Nach der Tragödie in Genua

So steht es um die Brücken in Deutschland

Die Leverkusener Autobahnbrücke wird saniert.

Die Leverkusener Autobahnbrücke wird saniert.

15.08.2018 Bonn. Wie steht es um den Zustand der Brücken in Deutschland? Der zuständigen Bundesanstalt zufolge haben zwei Prozent der deutschen Brücken den Status "ungenügend". NRW sieht keinen Anlass für Sonderkontrollen.

Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua stellt sich auch die Frage nach dem Zustand von Brücken in Deutschland. Nach jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) gibt es hierzulande fast 40 000 Brücken an Bundesfernstraßen - das heißt Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten.

Laut Bast ist der Zustand der Brückenflächen bei über mehr als zwölf Prozent "sehr gut" oder gut", bei etwa 75 Prozent "befriedigend" oder "ausreichend". Bei fast elf Prozent ist der Zustand "nicht ausreichend", bei knapp zwei Prozent gar "ungenügend".

Die Zustandsnote bildet die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Eine Zustandsnote "nicht ausreichend" bedeutet laut Bast aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen sei.

Kein Anlass für Sonderkontrollen

Ein "ungenügender" Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit hin, kann aber auch lediglich auf Schäden an den Gitterstäben des Geländers zurückzuführen sein. Wenn bei der Bauwerksprüfung eine Sicherheitsbeeinträchtigung festgestellt wird, so werden der Bast zufolge sofort Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Das NRW-Verkehrsministerium sieht keinen Anlass für Sonderkontrollen von Brücken in Nordrhein-Westfalen. Hier gebe es bereits seit Jahren ein intensives engmaschiges Prüfsystem für Brücken, sagte Ministeriumssprecher Bernhard Meier auf Anfrage.

Dazu zählten turnusmäßige Kontrollen, systematische Nachberechnungen der Lebensdauer der Brücken, permanente Reparatur-, Sanierungs- und Verstärkungsarbeiten bis hin zu Neubauten wie etwa im Fall der maroden Rheinbrücken Leverkusen und Neuenkamp. "Wenn es hier einen Einsturzverdacht gäbe, würde man sofort sperren", versicherte Meier. Dies sei im Falle alter Brücken, in denen minderwertiger Stahl verbaut worden war, schon passiert.

Nutzungsdauer von 80 bis 100 Jahren

Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist für mehr als 10 000 Brücken mit einer Gesamtlänge von rund 385 Kilometern zuständig. Über 1000 Brückenbauwerke sind laut Verkehrsministerium als "vorrangig nachzuprüfen und zu ertüchtigen" eingestuft.

Das mittlere Alter von Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen liegt bei 38 Jahren, an Landesstraßen bei 42. "Viele Brücken haben damit die Hälfte ihrer Nutzungsdauer erreicht, die auf 80 bis 100 Jahre angelegt ist", stellte der Landesbetrieb fest. Erfahrungsgemäß werde jede Brücke alle 25 bis 30 Jahre von Grund auf saniert.

Jeder Schaden oder Mangel wird in einem "Brückenbuch" elektronisch dokumentiert nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren. Bei den Nachberechnungen der Lebensdauer wird geprüft und prognostiziert, wie lange die Statik der Brücke die aktuellen Traglasten aushält. Auf dieser Grundlage sollen Maßnahmen eingeleitet werden, bevor es zu Überlastungen oder Schäden kommt. (Bettina Grönewald und Maximilian Perseke, dpa)