Korruptionsskandal auf Mallorca

Der Pate vom Ballermann ist in Haft

Palma/Madrid. Einer der schillerndsten Unternehmer der Partyszene auf der Insel soll Strippenzieher bei der Bestechung von Politikern und Polizisten gewesen sein.

Untersuchungsrichter Manuel Penalva erklärte den Fall zur Geheimsache, weil die Ermittlungsergebnisse des Korruptionsskandals auf Mallorca brisant sind: Es geht um Bestechung von Politikern, Polizisten und Behördenmitarbeitern, die mit Geld, Geschenken und Sexpartys entlohnt worden sein sollen.

Und es geht um die Vorherrschaft auf der Vergnügungsmeile an der berühmten Playa de Palma, wichtigste Hochburg des Massentourismus einige Kilometer östlich der Inselhauptstadt Palma. An dieser „Ballermann“-Meile, an der sich viele Partylokale befinden, wird offenbar mit Mafia-Methoden um die Macht und um das Millionengeschäft mit den Touristen gekämpft.

Nach jahrelangen Ermittlungen wurde jetzt der wohl schillerndste Unternehmer der Partyszene festgenommen: Bartolomé „Tolo“ Cursach, der über ein Imperium aus Biergärten, Diskotheken, Restaurants, Fitnesscenter und Hotels regiert, steht unter Verdacht, einer der Strippenzieher des Korruptionsnetzes gewesen zu sein.

Sein Einfluss war nach Einschätzung der Ermittler so groß, dass Kommunalpolitiker, Lokalpolizisten und die für Lizenzen zuständigen Verwaltungsbeamten offenbar nach seiner Pfeife tanzten. In der Szene hat Cursach, der mit seinem Partyimperium Millionen scheffelte, den Ruf, eine Art „Pate“ des mallorquinischen Nachtlebens zu sein. Polizisten durchsuchten nun den bekanntesten Vergnügungstempel des Unternehmers, den Megapark mitten im Ballermann-Viertel. Auch andere Eta-blissements wurden unter die Lupe genommen. Zusammen mit Cursach wurden zwei seiner engsten Mitarbeiter festgenommen.

Schon länger wird gegen etliche Polizisten, darunter mehrere führende Beamte, ermittelt. Einige sitzen sogar in Haft. Auch ehemalige Spitzenpolitiker, vor allem aus den Reihen der konservativen Volkspartei, die bis 2015 in der Inselhauptstadt Palma regierte, stehen unter Verdacht.

Lokalpolitiker und Polizisten mit Sex-Diensten belohnt

Je länger sich Untersuchungsrichter Penalva in den Fall kniet, um so mehr Skandalöses kommt ans Tageslicht. Zum Beispiel dies: Polizisten und Lokalpolitiker sollen mit Gratis-Sexdiensten dafür belohnt worden sein, dass es in bestimmten Etablissements nie Kontrollen der Behörden gab. Während andere Biergärten, Diskotheken und Nachtbars, deren Besitzer nicht im Korruptionsring mitmachten, mit Auflagen und Sanktionen schikaniert wurden.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder auf die Rockergruppe Hells Angels, die sich offenbar ebenfalls in Mallorcas Nachtmilieu breitmachen wollte. Gegen die Rocker, die vor allem im Prostitutionsgeschäft mitgemischt haben sollen, ging die Polizei bereits 2013 vor. Als Hauptbeschuldigter gilt der deutsche Ex-Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth, der in Spanien immer noch auf seinen Prozess wartet.