kremlchef Wladimir Putin und der Schauspieler Gérard Depardieu. Es gibt etwas zu feiern: Der über die Steuerpläne der französischen Regierung erboste Künstler erhält einen neuen russischen Pass. Damit wird er quasi zu Putins Landsmann.
Gérard Depardieu hat einen neuen Pass. Foto: Marcel Mettelsiefen Foto: DPA
Fernsehbilder zeigen, wie sich im Kurort Sotschi vor der Präsidentenresidenz das Schwarze Meer kräuselt. Drinnen stehen Schneeglöckchen auf dem festlich gedeckten Tisch, aus einem Eiskübel ragt Champagner. Es wirkt wie eine schöne Bescherung, passend zum orthodoxen Weihnachtsfest am Sonntag in Russland.
"Gérard, bist du mit deiner Arbeit zufrieden?", fragt Putin den per Charterflug angereisten Gast. "Ja, Wladimir, nur leider hast du meinen Film "Rasputin" noch nicht gesehen", erwidert Depardieu. Putin runzelt die Stirn. Alle Russen sollten den Film über den mysteriösen Zarenberater sehen, befindet er und blickt zu Oleg Dobrodejew, den Chef der mächtigen Mediengesellschaft WGTRK. "Spätestens im Mai läuft "Rasputin" landesweit im Staatsfernsehen", verspricht Dobrodejew schnell. Zufall oder nicht: Am Morgen vor dem Treffen strahlte der Sender STS bereits einen von Depardieus "Obelix"-Filmen aus.
Stolz präsentiert Depardieu den neuen Ausweis mit Doppeladler auf der Frontseite, innen prangt ein roter Stempel mit kyrillischen Lettern. Die Tinte scheint noch nicht trocken. Per Dekret hatte Putin dem gebürtigen Franzosen die Staatsbürgerschaft verliehen. Wenn Depardieu jetzt noch als Russe hauptsächlich in Russland wohnt, entgeht der 64-Jährige der in Frankreich drohenden Reichensteuer. Ein Steuerflüchtling sei er aber nicht, beteuert der Filmstar. Er "liebe" Russland und wolle künftig in Belye Stolby bei Moskau wohnen. Auf den "Neu-Russen" freut man sich dort. "Das ist ein echter Kerl. Man kann mit ihm reden, mit ihm trinken, und wenn's sein muss, ihm aufs Maul hauen", sagt ein Ortsbewohner der Zeitung "Le Figaro".
Die Einbürgerung gilt auch als PR-Coup von Putin. Genau vor einem Jahr befand sich Russlands starker Mann nach Massenprotesten in einem Stimmungstief. Nun buhlt auch die streitbare französische Schauspielerin und Tierschützerin Brigitte Bardot um ein Treffen. Die 78-Jährige setzt im Kampf gegen die Tötung von zwei Zirkus-Elefanten in Lyon auf den Beistand des Kremlchefs. Putin inszeniert sich immer wieder als Tierschützer, zuletzt spielte er in einem fliegenden Motordrachen den Anführer für einen Schwarm Kraniche.
"Der Präsident ist kein Tierschützer", schreibt die kremlkritische Publizistin Julia Latynina aber in einem Offenen Brief an Bardot. Gegen Oligarchen, die Tiere zum Vergnügen aus einem Hubschrauber heraus jagen, und gegen Beamte, die sich Paläste in Schutzgebieten bauten, unternehme Putin nichts. Der Ex-Geheimdienstchef höre grundsätzlich nur auf Bitten prominenter Freunde wie Depardieu. "Die Wünsche von Millionen Russen sind ihm egal", meint Latynina.
Depardieu hat nach dem französischen Gesetz nun ein Jahr Zeit, um seine französische Staatsangehörigkeit zurückzugeben. Der Schauspieler hatte dies angekündigt, nachdem Premierminister Jean-Marc Ayrault einen zunächst angekündigten Umzug nach Belgien als "unpatriotisch" und "ziemlich erbärmlich" bezeichnet hatte - eine Bemerkung, die ihm der "Wutbürger" Depardieu mächtig übelnahm.
Artikel vom 06.01.2013
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