Neuer Touristenrekord auf Mallorca

Touristenboom: Wie viel hält Mallorca aus?

Palma de Mallorca. Der Deutschen liebste Ferieninsel steuert auf einen neuen Urlauberrekord zu. Welche Probleme das für Mallorca mit sich bringt.

Mehr Luxus, weniger Ballermann: Nach dem Rekordjahr 2016, in dem knapp elf Millionen Touristen Mallorca aus allen Nähten platzen ließen, hat sich die Ferieninsel mit einer Qualitätsoffensive für die neue Saison vorbereitet. Während Reiseziele wie die Türkei oder Ägypten für viele Urlauber wegen Terrorgefahr oder politischen Unruhen nicht mehr infrage kommen, will Mallorca seine Popularität weiter nutzen und weg vom Schmuddelimage. Dafür wurde auf der Insel umgebaut, renoviert und erneuert wie lange nicht: Rund 350 Millionen Euro wurden 2016 und 2017 im Rahmen einer Luxusoffensive laut Balearischem Tourismusministerium in neue Hotels und Ferienprojekte investiert.

Am deutlichsten wird die angepeilte Neuausrichtung an der Playa de Palma, dem Epizentrum des deutschsprachigen Massentourismus. Wo früher Billigabsteigen dominierten, sind neue Luxusherbergen entstanden. So wurden zuletzt drei ehemals Vier-Sterne-Häuser zu Fünf-Sterne-Hotels umgebaut. Eine weitere Edelunterkunft soll noch im Laufe dieser Saison hinzukommen. Und wo vergangene Saison noch in die Jahre gekommene Bars und Biergärten auf Kunden warteten, haben in den letzten Wochen hippe Beachclubs eröffnet.

Auch der einstige „Ballermann 6“, jener Strandpavillon, der Sinnbild der Saufexzesse deutscher Touristen wurde und eigentlich „Balneario 6“ hieß, erstrahlt unter dem neuen Namen „Beach Club Six“ seit einigen Wochen in edler Holzoptik. Sangria aus Plastikeimern gibt es hier nicht mehr. Denn man will an der Playa de Palma künftig vermehrt gesittete Urlauber ansprechen. Und das neue Konzept scheint anzukommen: So werden in diesem Jahr nochmals mehr Urlauber auf der Insel erwartet als im Rekordjahr 2016.

Der einstige "Balneario 6" erstrahlt neuerdings als "Bach Club Six".

Der einstige "Balneario 6" erstrahlt neuerdings als "Bach Club Six".

Verbot von Trinkgelagen auf offenen Straßen

Mit dem enormen Urlauberansturm kommen jedoch auch ungebetene Gäste auf die Insel – und die sorgen mitunter für Ärger und negative Schlagzeilen: So mischte kürzlich eine Gruppe von Neonazis im „Bierkönig“ in S‘Arenal ein Konzert von Ballermann-Sängerin Mia Julia auf. Die rund 15 Männer schwenkten eine Reichskriegsflagge, skandierten „Ausländer raus“ und sollen auch zwei Frauen sexuell belästigt haben. Zwar konnten die Männer mit Hakenkreuztätowierungen von der Polizei identifiziert werden, doch es muss noch geklärt werden, ob sie auch strafrechtlich belangt werden können. Zumindest ermittelt die spanische Polizei wegen „Verletzung der Grundrechte“.

Der "Balneario 6", der einstige "Ballermann 6", präsentiert sich seit kurzem als "Beach Club 6" in edler Holzoptik. Und Sangriaeimer gibt's dort auch nicht mehr.

Der "Balneario 6", der einstige "Ballermann 6", präsentiert sich seit kurzem als "Beach Club 6" in edler Holzoptik. Und Sangriaeimer gibt's dort auch nicht mehr.

 

Aufgeschreckt sind die Behörden durch den Vorfall aber allemal – und wollen gegen rechtsradikale Urlauber vorgehen: „Wir werden mit diesen unschönen Vorfällen Schluss machen“, ließ Palmas Bürgermeister, José Hila, kürzlich verlauten. Das Verhalten der Urlauber ließe sich jedoch nicht von heute auf morgen verändern. Mit dem bereits im vergangenen Jahr verhängten Verbot von Saufgelagen auf offener Straße habe man zwar bereits erste Maßnahmen eingeleitet. Aber es bliebe noch viel zu tun: „Wir müssen noch viel verändern, weil diese Art des Treibens an der Playa de Palma seit Jahren zur Gewohnheit geworden ist. Aber mit der Hilfe aller werden wir es schaffen“, so Hila.

Protest gegen Folgen des Touristenbooms

Die Mallorquiner werden die Aktivitäten der Inselregierung mit Sicherheit genau beobachten. Denn sie haben vom ausufernden Treiben der Urlauber immer häufiger die Nase voll. Und nicht nur davon: Sie beklagen, dass viele Straßen immer häufiger mit Tausenden Mietwagen verstopft sind und die vielen Touristen zudem dafür sorgen, dass bezahlbarer Wohnraum auf der Insel kaum noch zu finden ist. Da viele Hausbesitzer ihre Wohnungen lieber für gutes Geld über Portale wie Airbnb an Feriengäste vermieten, sinkt die Zahl der Mietswohnungen für Insulaner. So sind beispielsweise auch kleinere Wohnungen in der Altstadt von Palma unter 1.000 Euro nicht mehr zu haben – und das können sich die wenigsten Mallorquiner leisten.

Im Mai gab es deshalb bereits Proteste von Insulanern in Palma, die gegen den Massentourismus und seine Folgen demonstrierten. Die Regierung hat bereits reagiert und schiebt den illegalen Vermietungen nun Riegel vor und will Vermieter, die ihre Wohnung trotz fehlender Genehmigung vermieten, mit saftigen Geldbußen bestrafen.

Reges Treiben am Flughafen von Mallorca - und das schon vor Beginn der Hauptsaison. Die Zahl der Passagiere am Flughafen von Mallorca kletterte in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um 6,7 Prozent auf 7,7 Millionen.

Reges Treiben am Flughafen von Mallorca - und das schon vor Beginn der Hauptsaison. Die Zahl der Passagiere am Flughafen von Mallorca kletterte in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um 6,7 Prozent auf 7,7 Millionen.

 

Zukunft der Insel als attraktives Reiseziel in Gefahr

Und die Urlauber? Die sind von solchen Ereignissen und Krisen eher unbeeindruckt und buchen eifrig ihren Mallorca-Urlaub. Noch nie war die Auslastung so komplett, die Preise so hoch und die Saison so lang. Dabei beginnt das Wort Nebensaison auf Mallorca langsam seine Bedeutung zu verlieren: Seit April und bis einschließlich November sind viele Hotels der Insel praktisch bereits ausgebucht. Das zeigt sich aktuell auch am Flughafen von Mallorca, der schon jetzt so voll ist wie sonst nur in der Hochsaison. Die Zahl der Passagiere kletterte in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent auf 7,7 Millionen.

Doch wie viele Touristen kann Mallorca aushalten? Experten sehen die Zukunft der Insel als attraktives Reiseziel ob der Probleme, die der Urlauberboom mit sich bringt, in Gefahr: „Wenn man am Flughafen in Palma gefühlt genauso lange aufs Gepäck warten muss, wie der Flug gedauert hat, oder sich die Schlangen bei den Mietwagen endlos ziehen, dann kann das die Reiselust auf Mallorca negativ beeinflussen“, sagte Reisepsychologe Horst Opaschowski kürzlich der „Mallorca-Zeitung“. Mallorca brauche eine neue Logistik der Massen. Wenn nicht gehandelt werde, so fürchten viele auf der Insel, könne sich der Mallorca-Boom womöglich in eine Krise wandeln.