Hunderte Verletzte

Tote bei Explosionen in Kirchen und Hotels in Sri Lanka

Bei den Explosionen kamen zahlreiche Menschen ums Leben.

Bei den Explosionen kamen zahlreiche Menschen ums Leben.

21.04.2019 Colombo. Bei einer Serie von Explosionen in Hotels und Kirchen in Sri Lanka sind am Ostersonntag mehr als 100 Menschen getötet worden. Viele weitere wurden verletzt.

Bei einer Serie von Anschlägen auf Hotels und christliche Kirchen sind am Ostersonntag in Sri Lanka rund 160 Menschen getötet worden. Unter den Opfern in dem bei Touristen beliebten Inselstaat waren nach Polizeiangaben auch 35 Ausländer. Am Vormittag erschütterten zunächst mehrere Explosionen binnen kurzer Zeit drei Luxushotels und drei christliche Kirchen, in denen gerade der Ostergottesdienst gefeiert wurde. Am Nachmittag gingen die Anschläge weiter: Sie trafen zwei Vororte der Hauptstadt Colombo.

Als Reaktion verhängte die srilankische Polizei eine sofortige Ausgangssperre. Sie solle bis auf weiteres gelten. Die Nutzung von Online-Netzwerken wurde einstweilen untersagt. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sprach von "feigen Angriffen". Führende Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge, zu denen sich zunächst niemand bekannte.

Die Explosionen entfalteten eine zerstörerische Wucht. Mindestens 64 Menschen wurden laut dem Polizeivertreter am Vormittag bei Detonationen in drei Luxushotels und der historischen Kirche St. Antonio in Colombo getötet. Dort wurde gerade die Ostermesse gefeiert.

Mindestens 67 weitere starben in der Kirche St. Sebastian des nahe von Colombo gelegenen Orts Negombo. 25 weitere wurden in einer Kirche in Batticaloa im Osten des Landes getötet. Auch hier gingen die Sprengsätze während der Osterfeierlichkeiten hoch.

Am Nachmittag wurden dann mindestens zwei weitere Menschen bei einer siebten Explosion in einem Hotel in einem Vorort Colombos getötet. Eine achte Explosion ereignete sich kurz darauf in einem anderen Vorort: Dort riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben drei Polizisten mit in den Tod.

Mehr als 300 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben US-Bürger, Briten und Niederländer. Die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa meldete ein portugiesisches Opfer.

Ob auch Deutsche unter den Toten waren, versuche die Botschaft in Sri Lanka "mit Hochdruck" aufzuklären, erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). Das Auswärtige Amt bezeichnete die Lage als "unübersichtlich".

An den Tatorten boten sich grausame Bilder. Nach einem Besuch an drei Anschlagsorten erklärte Wirtschaftsminister Harsha de Silva: "Ich habe überall Leichenteile verstreut gesehen." Es habe "viele Opfer einschließlich Ausländern" gegeben.

Regierungschef Wickremesinghe appellierte über Twitter an die Bevölkerung, "geeint und stark" zu bleiben. Die Regierung unternehme alles, um die Lage in den Griff zu bekommen. Präsident Maithripala Sirisena rief ebenfalls zur Ruhe auf. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein.

Eines der Hotels, das Cinnamon Grand Hotel, liegt in der Nähe der Residenz des Regierungschefs. Dort wurde nach Angaben eines Hotelmitarbeiters ein Mensch bei einer Detonation im Restaurant getötet. Betroffen waren zudem des Shangri La und - laut Auswärtigem Amt - auch das Kingsbury Hotel.

Die Hintergründe der Explosionen waren zunächst unklar. In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte die Polizei vor Plänen der radikalislamischen Gruppe NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben. Sie berief sich dabei auf Informationen eines "ausländischen Geheimdiensts".

Die NTJ soll hinter der Beschädigung buddhistischer Statuen in Sri Lanka im vergangenen Jahr stehen. Von Angriffen ausländischer Islamisten blieb das Land bislang verschont.

Nur sechs Prozent im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka sind Katholiken. Zu ihnen gehören Mitglieder der tamilischen Minderheit und der singhalesischen Mehrheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte entsetzt "über die Nachricht, dass Christen auf Sri Lanka während der Ostermessen angegriffen und getötet wurden". Maas erklärte, "diese niederträchtige Tat richtete sich offenbar gezielt gegen Menschen, die sich am Ostersonntag in der Kirchen dem Gebet und der Besinnung widmeten, sowie gegen Reisende".

Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter der Telefonnummer 030-50000 melden. (afp)