Lachen auf Kommando

Paar im Westerwald macht Pferde zu Filmstars

Dornburg. Sie können auf Kommando die Lippen wie zum Grinsen verziehen und sich auf dem Boden rollen. Filmpferde müssen mit der Hektik bei Dreharbeiten klarkommen, auf den Punkt bereit sein. Ausgebildet werden einige solch tierischer Stars von einem Ehepaar im Westerwald.

Kaum sagt Suzanne Sera "Smile", zieht Hengst Chenuto seine Oberlippe nach oben und gibt den Blick frei auf seinen imposanten Oberkiefer. Es ist eine von vielen Gesten und Bewegungen, die das neunjährige Tier auf Kommando beherrscht. Unter Beweis gestellt hat es das schon bei etlichen Filmdrehs, zuletzt etwa in dem Kinder- und Jugendfilm "Ostwind".

Chenuto ist einer der tierischen Stars, die Sera und ihr Mann Zsolt "Jolly" Sera bei Dornburg im Westerwald ausbilden. Sie oder ihre Tiere wirkten etwa schon bei den Filmen "Die Päpstin" von Regisseur Sönke Wortmann, "Anonymous" von Roland Emmerich oder "Die andere Heimat" von Edgar Reitz mit.

Während Chenuto reichlich Erfahrung im Film-Business hat, ist der vierjährige Elegido ein Neuling. Sera, die früher Struben hieß, und ihr Mann haben das cremefarbene Tier im vergangenen Winter aus Spanien bekommen, seitdem arbeiten sie intensiv mit Elegido. "Lay down", ruft die Trainerin, und nach kurzem Zögern legt sich das Pferd auf den Boden einer Reithalle. Elegido ist aufgeregt, er giert förmlich nach dem nächsten Kommando.

"Er ist sehr temperamentvoll", sagt Sera. Auch das Gähnen hat sie ihm schon beigebracht, die Vorderbeine kann er auf Kommando auch verschränken. Geschafft hat sie das in beständiger, aber nicht überfordernder Arbeit, wie sie sagt. "Man muss in der Ausbildung schauen, dass man keinen Fehler macht." Denn es dauere lange, Fehler wieder herauszuarbeiten. Zwischendurch müsse sie regelrecht Ruhe ins Training bringen, denn Elegido sei sehr kämpferisch. Bei einem 600 Kilogramm schweren Tier könne das durchaus mal bedrohlich werden.

Wie schnell ein Tiere lerne, hänge stark vom Charakter ab, sagt sie. Wichtig sei es, das Training abwechslungsreich zu halten. Mal werde am Boden gearbeitet, mal longiert, mal ausgeritten. Sie und ihr Mann suchen sich grundsätzlich Pferde aus, die Spaß an Filmaktionen haben. Um das erkennen, braucht es viel Erfahrung. Die haben beide.

Suzanne Sera erfüllte sich nach der Schule Mitte der 80er Jahre einen Traum und machte eine Tour auf einem Pferd nach Frankreich. "Von da an habe ich immer mit Pferden gearbeitet." Ihr aus Ungarn stammender Mann ist schon seit seinem 16. Lebensjahr in der Filmbranche, besuchte eine Artisten- und Stuntschule. Neun Jahre hatten beide Hauptrollen in dem Pferdemusical "Zauberwald" und waren auf Tournee. Beide können Trickreiten, sind oft bei Ritterturnieren hoch zu Ross dabei.

Insgesamt fünf Pferde besitzen sie und ein Pony. Falls in einem Streifen mehr Tiere benötigt werden, schließen sie sich mit Partnern zusammen. Dafür sind sie Teil des europaweiten Filmpferde- und Stuntreiter-Netzwerks filmpferde.com. Bei Produktionen übernehmen sie häufig die Rolle des Horsemasters. Der sucht alle Details rund um die Pferde aus, vom Sattel bis zum passenden Zaumzeug. Monate vor den Dreharbeiten werden die Reitwege unter die Lupe genommen, Unterkünfte gebucht, Kalkulationen erstellt und Doubles für Schauspieler gesucht.

Wie rasant die Arbeit sein kann, zeigt Zsolt Sera, der in seiner Karriere unter anderem schon Til Schweiger oder Mads Mikkelsen ("Hannibal") gedoubelt hat. Im Sattel von Samir galoppiert er durch die Halle, bringt das Tier hoch auf die Hinterbeine. Samir ist noch erfahrener als Chenuto, er mimte in der TV-Serie "Unser Charly" mal ein krankes Pferd, war bei dem Historienfilm "Henri 4" dabei oder bei "1 1/2 Ritter". Stars wie Ken Duken ritten schon auf ihm.

Doch was muss ein Filmpferdetrainer alles mitbringen? "Man muss die Liebe zum Pferd haben", sagt Trainerin Sera. "Ohne Leidenschaft geht das nicht." Für das Tier trage man viel Verantwortung, müsse darauf achten, dass es ihm auch während stressiger Drehtage gut gehe.

Nicht zuletzt sind die Tiere das Kapital des selbstständigen Paares. Wenn sich eines verletzt, kann nicht auf die Schnelle ein anderes aufgetrieben werden. "Sie sind ganz individuell", sagt sie.

Ein Traumjob ist das Ganze aber nicht immer. Der Dreh zu "Henri 4" führte das Duo auf die Zugspitze. "Wir haben bei Eisregen gedreht", erinnert sich Zsolt Sera. "Das war schlimm." Und doch wollen beide nicht tauschen. Dafür faszinieren sie die Tiere zu sehr