Ratgeber zur närrischen Zeit

Was an Karneval erlaubt ist und was nicht

An Karneval sollten die Feiernden einige Regeln und Gebote beachten

Bonn. Am 11. November ist es soweit: Die neue Karnevalssession beginnt. Wer jeck unterwegs ist, sollte sich jedoch informieren, was erlaubt ist und was nicht. Welche Kostüme sind ein No-go, darf man sich überhaupt maskieren, und wie verhält es sich mit Alkohol? Unser Überblick.

Ab Sonntag, dem "Elften im Elften", befinden sich Bonn, die Region und das Rheinland wieder im Ausnahmezustand: Die Session 2018 beginnt und damit vor allem die Zeit des Sitzungskarnevals. Doch auch für Jecke gilt es, einige Dinge zu beachten.

1 Verbotene Kostüme und Accessoires

Wer Karneval feiert, der weiß: Bei der Auswahl der Kostüme sind fast keine Grenzen gesetzt. Die Betonung liegt in diesem Fall auf "fast". Über ein Nazi-Kostüm, wie es der britische Prinz Harry vor einiger Zeit in humoristischer Absicht trug, können nur wenige lachen. In Deutschland hätte sich Harry möglicherweise sogar strafbar wegen des Tragens verfassungswidriger Symbole gemacht. Auch Fußballprofi Rafinha musste sich jüngst für ein missratenes Halloween-Kostüm entschuldigen: Der Spieler des FC Bayern München hatte als Accessoire zu seiner Verkleidung als arabischer Scheich eine Bombenattrappe gewählt.

Auch ein Kostüm mit exhibitionistischen Zügen könnte nicht gut ankommen. Verboten ist eine Kostümierung als Polizist, sofern dabei eine originale Dienstuniform getragen wird. Dieses Verbot gilt, weil es zu Verwechslungen mit echten Polizisten kommen könnte. Ein Arztkittel kann dagegen bedenkenlos getragen werden. Einen Überblick darüber, welche Kostüme verboten sind, liefert das Portal bussgeldkatalog.org des Verbandes für bürgernahe Verkehrspolitik.

Besondere Vorsicht ist beim Mitführen von Waffen geboten, auch wenn diese zu einem Cowboy- oder Ritter-Kostüm dazugehören. Ein Verbot bezieht sich konkret auf sogenannte Anscheinswaffen, also solche, die einem Original täuschend ähnlich sehen oder sogar eine unbrauchbar gemachte Schusswaffe sind. Diese Regelung ist in § 42a des Waffengesetzes geregelt. Wie ernst es die Ordnungsbehörden in diesem Fall meinen, zeigt das mögliche Strafmaß: Wer gegen die Vorgaben verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro rechnen. Wer dagegen Waffen mitführt, die ein klar erkennbares Spielzeug sind, muss sich keine Sorgen machen.

2 Vermummungsverbot

Grundsätzlich untersagt das Vermummungsverbot in Deutschland „bei öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel, Aufzügen oder sonstigen öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel oder auf dem Weg dorthin Gegenstände mit sich zu führen, die geeignet und den Umständen nach dazu bestimmt sind, die Feststellung der Identität zu verhindern.“ Karneval bildet vor diesem Hintergrund einen Sonderfall, da in § 17a des Versammlungsgesetzes Ausnahmen geregelt werden. Masken oder gesichtsverdeckende Helme sind an den Karnevalstagen also erlaubt. Verzichten sollte man auf sie jedoch bei der Autofahrt, da der Fahrer nicht in Sicht und Gehör beeinträchtigt sein darf. Auch Verkleidungen wie Schaumstoffbäuche oder Clownsschuhe eignen sich nicht dafür, sicher Auto zu fahren.

Kommt es zu einem Unfall, kann ein maskierter Täter schnell Probleme mit der Versicherung bekommen oder ihm eine Teilschuld zugewiesen werden. Folglich sollten Karnevalisten Masken wie auch Augenklappen nur bei den eigentlichen Feiern tragen.

Masken sollten an Karneval nicht im Straßenverkehr getragen werden.

Masken sollten an Karneval nicht im Straßenverkehr getragen werden.

3 Rassistische oder diskriminierende Kostüme

Verzichten sollten echte Karnevalisten auf stereotype und stigmatisierende Verkleidungen. Das Kölner Forum gegen Rassismus und Diskriminierung hat im vergangenen Jahr im Rahmen der Kampagne "Ich bin kein Kostüm" sechs Plakate entwickelt, die während des Straßenkarnevals auf den Infoscreens der U-Bahnen auf rassistische und diskriminierende Kostüme aufmerksam machen sollten. "Einige Kostüme stärken rassistische und stereotype Bilder", erklärte das Bündnis. Diese Bilder würden - ob bewusst oder unbewusst - genutzt, um Ausbeutung und Unterdrückung von bestimmten Menschengruppen zu rechtfertigen.

Mit den Plakaten, die auf eine Idee eine Studierendengruppe aus Ohio zurückgehen, sollte auf solche unangebrachten Kostüme aufmerksam gemacht werden. Zu sehen sind Vertreter von Minderheiten, die jeweils ein Foto eines diskriminierenden Kostüms in den Händen halten. "Für die Betroffenen sind alltagsrassistische und diskriminierende Erfahrungen weder harmlos noch witzig", betonen die Macher der Kampagne. Jecke sollten also vor der Kostümierung besser zweimal nachdenken und davon absehen, sich das Gesicht schwarz anzumalen ("Blackfacing") oder sich als Indianer, Geisha, Bauchtänzerin oder "Transe" ins Getümmel zu stürzen. Die Plakate sind auf den Seiten des Kölner Vereins Öffentlichkeit gegen Gewalt zum Download verfügbar.

4 Alkohol

An Karneval fließen traditionell viele Liter Alkohol. Eine Lockerung des erlaubten Promillewerts gibt es aber natürlich auch in den närrischen Tagen nicht. Es gilt also wie immer Folgendendes: Wer mit 0,3 Promille am Steuer Ausfallerscheinungen zeigt, macht sich gemäß § 316 des Strafgesetzbuches strafbar. Ab 0,5 Promille handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von 500 Euro, zwei Punkten im Fahreignungsregister und einem Monat Fahrverbot belegt wird.

Absolut fahruntüchtig ist ein Fahrer bei einem Promillewert von 1,1, dann droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Wer an Karneval Alkohol trinken will, sollte das Auto also stehen lassen, den öffentlichen Nahverkehr nutzen oder sich von einer nüchternen Person chauffieren lassen.

5 Glasflaschen

In einigen Städten hat der Konsum von Getränken in Glasflaschen solche Ausmaße angenommen, dass die Feiernden teils bis zu den Knöcheln in Glasscherben standen. Um das Verletzungsrisiko zu lindern, haben einige Städte wie Köln, Düsseldorf oder Mainz ein Glasflaschenverbot für Teilbereiche der Stadt beschlossen.

Entsprechende Zugangskontrollen vor den Bereichen sollen verhindern, dass Flaschen reingeschmuggelt werden. Auch Kioske und Imbisse verkaufen in den Tagen des Straßenkarnevals ausschließlich Plastikflaschen. Wer mit einer Glasflasche erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro rechnen.

6 Wildpinkeln

Wenn die Not zu groß wird und alle Toiletten besetzt sind, verziehen sich vor allem Männer zum Urinieren gerne hinter Bäume oder ins Gebüsch. Jedoch kann das "Wilde Urnieren" als "Erregung öffentlichen Ärgernisses" ausgelegt und mit einem Bußgeld bestraft werden, das rund 35 Euro beträgt. Bei besonders schweren Fällen, in denen zum Beispiel Kinder dem Anblick ausgesetzt werden, muss nochmal mit härteren Strafen gerechnet werden, die sich bis zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr belaufen können.

7 Krawatte abschneiden

Eine der beliebtesten Traditionen von Frauen an Weiberfastnacht ist es, dem Chef oder einem anderen Mann die Krawatte abzuschneiden. Diese Aktion ist ein Symbol dafür, dass Frauen an den närrischen Tagen die Macht übernehmen. Zwar ist das Tragen einer Krawatte am Karnevals-Donnerstag im Rheinland in der Regel schon eine stille Einwilligung, doch Frauen sollten stets sichergehen, dass der Griff zur Schere keine Konsequenzen nach sich zieht. Wenn ein Mann die Aktion nicht lustig findet, drohen der "Täterin" Folgen wegen Sachbeschädigung gemäß § 303 Strafgesetzbuch. Dafür muss der Geschädigte jedoch einen Strafantrag stellen, was an den Feiertagen äußerst unwahrscheinlich sein sollte.

8 Bützen

Die kleinen Küsse auf die Wange oder der eine oder andere Schmatzer gehören für viele Feiernde an Karneval einfach dazu und sind Tradition. Wichtig ist aber: Sie sind kein Freifahrtschein zum Grapschen. Unerlaubtes Anfassen einer Person ist weiterhin ein absolutes No-Go. Und wer partout nicht gebützt werden will, der wird eben auch nicht gebützt.