Angemessene Kleidung?

Realschule verbietet Jogginghosen

Jogginghosen sind in einer Schule in Rottenburg jetzt nicht mehr erwünscht.

Rottenburg am Neckar. Weil Schüler zunehmend mit Jogginghosen im Unterricht erschienen, hat eine Realschule in Baden-Württemberg eine neue Kleiderordnung ausgerufen. Sie gelten ab sofort nicht mehr als angemessen - und sind daher schulweit verboten.

Was als "angemessene" Kleidung im Schulunterricht gilt, geht in der Auffassung von Lehrern und Schülern gerne auseinander. Eine offizielle Kleiderordnung gibt es für gewöhnlich aber auch nicht. Die Schüler tragen also, was sie wollen - und das sind derzeit offenbar häufig Jogginghosen.

Das Rektorat der Kreuzerfeld-Realschule im baden-württembergischen Rottenburg konnte diesen Umstand nicht mehr länger ertragen, wie das "Schwäbische Tagblatt" berichtet. Die Bildungseinrichtung verbietet derlei Klamotten mit einem Zusatz in der Schulordnung. Unter Punkt 13 heißt es dort: "Wir kleiden uns in der Schule angemessen. Unsere schulische Kleidung unterscheidet sich von unserer Freizeitkleidung."

Die Regel ist wohlformuliert, ein Dreivierteljahr hat die Schule unter anderem mit der Elternvertretung daran gearbeitet. Die Formel sei bewusst so offen gehalten, um die Diskussion mit den Schülern anzustoßen. Es gehe darum, allgemein ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man sich wann zu kleiden habe, zum Beispiel im Gerichtssaal oder auf einer Abschlussfeier.

Ähnliche Fälle in der Vergangenheit

Vielleicht hat die Kreuzerfeld-Schule auch aus einem Vorfall von 2016 gelernt. Der neue Rektor der Realschule in Bad Kissingen hatte mit einer genauen Definition, was im Unterricht nicht getragen werden dürfe (z.B. Kappen, Wollmützen, Jogginghosen und "zu knappe Outfits"), eine heftige Diskussion entfacht. Nach lauter Kritik der Schüler entschärfte der Rektor schließlich seinen harten Kurs.

Schon 2015 missfiel die weite Verbreitung von Jogginghosen der Rektorin einer schwäbischen Realschule. Das zuständige Kultusministerium sah damals keinen Grund für ein kategorisches Verbot, da der persönlicher Geschmack von Lehrern an öffentlichen Schulen nicht zum Richtwert für die Kleidung der Schüler werden dürfe.

Eltern begrüßen die Regelung

Auf Zuspruch träfe die Regelung laut Rottenburger Schulleitung zumindest bei den Eltern, die nun vor allem morgens nicht mehr mit ihren Kindern diskutieren müssten. Wer trotzdem mit Jogginghose in die Schule kommt und vielleicht sogar bewusst provozieren wolle, müsse laut Rektor Hartmut Schänzlin diese aber natürlich nicht ausziehen und in Unterwäsche am Unterricht teilnehmen.

Die Lehrer appellieren zunächst an die Einsicht des Schülers und das sei meist erfolgreich, so Schänzlin. Andere Schulen im Umkreis sähen indes keinen Bedarf für solch eine schriftlich festgehaltene Regelung.