Missbrauchsvorwürfe in TV-Doku

Neue Details zum Fall Michael Jackson

Freund der Kinder? Szene aus der Dokumentation „Leaving Neverland“ mit Michael Jackson. 3,6 Millionen Amerikaner sahen die Doku.

Freund der Kinder? Szene aus der Dokumentation „Leaving Neverland“ mit Michael Jackson. 3,6 Millionen Amerikaner sahen die Doku.

Bonn. ProSieben plant einen Themenabend rund um die Dokumentation "Leaving Neverland" mit Statements von vermeintlichen Missbrauchsopfern. Die Spekulationen über Michael Jacksons Vorlieben bekommen neue Nahrung.

Der deutsche Musiker und Schauspieler Marius Müller-Westernhagen muss 1994 eine Ahnung gehabt haben, als er im Lied „Es geht mir gut“ nicht nur sang, „Mach dir keine Sorgen, es wird schon weitergeh'n“, sondern auch „Michael Jackson geht mit kleinen Jungs ins Bett, und ich kann übers Wasser geh'n“.

Die Spekulationen über Jacksons Vorlieben bekommen wieder Nahrung: Vier Stunden lang lässt die Dokumentation des US-TV-Programmanbieters HBO „Leaving Neverland“ zwei Männer zu Wort kommen, die behaupten, sie seien als Kinder von dem US-Popstar missbraucht worden. Der Sender ProSieben macht den Fall Jackson am 6. April zum großen, abendfüllenden Thema. Der Sender bringt nicht nur die Dokumentation „Leaving Neverland“, sondern stellt in einem „ProSieben-Spezial“ vorneweg „Fragen, die die Doku nicht stellt“, wie ProSieben-Chefredakteur Stefan Vaupel am Mittwoch erklärte.

Die Sendung beschäftige sich nach Angaben des Senders etwa damit, warum treue Fans den ehemaligen Superstar noch immer verteidigen und wie die Familie Jackson auf „Leaving Neverland“ reagiert. Es gehe auch darum, wie die neuen Vorwürfe den Blick auf das Gesamtwerk von Michael Jackson veränderten. Ein interessanter Aspekt, der natürlich auch die am 22. März startende Ausstellung „Michael Jackson. On The Wall“ in der Bonner Bundeskunsthalle berührt. Die von der National Portrait Gallery in London konzipierte Schau zeigt Jackson-Porträts von mehr oder weniger bekannten Künstlern von Andy Warhol bis David LaChapelle. Eine große Hommage an den King of Pop.

Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle, hatte dem GA gesagt, er halte trotz der Kritik und der neuen Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson an der Schau fest, werde die Präsentation aber zum Anlass einer Debatte über Pädophilie und Missbrauch machen. „Wir haben es mit der Ausstellung in der Hand, uns an der Debatte zu beteiligen“, sagte Wolfs. „Der Diskurs ist richtig und wichtig.“

Unterdessen werden immer mehr Details der Dokumentation bekannt. Das Magazin bill-board.com fasst die zentralen Vorwürfe der Doku zusammen: Jackson habe ganze Familien bezirzt, nicht nur seine Opfer; auf seinem Anwesen habe er mehrere Räume gehabt, in denen er seine Opfer missbrauchte; Jackson habe seinen Opfern eingetrichtert, sie kämen alle ins Gefängnis, wenn herauskäme, was sie taten. Die beiden Männer James Safechuck (40) und Wade Robson (36) berichten detailliert über Sexualpraktiken. „Er war einer der gütigsten, sanftesten, liebevollsten Menschen, die ich kannte“, sagt Wade Robson in der Dokumentation. „Und er hat mich über sieben Jahre sexuell missbraucht.“

„Leaving Neverland“ hat eine breite Debatte etwa darüber ausgelöst, ob man Jackson-Hits noch hören solle. Der einst mit Jackson befreundete Ex-Boxer Mike Tyson hat sich mit einem Podcast-Interview zu Wort gemeldet: „Ich liebe Michael. Aber ich hätte niemals erlaubt, dass er mit meinen Kindern rumhängt.“