Geschichte der Bürgerrechtsbewegung

Donald Trump bei Museumseröffnung in Mississippi unerwünscht

Führung durch das neue Museum in Jackson: US-Präsident Donald Trump.

Führung durch das neue Museum in Jackson: US-Präsident Donald Trump.

Jackson. Aus Sorge vor Ausschreitungen wurde US-Präsident Donald Trump bei der Eröffnung eines Museums über die Bürgerrechtsbewegung zur Nebenrolle degradiert.

„Verschwinde vom Bürgersteig! Weißt Du nicht, wo Du hingehörst?“. Wer im nagelneuen Museum der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in Jackson am Eingang nach rechts geht, kriegt einen Schreck. Die kasernenhofartige Stimme eines Polizisten kommt aus dem Nichts. Im Teppichboden eingenähte Sensoren lassen den Besucher körperlich spüren, wie Rassentrennung einst funktioniert hat. Noch größer wird der Kloß im Hals, wenn im neuen Schatzkästlein der Hauptstadt des US-Bundesstaates Mississippi die schwarzen Stelen erreicht sind. Auf ihnen mit Namen und Todestag: über 600 schwarze Opfer von Lynchmorden.

Wenn überhaupt, dann hat US-Präsident Donald Trump bei seinem 40-minütigen Speed-Dating mit der Geschichte davon am Samstag nur Bruchteile mitbekommen. Ikonen der Bürgerrechtsbewegung und Jacksons schwarzer Bürgermeister Chokwe Antar Lumumba hatten wegen Trump ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten zur Eröffnung des landesweit einmalig mit 90 Millionen Dollar Steuergeld finanzierten Komplexes abgesagt.

Trump äußert Bewunderung für Martin Luther King

Weil auch Amerikas einflussreichste Schwarzen-Organisation NAACP Trumps Besuch verurteilte, da er „weiße Rassisten hofiert“ habe, wuchs bei den Veranstaltern um Gouverneur Phil Bryant die Sorge vor hässlichen Szenen – sollte Trump, wie zunächst geplant, öffentlich zum festlichen Ereignis sprechen. Und so lotste man den Präsidenten der Vereinigten Staaten abseits der Fernsehkameras und Mikrofone quasi durch die Hintertür ins Heiligste.

Während draußen bei strahlend blauem Himmel und Südstaaten-untypischen Minustemperaturen emotionale Reden gehalten wurden, machte Trump eine Stippvisite im Museum. Er sprach sieben Minuten lang mit ernster Miene vor handverlesenen Funktionären, Geldgebern und Leuten wie Hezekiah Watkins über die „Männer und Frauen“, die damals „so viel geopfert haben“, damit andere in Freiheit leben konnten. Der 70-jährige Watkins wurde in den 1960er Jahren über 100 mal für sein bürgerrechtliches Engagement inhaftiert und sogar in die Todeszelle gesteckt. Trump das Feld zu überlassen, kommt für ihn nicht infrage. „Ich habe seit über 60 Jahren für dieses Haus gekämpft, das lasse ich mir von niemandem zerstören“, sagte er dieser Zeitung.

Was der Präsident ohne Abschweifungen vom Blatt ablas, fand Watkins später „würdig genug“. Wenngleich auch überraschend. So nannte der bekennende Nicht-Leser Trump die Bürgerrechts-Ikone Martin Luther King einen „Mann, den ich mein ganzes Leben studiert und bewundert habe“. Wenn das so ist, sagt Marlon Jessup, der aus Chicago anreiste, „warum spürt man davon so wenig im Regierungsalltag?“.

Unterstützung für umstrittenen Kandidaten

Vor der am Dienstag landesweit beachteten Wahl im Nachbarbundesstaat Alabama für einen strategisch äußerst wichtigen Sitz der Republikaner im Senat stützt der Präsident in Kandidat Roy Moore jedenfalls nicht nur einen des mehrfachen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigten Ex-Richter. Sondern auch einen Mann, der Ende September auf einer Wahlkampfveranstaltung „Amerikas beste Zeit“ nachweisbar auf die Jahre der Sklaverei zurückdatierte, „weil unsere Familien damals stark waren und das Land eine Richtung hatte“.

Ein „furchtbarer Affront“, sagte dazu ein älteres Ehepaar, das am Samstag mit feuchten Augen vor dem Museumsabschnitt stand, der mit viel Liebe zum Detail Michael Schwerner, James Chaney und Andrew Goodman gewidmet ist. Die drei Aktivisten wollten im Sommer 1964 in Mississippi die Registrierung afroamerikanischer Wähler vorantreiben. Mithilfe des Sheriffs und des Ku-Klux-Klans wurden sie damals in Philadelphia, 80 Meilen östlich von Jackson, verschleppt, erschossen und verscharrt. „Mississippi Burning“, der Hollywood-Film mit Gene Hackman und Willem Dafoe, erzählt davon. In Jackson kann man die echten Opfer und ihre eindrucksvolle Geschichte kennenlernen.