Durchsuchungen in Bonn und Siegburg

Eine Festnahme bei Razzia gegen irakische Rocker

22.05.2019 Essen. In elf Städten, darunter auch Bonn und Siegburg, hat die Polizei Räume von Mitgliedern einer irakischen Rockerorganisation durchsucht. Es gab eine Festnahme, insgesamt 34 Verdächtige und zahlreiche beschlagnahmte Beweismittel.

Hunderte Polizisten sind am Mittwochmorgen mit einer Großrazzia in Nordrhein-Westfalen gegen die irakische Rockerorganisation „Al-Salam-313“ vorgegangen. Der Einsatz richte sich gegen 34 Beschuldigte der Organisation, sagte eine Sprecherin der Essener Polizei, die die Razzia gemeinsam mit der Essener Staatsanwaltschaft leitet. Den Mitgliedern wird unter anderem Waffenhandel und Schleuserkriminalität vorgeworfen.

Die Polizei nahm eine Person fest, hieß es am Mittag. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte in Düsseldorf vor Journalisten zudem, nun müssten die zahlreichen beschlagnahmten Beweismittel ausgewertet werden, um den Verdacht gegen die insgesamt 34 Tatverdächtigen zu prüfen. Insgesamt seien 49 Objekte von etwa 800 Polizisten durchsucht worden.

Laut Reul handelt es sich bei den Verdächtigen um Iraker und Syrer. Die betroffene Gruppe Al-Salam-313 sei öffentlich nicht sonderlich bekannt, der Polizei sei sie aber seit längerem bekannt. Es handle sich um eine Art Clan. Die Razzia sei über Monate vorbereitet worden. "Das ist kein Schnellschuss", sagte Reul. Den Ermittlern sei "ein erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität" gelungen. Ob die Gruppe auch außerhalb von Nordrhein-Westfalen aktiv sei, wisse er nicht.

Gegen die Gruppe werde seit geraumer Zeit ermittelt, sagte ein Sprecher der Polizei. Neben dem Handel mit Waffen und Betäubungsmitteln gehe es vor allem um gefälschte Ausweise und Sprachzertifikate sowie um Schleuserkriminalität. Haftbefehle seien bislang nicht vollstreckt worden, sagte der Sprecher.

Der Schwerpunkt des Einsatzes lag laut Polizei im Raum Köln und im Ruhrgebiet. Neben Köln und Essen durchsuchte die Polizei Objekte in Bonn, Dortmund, Duisburg, Heiligenhaus, Hünxe, Krefeld, Olpe, Siegburg und Velbert. Seit 5.00 Uhr beteiligten sich mehrere Hundert Einsatzkräfte an der Großrazzia. An den Durchsuchungen waren nach Polizeiangaben auch Spezialeinheiten und Fahnder des Staatsschutzes beteiligt.

Vor allem das Ruhrgebiet steht seit Monaten im Mittelpunkt größerer Polizeiaktionen. Erst Mitte Januar hatte es dort eine Großrazzia mit 1300 eingesetzten Polizisten gegeben. Der Einsatz richtete sich vor allem gegen Clankriminalität in dem Ballungsraum.

Das Treiben von rund 50 Clans in Nordrhein-Westfalen - darunter türkisch- und libanesischstämmigen - besorge ihn „extrem“, sagte Innenminister Reul im vergangenen Dezember. „Sie erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat.“ (dpa/afp)