Alternativen zum Silvester-Brauch

EU verbietet ab 2018 Bleigießen

So geht's: Den Löffel mit dem Bleiklumpen in die Flamme halten, schmelzen und ins Wasser gießen.

Viele Jahre ein traditioneller Silvester-Brauch: Bleigießen. Eine neue EU-Richtlinie verbietet dieses jedoch ab 2018.

Bonn. Wer schon jetzt Silvesterpläne für 2018 schmiedet, muss umdenken: Denn ab dem neuen Jahr verbietet die EU das traditionelle Bleigießen europaweit. Wir verraten, welche Alternativen es gibt, um dennoch mit einem Orakel in die Zukunft schauen zu können.

Eine neue Richtlinie der Europäischen Union besagt, dass der Brauch des Bleigießens ab dem kommenden Jahr der Vergangenheit angehört: Das Metall, das für das Bleigießen verwendet wird, gilt laut der neuen Chemikalienverordnung der EU als zu giftig. Obwohl schon seit vielen Jahren von dem Gebrauch der kleinen Bleifiguren zum Vorhersagen der Zukunft für das neue Jahr abgeraten wird, nutzt der Großteil der Bevölkerung diesen Brauch immer wieder am Silvesterabend.

Doch in diesem Jahr ist es das letzte Mal, dass die kleinen Bleifiguren über einer Kerzenflamme geschmolzen, dann zum Abkühlen in ein Wasserbad geworfen werden und aus den exotischen Bleigebilden die Zukunft vorhergesagt wird. Das hat eine neue Richtlinie der European Chemicals Agency (ECHA) der Europäischen Union laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschlossen.

Das Verbot soll ab April 2018 in Kraft treten und von dann an alle Produkte verbieten, die mehr als 0,3 Prozent Blei enthalten. Laut der Stiftung Warentest haben die meisten Bleifiguren einen Anteil von bis zu 71 Prozent Blei. Also deutlich höher als zugelassen.

Warum ist Bleigießen giftig?

Schon eine geringe Menge Blei gilt laut des Umweltbundesamtes und der Stiftung Warentest als gefährlich. So können erhebliche Gesundheitsrisiken entstehen, wie beispielsweise Schäden des Nervensystems, der Nieren, des Gehirns und der Leber. Auch Intelligenz-, Aufmerk­samkeits- und Reaktions­leistungen sind laut der Stiftung Warentest gefährdet.

Beim Erhitzen des Metalls entstehen laut Experten giftige Bleioxide, die über die Atemwege in den Körper gelangen. Auch das Berühren der Bleifiguren genügt, um die giftigen Bleioxide aufzunehmen. Denn die Überbleibsel an den Händen – insbesondere bei Kindern – können schnell in den Mund gelangen.

Gibt es Alternativen zum Bleigießen?

Traditions- und Brauchtumsfans können jedoch aufatmen: Denn dank Alternativen zum Bleigießen bleibt die Zukunft weiterhin vorhersehbar. Die Stiftung Warentest empfiehlt beispielsweise Guss-Sets aus Kerzenwachs. Dieses ist silbern gefärbt, sodass es den altbekannten Bleifiguren zum Verwechseln ähnlich sieht. Zwar räumt die Stiftung Warentest ein, dass es bei dieser Alternative etwas schwieriger ist, die Wachsfiguren unzerbrochen aus dem Wasserbad zu holen, versichert dennoch traditionelles Bleigieß-Gefühl.

Als weitere Alternativen nennen die Experten Zinn, allerdings nur sogenanntes Reinzinn, da andere Varianten ebenfalls Blei enthalten. Dieses ist ebenso wie das Wachs zerbrechlicher als Blei, schmilzt dafür aber sogar noch schneller über der Kerzenflamme, als das giftige Metall.

Wer auf einem anderen Weg die Zukunft mit einem Orakel vorhersagen möchte, könnte sich mit Kartenlegen oder Kaffeesatzlesen probieren. Denn das ist mit Sicherheit bleifrei. Also heißt es: Nicht den Kopf hängen lassen, denn neben dem alternativen Bleigießen gibt es unzählige weitere Silvester-Bräuche, die beim Jahreswechsel nicht fehlen dürfen.