Erdbebengefahr in der Region

Im Rheinland bewegt sich die Erde fast jeden Tag

In der Erdbebenstation Bensberg in Bergisch Gladbach steht auch ein Seismograph aus dem Jahr 1903.

In der Erdbebenstation Bensberg in Bergisch Gladbach steht auch ein Seismograph aus dem Jahr 1903.

Bonn. Forscher messen an mehr als 40 Standorten in der Region. Erschütterungen gibt es immer wieder - die meisten sind aber für Menschen nicht spürbar.

Die Menschen in Ahrbrück werden am Montag vergangener Woche um 18.22 Uhr nichts bemerkt haben. Dabei hat in der Gemeinde im Kreis Ahrweiler genau dann die Erde gebebt. Ein Messgerät der Erdbebenstation Bensberg, einem Forschungsinstitut der Universität zu Köln, hat für diesen Zeitpunkt eine Bewegung mit der Stärke 0,5 auf der Richterskala verzeichnet. „Erst etwa ab Stärke 2,5 sind Erdbeben für Menschen spürbar“, sagt Iris Schwellenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstation.

An mehr als 40 Messpunkten im Rheinland und in der Eifel zeichnen die Forscher jede kleinste Bewegung auf. Und die Erde bewegt sich hier häufig: Seit Beginn der Registrierungen in Bensberg im Jahr 1955 wurden über 2000 Erdbeben im nördlichen Rheinland und angrenzenden Gebieten registriert. „Wir leben in einem Gebiet, wo natürliche tektonische Bewegungen vorkommen“, sagt Geophysikerin Schwellenbach. Der Zeitpunkt, an dem ein größeres Erdbeben eintrete, sei allerdings nicht vorhersehbar.

Hauptursache für die tektonischen Bewegungen in der Region ist nach Angaben der Wissenschaftler eine Ausdünnung der Erdkruste in der niederrheinischen Bucht, eine sogenannte Spreizungszone. In Teilen der Eifel könne der Vulkanismus dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit für Erdbeben steigt. Auch der Bergbau im Ruhrgebiet und in der Kölner Bucht führe immer wieder zu kleineren Erdbeben.

Aber auch stärkere Erschütterungen kommen immer wieder vor: In der Nähe des belgischen Ortes Breé bei Aachen fanden belgische Geowissenschaftler nach Angaben der Erdbebenstation Bensberg im Gelände die Spuren eines Bebens, das sich um das Jahr 800 ereignet hat und möglicherweise die Stärke 6,4 erreichte. Im Jahr 1756 gab es laut alten Aufzeichnungen ein stärkeres Beben in Düren.

In Bonn und Umgebung schreckten viele Menschen am 13. April 1992 um 3.20 Uhr aus dem Schlaf. Mit einer Stärke von 5,9 war das Erdbeben weit über sein Epizentrum bei Roermond zu spüren. Etwa 30 Menschen wurden verletzt, zahlreiche Gebäude und Autos beschädigt.

„Die Risiken durch Erdbeben werden durch die Bevölkerung in unserer Region unterschätzt“, meint der Bonner Geograf Lothar Schrott. Der Professor leitet den Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management an der Universität Bonn. Er fordert, bereits in Schulen müsse das richtige Verhalten in Katastrophenfällen wie Erdbeben vermittelt werden. Zwar sei das Risiko in Deutschland deutlich geringer als in anderen Ländern. Doch gerade ein einmaliges Großereignis könne massive Schäden verursachen. „Nach 30 Jahren ist eine Naturkatastrophe in der Regel nicht mehr im Gedächtnis verankert,“ sagt er – für Erdbebenforscher ein lächerlich kurzer Zeitraum.

Für den Bonner Geografen gehört eine gewisse Grundsicherung auch privat dazu: „Lebensmittel, Kerzen und ein Radio mit Batterien habe ich natürlich immer zu Hause“, sagt Schrott.

In Deutschland sind es hauptsächlich Experten, die sich mit den Gefahren durch Erdbeben auseinandersetzen. Für die knapp 35.000 aktiven Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) gehöre die Bergung aus Trümmern zur Grundausbildung, sagt Martin Zeidler, Referatsleiter Grundsatz der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk in Bonn. Dazu komme eine Spezialeinheit des THW für Auslandseinsätze bei Erdbeben.

Die Helfer übten unter anderem in speziell dafür gebauten Trümmerhäusern aber auch in Abbruchgebieten wie den verlassenen Dörfern in den Braunkohlegebieten oder verlassenen Kasernen. „Das Rheinland gehört zu den Erdbebengebieten“, sagt Zeidler, deshalb beschäftigen sich hier auch verstärkt THW-Ortsvereine mit dem Thema.