Uni Bonn

Testosteron macht ehrlicher

Viel Testosteron.

BONN. Mit dem Ruf von Testosteron stand es bisher nicht gerade zum Besten. Das männliche Sexualhormon gilt als kriegsfördernder Auslöser von Aggressionen. Überehrgeizige Bodybuilder nutzen den Stoff als Dopingmittel beim Muskelaufbau.

Selbst als Mitschuldiger für die weltweite Finanzkrise muss das viel gescholtene Hormon dienen: Angeblich fördert Testosteron die Risikobereitschaft. Die gewissenlosen Spekulanten in den Trading-Abteilungen der Großbanken sind nun einmal in großer Mehrheit: Männer.

In der Tierwelt verstärkt das Hormon laut Internet-Lexikon Wikipedia "Imponiergehabe, Kampfverhalten und Begattungsdrang". Kein Wunder, dass "testosterongesteuert" sich als Schimpfwort etabliert hat.

Offenbar zu unrecht. Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bonn haben herausgefunden: Testosteron macht ehrlicher. In einem Verhaltensexperiment konnten Männer bei einem Würfelspiel durch Lügen ihren Gewinn erhöhen.

Das Fazit: Die Probanden, die vorher Testosteron verabreicht bekamen, spielten ehrlicher. "Dieses Ergebnis widerspricht klar dem eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten führt", schlussfolgert der Bonner Ökonom Armin Falk.

Wobei selbst die Forscher einräumen: Ehrlichkeit dient auch nicht immer dem friedlichen menschlichen Miteinander. Kleine Lügen sind der Schmierstoff der Gesellschaft. Aber was gibt es Ehrlicheres, als wenn die Testosteronbombe dem Widersacher auf die Nase haut? Ungelogen.