Aktuelle EU-Statistik

In diesem Alter erfolgt der Auszug aus Hotel Mama

Wohnen im Hotel Mama

Praktisch, wenn Mutti putzt: Viele erwachsene Kinder genießen lange den Service zu Hause. Wollen Eltern die eigenen vier Wände wieder für sich, sollten sie sich damit zurückhalten.

Bonn. Wann junge Menschen das heimische Nest verlassen und in eine eigene Wohnung ziehen, ist in Europa sehr unterschiedlich. In einigen Ländern leben sie im Schnitt mehr als drei Jahrzehnte bei den Eltern.

Mit 30 noch bei Mama wohnen - das ist in Europa keine Seltenheit. Wie eine aktuelle Statistik zeigt, packen junge Leute vor allem in Südeuropa spät ihre Sachen und ziehen in eine eigene Wohnung.

Ganz anders sieht es in Nordeuropa aus. Kaum haben junge Schweden die Volljährigkeit mit 18 Jahren erreicht, verlassen die meisten von ihnen auch schon "Hotel Mama". Durchschnittlich mit 18,5 Jahren ziehen sie in die erste eigene Bude. Damit sind die Nordlichter unter den Wohnungsbesitzern in Europa die Küken.

"Hotel Mama" ist dagegen in Montenegro noch lange beliebt. Dort liegt das durchschnittliche Alter beim Auszug aus dem Elternhaus bei 32,8 Jahren. Auch in Kroatien, der Slowakei und Italien ist es nicht unüblich, auch am 30. Geburtstag noch mit Mama und Papa unter einem Dach zu leben.

Infografik: Wann Europäer das Hotel Mama verlassen | Statista 

Männer sitzen länger an Mamas Küchentisch

Fast überall in Europa ziehen junge Frauen früher aus als Männer. In Rumänien ist der Altersunterschied am größten. Dort strecken die Jungs ihre Füße noch mit 30 Jahren auf der elterlichen Couch aus, während Frauen dort mit knapp 26 ihren eigenen Haushalt führen.

Das Durchschnittsalter beim Auszug in die eigene Bude liegt innerhalb der Europäischen Union bei 26 Jahren. Deutsche Kinder haben im Schnitt mit 23,7 Jahren eine eigene Adresse. Beim Auszug sind sie jünger als ihre Altersgenossen aus Großbritannien (24,7) und liegen gleichauf mit jungen Menschen in Frankreich und den Niederlanden (beide 23,7). Dies zeigt die Statistik der EU-Statistikbehörde Eurostat.

Darum sind die Italiener "Muttersöhnchen"

Zu den Gründen, warum junge Menschen so lange zu Hause leben, hat die italienische Zentralbank 2017 eine Studie herausgegeben. Dort wohnte laut Eurostat 2017 fast die Hälfte der Menschen unter 34 noch im elterlichen Haushalt. Die Ursachen liegen laut der Studie, die statistische Daten Italiens mit anderen Ländern verglichen hat, vor allem in dem unsicheren Arbeitsmarkt und den hohen Wohnkosten begründet. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Italien besonders groß. Aktuell liegt sie bei den 15 bis 24-Jährigen bei 32,2 Prozent.

Auch in Deutschland werden junge Menschen in einigen Regionen besonders spät flügge. Vor allem junge Bayern wohnen gerne bei Eltern. Junge Frauen ziehen dort ebenfalls früher aus. Die Geschlechterunterschiede bereiten Soziologen Sorge: "Jungs gewöhnen sich daran, dass sie versorgt werden, das kann sie später unselbstständiger machen", sagte Soziologin Sabina Enzelberger. Eine Gefahr sieht sie darin, dass sich die geschlechtstypische Arbeitsteilung einmal in der eigenen Familie oder in einer Beziehung fortsetzt. Eltern sollten deshalb Jungen bei Arbeiten im Haushalt einbeziehen, so der Rat der Expertin.