Dramatische Szenen im Skigebiet Gudauri

Sessellift in Georgien gerät außer Kontrolle - Techniker untersuchen Unfallort

Bei dem Unglück wurden mehrere Wintersportler aus dem Lift geschleudert.

Bei dem Unglück wurden mehrere Wintersportler aus dem Lift geschleudert.

Gudauri. Nach dem dramatischen Unfall mit einem Sessellift im georgischen Ski-Gebiet Gudauri versuchen Experten fieberhaft herauszufinden, warum der Lift am Freitag völlig außer Kontrolle geraten war. Es ist nicht das erste Unglück mit einem Skilift.

Es sind dramatische Szenen, die sich am Freitag im georgischen Ski-Resort Gudauri abspielen: Eine Sesselliftanlage rast mit erhöhter Geschwindigkeit rückwärts, an der Talstation werden Ski- und Snowboardfahrer aus den Sesseln geschleudert, mehrere Kabinen krachen ineinander. Ganze zwei Minuten dauert es, bis die außer Kontrolle geratene Anlage endlich stoppt und sich andere Wintersportler um die Verletzten kümmern können.

Lokale Medien berichten später von insgesamt elf verletzten Ski-Touristen. Einige wurden mit Rettungshubschraubern in die Hauptstadt Tiflis ins Krankenhaus geflogen. Unter den Verletzten sollen vier Russen sein. Außerdem gibt es Berichte über eine verletzte Schwedin.

Die Skifahrer und Snowboarder wurden teilweise durch die Luft geschleudert, andere sprangen ab und verletzten sich dabei. Die dramatischen Szenen wurden von mehreren Wintersportlern, die mit Helmkameras unterwegs waren, gefilmt.

Gebaut wurde die Sesselliftanlage von dem Vorarlberger Unternehmen Doppelmayr. Die Österreicher haben mittlerweile zwei Mitarbeiter nach Georgien geschickt. Sie sollen klären, warum die Anlage außer Kontrolle geraten war.

Wie der "Kurier" online berichtet, wurden die beiden Techniker am Sonntagnachmittag an die Unfallstelle gelassen, die von georgischen Sachverständigen untersucht wird. Zunächst habe eine Genehmigung zur Durchbrechung des behördlichen Siegels gefehlt. "Wir dürfen bei den Prüfungen der Behörden als Beobachter dabei sein", zitiert der Kurier Unternehmenssprecher Ekkehard Assmann. Was zu der Fehlfunktion des Vierersessellifts geführt hat ist auch am Montagmorgen weiterhin unklar. Auch wann die Techniker erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen mitteilen können, kann aktuell nicht gesagt werden. Laut Assmann sei es auch unklar, ob das Unternehmen "etwas über die Ursache mitteilen darf, oder ob sich das die georgischen Behörden vorbehalten".

Ein vergleichbarer Vorfall sei ihm während seiner fast 20 Jahre dauernden Tätigkeit für den Vorarlberger Seilbahnhersteller jedenfalls nicht untergekommen. Denkbar sei auch ein Bedienungsfehler. Kurz zuvor habe es jedenfalls einen Stromausfall gegeben.

Der Sessellift war 2007 von dem österreichischen Unternehmen Doppelmayr in dem Ferienort im Norden Georgiens erbaut worden. Gudauri liegt rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt im Kaukasus an der Grenze zu Russland.

Das georgische Innenministerium hat wegen des dramatischen Unfalls laut russischen Medien bereits einen Strafprozess angeordnet.

Nicht der erste Lift-Unfall

Schon Anfang März gab es in Deutschland einen ähnlichen Vorfall. Eine 23-Jährige stürzte in Winterberg im Sauerland zehn Meter tief aus einem Skilift. Sie verletzte sich dabei schwer. Einen technischen Defekt schließen die Ermittler nach ersten Erkenntnissen aus. Es gebe Hinweise auf ein mögliches Fehlverhalten der Frau, sagte ein Polizeisprecher.

Auch in Österreich kam es im Januar zu zwei Vorfällen. Erst schleuderte es wegen Sturmtief Burglind mehrere Sessellifte in Vorarlberg durch die Luft, dann mussten am Kreischberg 150 Skifahrer aus einem defekten Sessellift geborgen werden. Die Rettung dauerte beinahe drei Stunden.

Im US-Bundesstaat Utah wollte im Januar 2017 ein junger Skifahrer den Lift verlassen, als sich sein Rucksack am Sitz verfing. Der Junge wurde zurück in den Lift gerissen und hing schließlich nur noch an den Trägern seines Rucksacks mehrere Meter über dem Boden. Mitarbeiter der Wintersportanlage konnten ihn mit einer Leiter retten.

Ebenfalls in den USA stürzten mehrere Skifahrer im Dezember 2010 etwa zehn Meter in die Tiefe, nachdem der Sessellift am Sugarloaf Mountain im Bundesstaat Maine abrupt gestoppt hatte. Sechs von ihnen erlitten Verletzungen. Etwa 100 weitere Personen steckten mehr als eine Stunde im Lift fest. Grund dafür war ein technischer Defekt.

(mit Inhalten von dpa)