Das gläserne Haustier

Kölner entwickelt Fitnessband für Tiere

Tracker dog 'Combi' walks with his handler Francois Nel at the Southern African Wildlife College, Kruger National Park, South Africa, 08 March 2016. Members of the Anti Poaching Unit had the opportunity of interacting with members of the media where they gave a presentation.

Bald sollen Tierbesitzer ihre Lieblinge mit Fitnesstrackern ausstatten können.

Düsseldorf . Viele Menschen nutzen Geräte, um ihre Fitness zu messen. Nun gibt es erste Geräte für Tiere. Im späten Frühjahr soll ein Produkt für Pferde auf den deutschen Markt gebracht werden.

Cristiano Estrada hat für ein Technologie-Unternehmen gearbeitet, mit dessen Programm man eine Steuererklärung in 20 Minuten machen kann, und an Software geschrieben, mit der sich Fahrräder digital verbinden lassen. Es war eine Recht typische Karriere für einen jungen Kalifornier, der als Entwickler im Tech-Mekka Silicon Valley arbeitet.

Aber der 33-Jährige Amerikaner interessiert sich nicht nur für Codezeilen – sondern auch für Pferde. Während seiner Kindheit verbrachte er einige Jahre in Mexiko, wo der Umgang mit Pferden für viele zur Kultur gehört. Auch Estrada reitet seit Kindertagen, aber genau wie alle anderen Menschen kann er nicht die Gedanken der Tiere lesen. Zwar ist er überzeugt, dass die meisten Menschen fühlen können, wenn es Tieren nicht gut geht. Jedoch wisse man selten direkt was genau dem Pferd fehlt oder wie schlimm der Zustand ist.

Aus dieser Überlegung wurde Cabasus. Cristiano Estrada beugt sich in seinem Sessel nach vorne und zeigt eine App auf seinem Handy. Sie ist, in Kombination mit einem Fitnesstracker, der am Huf des Tieres angebracht wird, die Verbindung zum Pferd. Die Technik misst die Distanzen, die beim Ausritt zurückgelegt wurden, sie registriert Belastungen und soll Alarm schlagen können, wenn das Pferd eine gefährliche Kolik bekommt. So könnte man beispielsweise nachts noch den Tierarzt verständigen.

„Heutzutage wissen wir dank unserer Smartphones fast alles über uns selbst und können uns analysieren und jeglichen Schritte rückverfolgen“, sagt Estrada: „Jetzt ist es auch möglich, enger mit unseren Pferden verbunden zu sein und mehr über ihren konkreten Zustand zu erfahren, sei es hinsichtlich ihrer Gesundheit oder ihres Trainingsfortschritts.“

Auch Kölner entwickeln Fitnessband für Tiere

Im späten Frühjahr soll das Produkt auf den deutschen Markt gebracht werden, Ende 2018 bereits in weiteren europäischen Ländern verfügbar sein. Das Potenzial ist riesig, ist Estrada überzeugt: „Es gibt 60 Millionen Pferde auf der Welt. Sobald das Produkt einsatzbereit ist, skaliert es relativ leicht – und dann können wir es Pferdebesitzern und Reitern ermöglichen, alles über ihr Pferd zu erfahren, von der Entwicklung der Fitness bis zum Gesundheitszustand.“

Und theoretisch ließen sich Teile der Technik langfristig auch auf andere Tierarten übertragen: Hunde, Katzen, Kühe oder Kamele. Spätestens dann würde Cabasus jedoch einem anderen Start-up aus NRW in die Quere kommen. Denn Estrada ist nicht der Einzige, der die Gesundheit von Vierbeinern vermessen will.

Das versucht auch das Kölner Start-up Furryfit – nur eine Nummer kleiner, zumindest was das Tier angeht. Die beiden Brüder Micha David Neubert und Jona Timm Neubert haben ein Fitnessarm–, bzw. eigentlich eher Halsband, für Hunde entwickelt.

Auch ihnen kam die Idee beim Sport mit ihren Tieren – auch sie überlegten, ob die Belastung zu hoch sei und standen am Ende vor dem gleichen Problem: „Wir kennen unsere Hunde natürlich, aber sie können nicht mit uns sprechen“, sagt Micha David Neubert.

Aufruf bei Crowdfunding-Plattform

Vor zwei Jahren starteten sie daher mit der Entwicklung ihres Fitnesshalsbands und mieteten sich dazu genau wie Estrada in einem Co-Working-Space ein – nur rheinaufwärts, in Köln.

Mit der App sollen Hundebesitzer die Gesundheit und Aktivität ihres Hundes überprüfen können – vom Kalorienverbrauch bis zur Schlafanalyse. Die Daten werden dazu bis zu zwei Wochen lang auf einer kleinen Pfote mit Sensoren gespeichert, die die Tiere am Hals tragen müssen. Hilfe bekamen sie bei der Entwicklung unter anderem von ihrem Stiefvater und ihrem Bruder – zwei Tierärzten.

Um ihr Projekt zu finanzieren, starteten sie einen Aufruf bei der Crowdfunding-Plattform Startnext. 15.000 Euro wollten sie dort zusammenbekommen, das hat geklappt. Rund 200 Vorbestellungen gab es, weitere locken die Gründer gerade mit einem Gutschein-Code auf ihrer Internetseite. Nur die eigentlich geplante Auslieferung verzögert sich etwas, ist nun aber für das erste Quartal geplant.

Es geht um einen Milliardenmarkt, weshalb zuletzt auch der Mobilfunkanbieter Vodafone eine Lösung vorstellte, mit der sich der Standort von Hunden ermitteln lässt. Denn für ihre Tiere geben die Deutschen jährlich ein Vermögen aus: Der Umsatz der Deutschen Pferdewirtschaft, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, lag 2016 bei rund 6,7 Milliarden Euro – knapp zwei Drittel davon wurden im Einzelhandel und für Dienstleistungen ausgegeben. Für Hunde, Katze und Co. gaben die Deutschen 2016 laut dem Industrieverband Heimtierbedarf rund 4,7 Milliarden Euro aus.