Ost-West-Gefälle

Erstmals mehr als 83 Millionen Einwohner in Deutschland

Erstmals leben mehr als 83 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.

Erstmals leben mehr als 83 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.

27.06.2019 Wiesbaden. Noch nie lebten in der Bundesrepublik so viele Menschen wie im vergangenen Jahr. Vor allem junge Zuwanderer trugen dazu bei. Doch auch sie können einen anderen Trend nicht verhindern: Die Bevölkerung wird immer älter.

Mit gut 83 Millionen Menschen hat Deutschland so viele Einwohner wie nie zuvor - gleichzeitig altert die Bevölkerung trotz junger Zuwanderer im Durchschnitt unaufhaltsam.

Zu diesen Ergebnissen kommt das Statistische Bundesamt in seinen in Berlin und Wiesbaden vorgestellten Auswertungen und Vorausberechnungen. Im vergangenen Jahr wuchs die Bevölkerung demnach um 227.000 Bürger oder 0,3 Prozent auf exakt 83,0192 Millionen Menschen zum Jahresende. Das Durchschnittsalter der Menschen in Deutschland lag 2018 mit 44 Jahren um 5 Jahre höher als 1990.

Grund für das Bevölkerungswachstum sei, dass 2018 nach vorläufigen Ergebnissen 386.000 Menschen mehr zu- als abwanderten und zugleich die Zahl der Sterbefälle die der Geburten um 167.000 überstieg. Das Wachstum fiel aber geringer aus als in den Vorjahren: 2017 hatte es 271.000 betragen, im Jahr zuvor 346.000. Der Ausländeranteil stieg von 11,7 auf 12,2 Prozent. Ende 2018 lebten 72,9 Millionen deutsche und 10,1 Millionen ausländische Bürger (plus 4,2 Prozent) in Deutschland.

Die Zahlen zeigen den Angaben zufolge weiterhin ein Ost-West-Gefälle. Mit Ausnahme des Saarlands wuchs die Bevölkerung in allen westlichen Bundesländern, in den neuen Bundesländern ohne Berlin gab es dagegen nur in Brandenburg ein Plus.

Dass sich dieser Trend fortsetzt, halten die Statistiker für wahrscheinlich. Die Bevölkerung werde zukünftig "in den ostdeutschen Ländern voraussichtlich deutlich abnehmen, während sie in den westdeutschen Flächenländern stabil oder nur leicht rückläufig sein und in den Stadtstaaten wachsen wird".

Insgesamt berechneten die Experten vom Statistischen Bundesamt, dass die Bevölkerung in Deutschland noch mindestens bis zum Jahr 2024 wachsen, aber spätestens nach 2040 wieder abnehmen könnte. Bei einer moderaten Entwicklung der Geburtenzahl und der Lebenserwartung würde der Spitzenwert im Jahr 2024 bei 83,7 Millionen Einwohnern liegen.

Trotz der ungewöhnlich starken Zuwanderung vor allem junger Menschen in den vergangenen Jahren sieht das Statistische Bundesamt in seinen Vorausberechnungen kaum noch Chancen, die Alterung der Bevölkerung aufzuhalten. Schon heute sei jeder Zweite in Deutschland älter als 45 Jahre und jeder Fünfte älter als 66 Jahre.

Die Statistiker gehen davon aus, "dass auch eine steigende Geburtenhäufigkeit und eine dauerhaft hohe Nettozuwanderung die Alterung lediglich abbremsen und nicht verhindern können". In 30 Jahren wird demnach etwa jeder Zehnte in Deutschland mindestens 80 Jahre alt sein.

Vor allem die sogenannte Babyboom-Generation trägt laut Bundesamt zu dieser Entwicklung bei. Zwischen 1955 bis 1970 wurden in Deutschland besonders viele Menschen geboren, die sich nun der Rente nähern. Das dürfte zukünftig Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben: Im Jahr 2018 waren in Deutschland 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren. Bis zum Jahr 2035 wird die erwerbsfähige Bevölkerung den Berechnungen zufolge um rund 4 bis 6 Millionen auf 45,8 bis 47,4 Millionen schrumpfen. Die Statistiker weisen darauf hin, dass es ohne Zuwanderung bereits bis 2035 rund 9 Millionen Menschen weniger im Erwerbsalter geben würde.

Die langfristigen Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes sind keine Prognosen. Sie zeigen lediglich, wie sich die Bevölkerung und deren Struktur unter bestimmten Bedingungen verändern würden. Die Statistiker sprechen von "Wenn-Dann-Aussagen". Für ihre Berechnungen legen sie Beobachtungen und Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und zur Migration zugrunde. (dpa)