Hotel statt Großdisco?

Dem Megapark auf Mallorca droht der Abriss

Herzstück des Cursach-Imperiums: Der Megapark auf Mallorca.

Herzstück des Cursach-Imperiums: Der Megapark auf Mallorca.

PALMA DE MALLORCA. Der berühmt-berüchtigte Partytempel Megapark auf Mallorca öffnete ohne offizielle Genehmigung. Jetzt ist die Großdisco, deren Betreiber seit Monaten in U-Haft sitzt, in der Diskussion: Ein Investor würde auf dem Gelände gerne ein Luxushotel errichten.

Es wirkte ein bisschen wie eine Trotzreaktion – ganz so, als wolle man der Öffentlichkeit zeigen: Ja, die Party geht auch 2018 weiter. Rund zwei Wochen früher als geplant ist der vor allem bei deutschen Mallorca-Touristen beliebte Partytempel Megapark am Freitag vergangener Woche in die neue Saison gestartet. Dabei rumort es im Hintergrund kräftig.

Im Rathaus der Inselhauptstadt füllt der Fall Megapark etliche Aktenordner. Es geht unter anderem um vermeintlich fehlende Lizenzen für die Großraumdisco, um seinen zwielichtigen Chef und auch um die bei vielen Mallorquinern und Stadtvertretern wenig beliebten Besucher des Megaparks, die mit Saufgelagen in der Vergangenheit für unschöne Szenen an der Playa de Palma gesorgt haben.

Der Chef der betreibenden Cursach-Gruppe und „Pate von Mallorca“, Bartholomé Cursach, sitzt seit Monaten wegen Bestechung, organisierter Kriminalität, Erpressung und Steuerbetrug in Untersuchungshaft. Aktuell muss er sich wegen illegalen Waffenbesitzes vor Gericht verantworten. Sein Imperium aus Biergärten, Diskotheken, Restaurants, Fitnesscentern und Hotels auf Mallorca droht seither zu zerbrechen. Denn einige seiner Läden sind wegen der laufenden Ermittlungen seit Monaten von den Behörden dicht gemacht – darunter die größte Disco der Insel, das BCM in der besonders bei Briten beliebten Partyhochburg Magaluf.

Der Megapark ist das Filetstück der Cursach-Unternehmen. Im Sommer feiern dort bis zu 16 000 partywütige Urlauber – und das täglich. Rund 60 Prozent des Umsatzes des gesamten Cursach-Imperiums werden dort erwirtschaftet. Etwa 500 Personen sind in der Saison nach Unternehmensangaben im Megapark beschäftigt.

Doch mit der Partystimmung könnte womöglich trotz der vorgezogenen Eröffnung schon bald Schluss sein: Das Baudezernat von Palma prüft derzeit die rechtliche Situation des Tanztempels. Der Megapark hatte zu Beginn seiner Betriebstätigkeit zwei Geschäftsaktivitäten beim Rathaus angemeldet – und zwar für die Diskothek und das Restaurant (ohne Musik). Tatsächlich existierten im Megapark ursprünglich zwei verschiedene Räumlichkeiten, eben ein Restaurant und eine Disco. Diese wurden später durch bauliche Maßnahmen aber einfach zusammengelegt – und das laut Rathaus ohne Baugenehmigung.

Dem Partytempel könnte ein Hotel folgen

Ein 2015 eingereichter Antrag der Megapark-Betreiber für die Zusammenlegung der Betriebsgenehmigungen wurde bis heute abgelehnt. Damit existiert nach Meinung der Stadt keine ordnungsgemäße Rechtslage. Und das könnte dem Partytempel, in dem regelmäßig Ballermannstars wie Jürgen Drews oder Mickie Krause auftreten, nun zum Verhängnis werden. Im Raum steht ein möglicher Entzug der Betriebsgenehmigung – und damit der finanzielle Ruin des gesamten Unternehmens. Vorsorglich hat die Cursach-Gruppe vor wenigen Tagen schon einmal Vor-Konkurs angemeldet. Damit erhält man für den Fall der Fälle eine dreimonatige Verhandlungsfrist mit Gläubigern.

Angelockt von den Gerüchten um ein mögliches Aus des Megaparks haben laut der Zeitung „Ultima Hora“ kurz vor dem Wochenende gleich mehrere mallorquinische Hotelketten bereits ihr Interesse angemeldet, den Megapark zu kaufen, abzureißen und durch ein Hotel samt Luxus-Beachclub zu ersetzen. Auf dem Areal stand mit dem „Los Angeles“ einst schon einmal ein Hotel. Und bis heute ist das Grundstück für eine Hotelbebauung ausgewiesen. Das mögliche Ende des Megaparks setzen viele an der Paya de Palma auch direkt mit dem Ende des unbeliebten Sauftourismus gleich. Würde der Partytempel tatsächlich verschwinden, würde dies sicher auch das Image des gesamten Stadtteils aufbessern, mutmaßen die Kritiker des Ballermann-Tourismus.

Während die Megapark-Verantwortlichen weiter um die überlebenswichtigen Lizenzen kämpfen müssen und die Lokalität freilich derzeit nicht verkaufen wollen, könnte ein möglicher Hotelbetreiber für das Gelände in Höhe des Balnearios 5 indes sicher auf Unterstützung aus dem Rathaus setzen. Denn dort sehnt man ein Ende des lauten Partytreibens eher heute als morgen herbei.