Das Leben hängt am Wasser

Zunehmende Trockenheit setzt Menschen in Afrika zu

Nairobi. Wasser ist in Afrikas ein kostbares Gut. Nach einer verheerenden Dürre 2011 kämpfen Kenia und seine Nachbarländer erneut mit den Folgen langanhaltender Trockenheit. Die Anpassung an den Klimawandel ist deshalb auch wichtiger Bestandteil der Klimaverhandlungen in Bonn.

Im Pariser Abkommen von 2015 haben sich die Industrieländer unter anderem verpflichtet, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar für Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen. Deutschland stellte 2016 rund 8,5 Milliarden Euro für Klimafinanzierung bereit, mehr als die Hälfte in Form von Kapitalmarktmitteln. Das Geld soll zum einen in Technologien zur Senkung des CO2-Ausstoßes fließen, zum anderen soll es helfen, die Herausforderungen durch das veränderte Klima zu bewältigen.

Am Mount Kenya wird deutlich, wie sehr dieses Geld gebraucht wird. Mehr als 6000 landwirtschaftliche Betriebe profitieren dort von Bewässerungsanlagen, die das Wasser aus den Bergen auf ihre Felder lenken. Finanziert durch Entwicklungshilfegelder nehmen die kenianischen Bauern einen Kredit auf, den sie zur Hälfte wieder zurückzahlen müssen.

„Seitdem fallen die Ernten besser aus und wir können mehr und öfter anpflanzen“, sagt Sofia Wanbui, die bei der Kooperative Mitooni für die Finanzen zuständig ist. „Wir brauchen dieses Wasser mehr als alles andere, weil unser Leben davon abhängt.“ Zugute kommt das Wasser auch Manasseh Wachira, der mit seiner Frau Bananen anbaut. Seinen Kredit über 81 000 Schilling (knapp 700 Euro) hat der Farmer inzwischen zurückgezahlt. „Das hat unser Leben vollkommen zum Guten verändert“, sagt der 65-Jährige.

Trotz allem, Projekte wie diese sind nur ein Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein. Viele Länder Afrikas leiden unter wachsender Hitze und Trockenheit, die Wüsten breiten sich aus. Der stellvertretende Geschäftsführer des UN-Umweltprogramms Unep, Ibrahim Thiaw, warnt vor den Folgen. „Die Fundamente, auf denen das Leben dieser Menschen ruht, wanken“, sagt er. Deshalb würden die Menschen flüchten und ihr Heil in Nachbarländern oder in Europa suchen. „Schon deshalb dürfen wir Klimafinanzierung nicht als Almosen betrachten“, so Thiaw.

Eine Meinung, die auch der Ulmer Informatikprofessor und Globalisierungsexperte Franz Josef Radermacher teilt. Er fordert einen Marshallplan für Afrika und will in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung freiwillige Geldgeber mobilisieren, um in Klimaschutz-Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern zu investieren. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass diese Länder falschen Vorbildern folgen. „Selbst wenn alle Klimaverträge eingehalten werden, löst dies das Klimaproblem nicht“, glaubt Radermacher. „Wir sitzen alle in einem Boot und werden uns gemeinsam retten oder gemeinsam untergehen“, sagt Radermacher.