Berühmte Kriminalfälle aus Bonn und Region Das wurde aus Bonns "Aktenzeichen XY"-Fällen

Seit 20 Jahren vermisst: Winfried und Doris Hagen.

Bonn. Vor 50 Jahren strahlte das ZDF die erste Folge von "Aktenzeichen XY" aus. Mehr als 4500 Kriminalfälle wurden seitdem in der Sendung behandelt. Viele der Verbrechen, die die Bonner Polizei beschäftigten und dort gezeigt wurden, sind bis heute ungelöst.

Am 19. August 1984 wurde an der heutigen Landstraße 281 bei Bornheim die Leiche der 20-jährigen Studentin Ulrike Hingkeldey aufgefunden. Die Bonnerin wurde ermordet. Der Täter ging mit äußerster Brutalität vor. Wer Ulrike Hingkeldey tötete, ist bis heute ein Rätsel. Mehr als 30 Jahre später stießen die Ermittler durch eine DNA-Untersuchung auf eine neue Spur: Der Mörder hat bereits zuvor eine Frau getötet.

Spätestens seitdem der Mord Ende April in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst"-Sendung behandelt wurde, ist wieder Bewegung in den Mordfall an einer Bonner Studentin vor 33 Jahren gekommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ermittler versuchen, in schwierigen Fällen aus der Region durch die TV-Ausstrahlung neue Impulse für die stockende Suche nach der Wahrheit zu erhalten. Einige wurden jedoch bis heute nicht aufgeklärt.

1 Grausiger Fund unter einem Lastwagen

Unter diesem gelben Lkw wurde der Säugling entdeckt.

Ein rumänischer Lkw-Fahrer findet am 15. Juli 2012 am Rastplatz Peppenhoven (A 61) bei Rheinbach einen toten Säugling unter seinem Lastwagen. Er informiert sofort die Polizei. Offenbar wurde der Junge kurz zuvor entbunden und dort abgelegt. Wie die Obduktion ergibt, ist das Baby getötet worden. Von der Mutter fehlt jede Spur.

Zwei Wochen später erweisen rund 150 Bürger dem Säugling die letzte Ehre, als er in Rheinbach zu Grabe getragen wird. Er erhält den Namen Adam. Bereits zehn Tage nach dem Fund des Säuglings wird der Fall in "Aktenzeichen XY" thematisiert. Rudi Cerne spricht von einem "unglaublich brutalen Fall von Kindstötung". Trotz vieler Hinweise: Ein Verdächtiger kann nicht ermittelt werden.

Zuletzt hatte die Bonner Polizei die Ermittlungen auf die Nachbarländer Belgien und Niederlande ausgeweitet. Bislang ohne Erfolg.

Aktueller Ermittlungsstand: ungelöst

Außerdem ging es in der Sendung um den Mord an einer 88-jährigen Troisdorferin. Die Seniorin wird im Oktober 2011 tot im Flur ihrer Wohnung an der Hans-Böckler-Straße gefunden. Einige Wochen zuvor hatte die Seniorin eine Kontaktanzeige aufgegeben und mehrere Antwortbriefe erhalten. Die Kripo geht von einer Beziehungstat aus, denn Geld und Schmuck der Frau wurden nicht angerührt.

Aktueller Ermittlungsstand: ungelöst

Schließlich präsentierte Moderator Rudi Cerne einen weiteren Fall aus der Region: 2011 dringen zwei als Postboten verkleidete und maskierte Männer in das Haus eines 82-jährigen Ippendorfers und seiner 83-jährigen Frau ein. Die Täter gehen äußerst brutal vor und erbeuten eine Geldkassette mit rund 10.000 Euro. Die Ermittlungen sind mittlerweile eingestellt. Laut Staatsanwaltschaft Köln sind zwar Verdächtige ermittelt worden, für eine Anklage habe es jedoch nicht gereicht. Die Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen

Aktueller Ermittlungsstand: ungelöst

Nach Streit mit den Eltern verschwunden

Rudi Cerne moderiert die Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst".

Nur zwanzig Hinweise gehen nach Ausstrahlung der Sendung, der Spezialausgabe „Wo ist mein Kind?“, vom 3. Juni 2010 bei den Ermittlern ein. Die Hoffnung, mit der die Eltern der vermissten Luljeta aus Mechernich in die Sendung gehen, erfüllt sich zunächst nicht. Mehr als ein Jahr lang fehlt da bereits von ihrer Tochter jede Spur.

Nach einem heftigen Streit mit den Eltern im Mai 2014 war ihre 13-jährige Tochter nicht mehr zu Hause aufgetaucht. Die hatten ihr zuvor verboten, ihren 20-jährigen Freund weiter zu treffen.

Aktueller Stand: aufgeklärt

Fall des Ehepaars Hagen: "Eines der größten Rätsel der Kriminalgeschichte"

Als eines der größten Rätsel der deutschen Kriminalgeschichte kündigte "Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne den Fall des Ehepaars Doris und Winfried Hagen aus Beuel in der Sendung vom 11. Juni 2014 an.

Am Nachmittag des 13. Juli 1994 verschwinden beide ohne jede Spur. Das Ehepaar will für eine Reise zu seiner Jacht in die Niederlande aufbrechen. Dort kommen die beiden aber nie an. Sind sie überhaupt aus ihrem Bonner Haus aufgebrochen? Rund 50 Hinweise gehen nach der Sendung bei den Ermittlern ein. Der entscheidende ist nicht darunter. Die Ermittler sind überzeugt, dass im Haus absichtlich falsche Spuren gelegt wurden, doch weder die Leichen des Ehepaars noch mögliche Kampfspuren wurden gefunden.

Aktueller Stand: ungelöst

Der Fall bei Aktenzeichen XY (ab Minute 25:20)

 

Der Fall Sandra D.: Eine unerwartete Wende

Prozess um den "Mord ohne Leiche": Der Angeklagte mit seinen beiden Verteidigern beim Prozessauftakt.

Nachdem der Fall der 2012 verschwundenen Sandra D. aus Eitorf durch die Sendung am 27. März 2013 bundesweite Aufmerksamkeit erhält, geht die Mordkommission mehr als 200 Spuren und Hinweisen nach - mit Erfolg, wie es zunächst scheint.

Dirk D. soll seine Ehefrau Sandra zunächst eine Treppe in ihrem Haus in Eitorf-Bach hinuntergestoßen und anschließend erwürgt haben. 2014 wird er wegen Tötung seiner Ehefrau vom Bonner Schwurgericht zu elf Jahren Haft verurteilt.

2015 dann die unerwartete Wende: Das Urteil wird aufgehoben, der Angeklagte freigesprochen. Der Grund: Der entscheidende Beweis ist nach Ansicht des Gerichts nicht erbracht worden: Die Leiche von Sandra D. ist bis heute nicht gefunden worden.

Aktueller Stand: ungelöst

Fall Sigrid Paulus: Erwürgt und einbetoniert

 

Großeinsatz in Ittenbach vor dem Haus der Vermissten.

Jahrelang glauben ein junger Mann aus Ittenbach und seine Schwester, ihre Mutter habe sie 2008 wortlos verlassen. Und auch nach der "Aktenzeichen XY"-Sendung vom 16. Oktober 2013 ergibt sich keine heiße Spur im Fall Sigrid Paulus. Was ist mit der damals 40-Jährigen geschehen? Bei seinem Auftritt in der Sendung mimt der Ehemann der Vermissten den Ahnungslosen.

Wenige Wochen später, als die Polizei eine Hausdurchsuchung bei dem 52-Jährigen durchführt, gesteht er das Unglaubliche: Der Familienvater hat Sigrid Paulus erwürgt und ihre Leiche im Keller einbetoniert. Das Urteil: acht Jahre Haft wegen Totschlags.

Aktueller Stand: aufgeklärt

Fall Daniel Schreiner: Am Randstreifen des Autobahnkreuzes Bonn-Nord zurückgelassen

War es ein Unfall? War es eine gezielte Straftat? Der 24-jährige Daniel Schreiner aus Hennef wird am 9. Januar 2011 am Rande des Autobahnkreuzes Bonn-Nord schwer verletzt aufgefunden. Er erleidet unter anderem ein Schädelhirntrauma. Was führte zu den schweren Verletzungen des Medizinstudenten?

Daniels Mutter tritt persönlich in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ auf. Mehr als 100 Hinweise erhalten die Ermittler aus der Region. Einige Anrufer sollen geäußert haben, die Tat könnte politisch motiviert gewesen sein, weil das Opfer eine Kappe mit der Aufschrift „Israel Defence Force“ trug. Bis heute ist das Rätsel um Daniel Schreiner jedoch nicht gelöst.

Aktueller Stand: ungelöst

Der Fall in Aktenzeichen XY (erster Filmbeitrag)

Fall Guodi Xuan: "Für zehn Tage im Urlaub"

Vermisst: Guodi Xuan ist heute 40 Jahre alt.

Guodi Xuan verlässt am 14. Juli 2010 ihre Wohnung. Für ihren Ehemann und die gemeinsame Tochter schreibt sie eine Notiz: Sie sei „für zehn Tage im Urlaub“. Seitdem wird Guodi Xuan, Deutsche chinesischer Abstammung aus Brühl, nicht mehr gesehen.  Ihr Fall wird im Oktober 2011 in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" vorgestellt.

Auch heute haben die Ermittler in der Vermisstensache Xuan keine neuen Erkenntnisse. „Das Verfahren wurde damals nach langwierigen Ermittlungen geschlossen, ohne dass die Vermisste entdeckt oder Anhaltspunkte für ein Tötungsdelikt zu ihrem Nachteil gefunden wurden“, teilt die Polizei Köln mit. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 02 21/ 22 90 entgegen.

Aktueller Stand: ungelöst

Fall Louise Kerton: Suizid, Opfer einer Sekte oder Gewaltverbrechen?

Dieses Foto von Louise Kerton wurde nach ihrem Verschwinden veröffentlicht.

Ein Mordfall im Vorfeld, ein ungewöhnlicher Brief, ein im Labor verwechselter Fotofilm - die Umstände des Verschwindens von Louise Kerton sind mysteriös.

125 Hinweise gehen in den Tagen nach Ausstrahlung in der "Aktenzeichen XY"-Sendung vom 6. Dezember 2002 eingegangen, doch das Schicksal der vermissten Britin, die sich kurz vor ihrem Verschwinden in Swisttal-Straßfeld aufgehalten hat, bleibt ungeklärt.

Eine Panne im Foto-Labor macht die Spuren, auf die die Ermittler ihre Hoffnung gesetzt hatten, zunichte. Während der Sendung zeigen sie Fotos, die angeblich aus Kertons Kamera stammen. XY-Moderator Rudi Cerne fragt: "Wer kann etwas zu den Personen auf den Fotos sagen?"

Wie sich anschließend herausstellt, gehören die Aufnahmen aber gar nicht Kerton. Sie waren im Fotolabor vertauscht worden. Am 30. Juli 2001 wird die 24-jährige angehende Krankenschwester am Aachener Hauptbahnhof zum letzten Mal gesehen. 180 Polizisten drehen auf der Suche nach der Leiche von Kerton jeden Stein um. Nach zehn Jahren hat die Aachener Staatsanwaltschaft 2011 die Suche nach der vermissten Engländerin beendet. Die Akte ist geschlossen.

Aktueller Stand: ungelöst

Fall Simone Dewenter: Tod auf dem Straßenstrich

Prostituierte warten an einem Straßenstrich auf Freier.

Am Sonntag, 29. Dezember 2002, wird die 30-jährige Simone Dewenter das letzte Mal gesehen. Auf dem Straßenstrich in Endenich steigt die fast gehörlose Prostituierte gegen 21.20 Uhr in einen weißen Transporter. Danach verliert sich ihre Spur. Am 1. Januar 2003 wird die Leiche der 30-Jährigen 150 Kilometer entfernt gefunden, in der Nähe von Trier. Sie liegt, nur mit einem T-Shirt bekleidet, neben einem kleinen Parkplatz an der Landstraße 141. Der Fall ist bis heute nicht geklärt - trotz Fahndung in "Aktenzeichen XY". Laut Polizei ist es wahrscheinlich, dass der Täter zum Tatzeitpunkt einen Bezug in den Raum Trier/Köln hatte oder immer noch hat.

Aktueller Stand: ungelöst

Fall Trudel Ulmen: Ein beinahe vergessenes Verbrechen

Eigenheim-Idyll: Der KAB-Ring in Rheinbach. Hier lebte die Arzthelferin Trudel Ulmen bis zum Tag ihres spurlosen Verschwindens im März 1996.

Weder die „Aktenzeichen XY“-Sendung im Jahr 1996, die Berichte in bundesweiten Medien noch die Amtshilfe des FBI bringen die Ermittler im Fall der vermissten Trudel Ulmen auf die richtige Spur. Beinahe wäre der Fall vergessen worden. Doch dann erscheint im General-Anzeiger ein Bericht, der alles ändert.

Ohne Argwohn stützt sich die Polizei zunächst auf die Aussage des damaligen Ehemanns. Der will drei Tage nach dem Verschwinden seiner Frau am 21. März 1996 einen Anruf seiner Frau erhalten haben: Sie sei wohlauf, sie habe ihn freiwillig verlassen. 16 Jahre lang hält diese Lüge stand. Bis zum 9. Januar 2012. Dann erscheint im General-Anzeiger der erste von mehreren Berichten über den mysteriösen Rheinbacher Fall. Die Bonner Kriminalpolizei nimmt die Ermittlungen wieder auf. Nach stundenlanger Vernehmung gesteht Trudel Ulmens damaliger Ehemann, seine Frau am Abend des 20. März 1996 im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem Kissen erstickt zu haben. Das Bonner Schwurgericht verhängt elf Jahre Haft.

Aktueller Stand: aufgeklärt

Fall Claudia Ruf: Wer tötete das elfjährige Mädchen?

Die elfjährige Claudia Ruf aus Grevenbroich wurde ermordet im Kreis Euskirchen aufgefunden.

Als Claudia Ruf am Samstag, 11. Mai 1996, nicht nach Hause zurückkehrt, alarmieren ihre Eltern sofort die Polizei. Sie hatte sich in ihrem Heimatort Hemmerden bei Grevenbroich mit dem Nachbarshund zu einem Spaziergang aufgemacht. Doch das Tier kehrte alleine zurück. Knapp zwei Tage später die traurige Gewissheit: Die Elfjährige wurde ermordert.

Ein Spaziergänger macht am Nachmittag des 13. Mai 1996 eine grausige Entdeckung. Auf einem Acker im Kreis Euskirchen entdeckt er die Leiche der elfjährigen Claudia Ruf. Ihre von Flammen angekohlte Leiche liegt unbekleidet auf einem Feld.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Claudia gewürgt oder erdrosselt und außerdem sexuell missbraucht wurde. Der Mörder hat das Mädchen offenbar mehrere Stunden festgehalten, bevor er es tötet. Erst danach, so glauben die Ermittler, bringt er das Kind zu dem Auffindeort in Euskirchen, vermutlich um die Leiche zu verbrennen.

Die Bonner Kriminalbeamten gehen daraufhin mehr als 2500 Spuren nach. Eine führt die Ermittler sogar nach Belgien. Dort sorgten zuvor die Morde von Marc Dutroux für Entsetzen. Auch in der Aktenzeichen-XY-Sendung vom 4. Juli 1997 wird der Fall vorgestellt. Ohne Erfolg.

2009 setzen die Bonner Ermittler ihre Hoffnung in einen Massen-Gentest. Eine Übereinstimmung mit der DNA des möglichen Mörders finden die Polizisten jedoch nicht.

Aktueller Stand: ungelöst

Noch 21 ungeklärte Tötungsdelikte im Raum Bonn

Bis heute wurden nach Auskunft des Senders rund 1500 Tötungsdelikte bei "Aktenzeichen XY" behandelt. 620 davon konnten aufgeklärt werden. In zahlreiche Fällen stehen die Ermittler allerdings auch nach Jahren und Jahrzehnten noch vor Rätseln.

Allein im Raum Bonn gibt es seit 1990 noch 21 ungeklärte Tötungsdelikte und versuchte Tötungen. Dazu zählen auch die bekannten Fälle Jens Bleck und Niklas Pöhler.

Zudem sind noch 22 Vermisstenfälle ungeklärt. Diese Fälle werden mitnichten einfach zu den Akten gelegt. Im Gegenteil: Regelmäßig gehen die Ermittler des zuständigen Kriminalkommissariats 11 die Asservatenhefte jener „kalten Fälle“ durch. Und manchmal kommt die Wahrheit auch nach Jahrzehnten ans Licht - durch eine neue Methode der Beweisanalyse, einen Hinweis oder durch puren Zufall, wie im Fall Monika F.

Mehr als 25 Jahre lang lebten die Angehörigen von Monika F. in der Ungewissheit, wer die 38-Jährige am Abend des 11. November 1991 in deren Haus in Meßdorf getötet hat. Erst im März 2017 hat die Ungewissheit ein Ende: Ein 52-jähriger Arbeiter, der damals als Student in Bonn lebte, hat der Polizei in Wolfenbüttel/Niedersachsen völlig unerwartet gestanden, die Ehefrau und Mutter mit zahlreichen Messerstichen getötet zu haben.

Zur Startseite