Todesstrafe in den USA

Hinrichtung mit neuem Giftcocktail löst Kontroverse aus

Hingerichtet: Der Mörder Dennis McGuire.

WASHINGTON. Es war ein Experiment am todgeweihten Subjekt. Und wenn man den Schilderungen von Alen Johnson Glauben schenkt, der mit angesehen hat, wie Dennis McGuire am Donnerstagmorgen um 10.53 Uhr (Ortszeit) starb, dann muss es eine der grausigsten Hinrichtungen gewesen sein, die die USA seit Langem erlebt haben.

Der wegen des Mordes an einer Schwangeren zum Tode verurteilte 53-Jährige stieß während des 24 Minuten langen Todeskampfes in der Haftanstalt von Lucasville im US-Bundesstaat Ohio "schnarchende, schnaubende Laute aus", schreibt der Reporter des "Columbus Dispatch", und "schnappte mehrfach laut nach Luft". McGuires Anwalt verglich die Methode mit Folter, sein Mandant sei auf staatliche Anordnung erstickt worden, und kündigte Klage an.

Weil die Vorräte an Thiopental und Pentobarbital, die Todeskandidaten meist in einem dreistufigen Verfahren gespritzt bekommen, aufgebraucht sind und sich Zulieferländer wie England und Dänemark weigern, Nachschub zu schicken, hat Ohio an McGuire einen vorher noch nie in den USA getesteten Medikamentencocktail ausprobiert.

Einen, von dem Elisabeth A. Semel, Expertin für Fragen zur Todesstrafe an der Universität Berkeley in Kalifornien, vorher sagte, dass "niemand wissen kann, wie qualvoll das Sterben damit ist". McGuire wurde ein Gemisch aus Midazolam, ein Beruhigungsmittel, und Hydromorphon, ein Schmerzmittel, verabreicht, das den Einschläferungsprozess offensichtlich über Gebühr in die Länge gezogen hat.

Allen Bohnert, McGuires Pflichtverteidiger, erkennt darin einen Verstoß gegen die Verfassung, die "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" auch bei Todeskandidaten verbietet. "Die Menschen in Ohio sollten entsetzt darüber sein, was heute in ihrem Namen getan wurde", sagt Bohnert.

Was in Ohio geschehen ist, wo knapp 130 Männer und Frauen in Todestrakten sitzen, kann sich in den restlichen 31 Bundesstaaten, die die Todesstrafe noch im Strafenkatalog haben, künftig auch passieren. Allerorten herrscht nach Erkenntnissen von Richard Dieter vom Informationszentrum für Todesstrafe ein akuter Nachschubengpass. So erklärt sich die Organisation den Rückgang der vollstreckten Todesstrafen in den USA im vergangenen Jahr: 39, die Hälfte davon in Texas. 2012 waren es noch 43.

Weil Pharma-Unternehmen ihre Produkte aufgrund des öffentlichen Drucks nicht mehr als Hinrichtungsgifte zur Verfügung stellen wollten, unternehmen immer mehr Justizbehörden fragwürdige Experimente. So hat der Bundesstaat Missouri jenes Medikament für Hinrichtungen zuzulassen, an dem Popstar Michael Jackson starb: Propofol, ein Anästhetikum und Schlafmittel. Die lange Zeit geübte Gabe von Schlafmitteln, die bewusstlos machen, Lähmungsmitteln, die das Muskelzucken unterdrücken, und schließlich Kaliumchlorid, damit das Herz zu schlagen aufhört, hat mangels Material zunehmend ausgedient.

Wo das Ende dieser Entwicklung sein wird, ist nicht abzusehen. In Utah sieht die Rechtslage den Einsatz von Erschießungskommandos vor. In Arkansas wäre theoretisch der Rückgriff auf den elektrischen Stuhl möglich. Beide Methoden, sagen Experten, würde der Obersten Gerichtshof verhindern. Wegen übergroßer Grausamkeit.

In Ohio hält sich, zumindest im Umfeld der jungen Frau, die Dennis McGuire 1989 vergewaltigte, bevor er ihr die Kehle durchschnitt, die Kritik an dem neuen Giftcocktail in Grenzen. McGuires Tod sei in hohem Maße human gewesen, schreibt ein Leser des "Columbus Dispatch", "im Vergleich zu dem Martyrium, das die damals 22 Jahre alte und im achten Monat schwangere Joy Stewart erleben musste".