Bonn-Center wird gesprengt

Diese NRW-Gebäude wurden zuletzt gesprengt

Im Dezember 2003 wurde das Konrad-Adenauer-Haus in Bonn-Gronau gesprengt.

Bonn. Zuletzt das Konrad-Adenauer-Haus in Bonn-Gronau, zuvor der Kaiserbau in Troisdorf und bald das Bonn-Center: In vielen NRW-Städten krachte es in den vergangenen Jahren. ga-bonn.de zeigt die berüchtigtsten Gebäudesprengungen.

Es lärmt, staubt und kracht: Gebäudesprengungen sind Ereignisse, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen, nicht selten erhitzen sie die Gemüter. Denn an den alten Bauwerken hängen viele Erinnerungen: Bewohner haben hier ihre Kinder aufwachsen sehen, Berufstätige gingen täglich ein und aus, Politiker regelten die Geschicke des Landes. Es wurden Feste gefeiert und Tränen vergossen.

In Bonn wird es voraussichtlich am 19. März erneut zu einer großen Sprengung kommen. Das Bonn-Center soll so dem Erdboden gleich gemacht werden. Die letzte große Sprengung in Bonn ist bereits 14 Jahre her. Das Konrad-Adenauer-Haus im ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertel an der Friedrich-Ebert-Allee in Gronau stürzte am 14. Dezember 2003 ein. Damit hatte Bonn ein geschichtsträchtiges Gebäude weniger. Von 1972 bis 2000 fungierte das Konrad-Adenauer-Haus als Sitz der Bundesgeschäftsstelle der CDU.

Zweieinhalb Jahre vorher erregte eine Sprengung in Troisdorf großes Aufsehen: Der Knall im Kaiserbau läutete das Ende einer Ära ein. 20.000 Menschen wohnten dem Ereignis am 13. Mai 2001 bei. Das einst als größtes Hotel in Westdeutschland gedachte Gebäude blieb Zeit seines Lebens unfertig - und wurde für ein paar junge Menschen aus Troisdorf und Umgebung, die selbsternannte "Kaiserbau-Generation", ein Ort, an dem sie Partys feiern und sich künstlerisch ausleben konnten.

Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte es in Bonn-Beuel auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik gekracht. Zwei Silos und ein Turm mussten im Zuge der Abrissarbeiten weichen. Übrig geblieben sind nur die Direktorenvilla, die Rohmühle und der Wasserturm. Inzwischen hat sich das Fabrikareal zum Businesspark mit gläsernen Bürogebäuden und dem Kameha Hotel gewandelt.

Wenn Legenden zerfallen

Das Land Nordrhein-Westfalen musste sich in der Vergangenheit von Bauwerken trennen, die lange Zeit als richtige Wahrzeichen galten. Im Jahr 2004 verlor die Stadt Hagen ein solches Symbol: Der Lange Oskar, ein 98 Meter hohes Bürogebäude in der Hagener Innenstadt, wurde am 7. März gesprengt. Im November 1975 war er eingeweiht worden. Der Lange Oskar gehörte der Sparkasse Hagen - seinen Spitznamen hatte das Hochhaus vermutlich durch den damaligen Sparkassendirektor Oskar Specht erhalten.

Mit der Sprengung des letzten Hochofens verabschiedete sich das Krupp-Hüttenwerk in Duisburg-Rheinhausen im September 2000 endgültig. Nach mehr als 100 Jahren war das Werk 1993 stillgelegt worden. Nach und nach wurde es abgerissen, im Jahr 2000 wurden dann die letzten beiden Hochöfen gesprengt.

Ein Jahr später, im Februar 2001, fiel auch in Rheinberg ein Industriegebäude in Schutt und Asche. Die Textilfabrik von Herbert Reichel, in der in Hochzeiten 2000 Menschen in Schichten arbeiteten, wurde schließlich gesprengt, nachdem sie in den 70er Jahren unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelitten und Unternehmer Reichel sie 1976 aufgegeben hatte.

Im Zuge seines Rückbaus musste sich im August 2008 das Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen von zweien seiner Kühltürme trennen. Nachdem die Blöcke G und H in den Jahren 2001 und 2003 stillgelegt worden waren, konnten die nördlich stehenden Kühltürme nicht mehr genutzt werden, weshalb sie einige Jahre später gesprengt wurden. Einst gehörte das Kraftwerk zu den leistungsstärksten Steinkohlekraftwerken Europas.

Ähnliches Sprengverfahren für Bonn-Center geplant

Ein weiterer Gigant, dieses Mal in Frankfurt am Main, wurde im Februar 2014 von Sprengexperten dem Erdboden gleich gemacht. Das Sprengverfahren, das für das Bonn-Center geplant ist, ähnelt offenbar dem des 116 Meter hohen AfE-Turms. In Frankfurt wurden damals 950 Kilogramm Sprengstoff in 1400 Bohrlöcher gefüllt. Bei einer ersten Sprengung stürzte das Betonskelett des Gebäudes ein, dann wurde der Gebäudekern durch zwei Sprengungen in unterschiedlichen Stockwerken getrennt. Dadurch fielen der obere und der untere Teil des Hauses in verschiedene Richtungen. Bisher wurde in Europa kein höheres Gebäude gesprengt als der AfE-Turm. Dieser hatte bis März 2013 Büros und Seminarräume der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität beheimatet. AfE stand ursprünglich für "Abteilung für Erziehungswissenschaft", diese zog jedoch nie in das Hochhaus ein.