63 Jahre ESC

So kurios ging es beim Eurovision Song Contest zu

Von kurios bis erfolgreich: In 62 Jahren ESC ist viel passiert.

Lissabon. Tiere auf der Bühne? Auf keinen Fall! Dann ein Orchester? Bitte nicht! In 63 Jahren ESC ist eine Menge passiert, vieles davon durchaus kurios. Vor dem Finale am 12. Mai blicken wir noch einmal zurück.

63 Jahre Eurovison Song Contest (ESC) – das sind auch 63 Jahre gute oder weniger gute Ohrwürmer, schräge Outfits, kuriose Auftritte, also 63 Jahre gute Fernsehunterhaltung; egal ob zum Mitfiebern oder Mitlästern. Schließlich wusste schon BBC-Moderator Terry Wogan 1997, dass der ESC mehr Spaß mache, je schlechter er sei. Auch dieses Jahr steigt die Show wieder, diesmal im portugiesischen Lissabon, da der portugiesische Kandidat Salvador Sobral im vergangenen Jahr mit seinem Song "Amar pelos dois" siegte.

1956 schickten Belgien, West-Deutschland, Frankreich, Italien, Luxembourg und die Niederlande jeweils zwei Künstler in die Schweiß, die ihrerseits ebenfalls zwei Kandidaten stellte: Zum Grand Prix de la Chanson Européenne im Teatro Kursaal im schweizerischen Lugano, nahe der italienischen Grenze. Auch in Dänemark, Österreich und dem Vereinten Königreich wurde dieser erste ESC übertragen – mehr Interesse bestand damals nicht an den 14 Teilnehmern. Eine 14-köpfige Jury aus den Mitgliedern der Teilnehmerländern kürte in einem geheimen Wahlverfahren den schweizer Titel "Refrain" zum Sieger. Wie gut Deutschland damals war? Das weiß niemand, es wurde nur der Sieger bekannt gegeben.

 

Mittlerweile nehmen 26 Länder im Finale teil

Seitdem hat sich viel geändert. Die Teilnehmerzahl ist drastisch in die Höhe gegangen, 43 Länder werden 2018 gegeneinander antreten. Berechtigt zu einer Teilnahme sind all jene Länder, die Mitglied der Europäischen Rundfunkunion sind – das macht 73 Rundfunkanstalten in 56 europäischen, nordafrikanischen und vorderasiatischen Ländern. So kommt es, dass Israel regelmäßig mit dabei ist und auch Marokko (1980) bereits zu den Teilnehmern zählte. Noch nie teilgenommen, obwohl sie mitten in der EU liegen, haben dagegen Liechtenstein und der Vatikan.

Wer konkret dabei ist, das ändert sich von Jahr zu Jahr. Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr allerdings Russland. Der Staat konnte nicht teilnehmen, da das Austragungsland Ukraine ein dreijähriges Einreiseverbot für deren Kandidatin Julija Samoilowa erlassen hatte. Daraufhin zog Russland seine Teilnahme zurück.

Immer dabei sind dagegen Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinte Königreich. Als Deutschland 1996 im Vorentscheid zu scheitern drohte und daraufhin damit drohte, zukünftig den ESC nicht weiter zu finanzieren, wurde entschieden, dass diese fünf Länder als die größten Geldgeber grundsätzlich immer für das Finale gesetzt sind – ein Zustand, der heftig kritisiert wird und den die Türkei als Begründung nennt, weshalb sie seit 2013 nicht mehr am ESC teilnimmt.

Vorschriften zur Teilnahme am ESC

Da ist so manche andere Regelung leichter einzuhalten: Die Interpreten müssen mindestens 16 Jahre alt sein und "live" singen, die Musik darf dagegen nicht "live" sein, sondern wird als Playback eingespielt. Mehr als sechs Personen dürfen nicht auf die Bühne, Tiere auch nicht – obwohl Teilnehmer Ivan aus Russland 2015 nackt und mit einem Wolf auftreten wollte. Jeder Teilnehmer darf nur für ein Land antreten, mit einem eigenen Song – eine Coverversion ist verboten –, aber keine politischen Botschaften verbreiten. Dann reicht ja auch ein Lied mit unter drei Minuten Länge. Und das Lied muss aktuell sein, also frühestens am 1. September des Vorjahres veröffentlicht worden sein.

Der deutsche Kandidat Michael Schulte erfüllt all diese Kriterien mit seinem Song "You Let Me Walk Alone", und so können die Deutschen hoffen, nicht zum vierten Mal in Folge auf dem letzten oder vorletzten Platz zu landen. Es wäre das insgesamt zehnte Mal, womit Deutschland es unter die Top Drei der schlechtesten ESC-Teilnehmer überhaupt schaffen würde. Doch danach sieht es aktuell nicht aus: Die Buchhalter rechnen Michael Schulte einen Platz im Mittelfeld aus - zwar keine Siegchance, aber immerhin.